Die Wiener Schule
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 1. April 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nachdem wir uns in den letzten Tagen ein wenig mit den grundsätzlichen Gedanken von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes zur Entstehung von Inflation beschäftigt haben, wollen wir uns heute mal ein wenig mit der Wiener Schule auseinandersetzen.
Was ist die Wiener Schule?
...auch österreichische Schule genannt! Die Wiener Schule bezeichnet im Grunde eine ganze Richtung innerhalb der Volkswirtschaftslehre.
Ich spreche von einer ganzen Richtung, da unter der Bezeichnung Österreichische Schule eine ganze Fülle zum Teil verschiedener Strömungen, Aussagen und Positionen entstanden ist. Die Österreichische Schule lässt sich deshalb in verschiedene Generationen mit ihren jeweiligen Hauptvertretern aufteilen, angefangen bei Carl Menger (1840 - 1921) der als eigentlicher Begründer der Richtung gilt, bis in die heutige Zeit zu den US-amerikanischen Neo-Austrians mit prominenten Vertretern wie Murray Rothbard.
1. Generation: Carl Menger und die "Grundsätze der Volkswirtschaftslehre"
1871 erschien Mengers Hauptwerk: Die Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Mengers Darstellungen präsentieren sich hierbei im scharfen Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie. Er verfolgt konsequent eine subjektivistische Sichtweise und geriet dabei in einen Methodenstreit mit der vorherrschenden Sichtweise, die einen relativistischen Ansatz verfolgte. So entstand auch der Ausdruck Wiener Schule, den die Vertreter der klassischen Schule dem Kreis um Menger - abwertend gemeint - gaben. Schließlich nahmen ihn die Österreicher - stolz auf die Abgrenzung - an und bezeichneten sich fortan selbst als Wiener Schule.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse Mengers ergibt sich aus der Betrachtung der Grenznutzentheorie. Die Klassiker hatten es bis dahin nicht vermocht, den Umstand zu erklären, dass bisweilen Güter, die eigentlich von höherem Nutzen sind (wie Brot oder Kohle) von geringerem Wert sind, als Güter die eigentlich von geringerem Nutzen sind (wie Edelsteine).
Menger löste dieses Problem indem er annahm, dass die Güter erster Ordnung (also die Güter des täglichen Gebrauchs) den subjektiven Wertschätzungen der Konsumenten unterliegen. Dabei geht es auch darum wie stark ein Gut die menschlichen Bedürfnisse befriedigen kann. Wichtig ist dabei, dass Menger davon ausgeht, dass sich die subjektive Wertschätzung eines Guts immer nach der subjektiven Wertschätzung der letzten Einheit bestimmt (Grenznutzen). Sprich: bei fortschreitender Sättigung nimmt die Dringlichkeit einer weiteren Bedürfnis-Befriedigung ab.
Schwerer Tobak, ich weiß! Aber Menger schaffte es das so genannte klassische Wertparadoxon zu überwinden und fand eine ganze Reihe Anhänger.
2. Generation: Eugen von Böhm-Bawerk: Kapital und Kapitalzins
Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) war im Grunde ein Schüler Mengers der mit seinem Hauptwerk wesentlich zur Entwicklung einer subjektivistischen Kapital- und Zinstheorie beitrug.
Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht das menschliche Handeln mit freier Wahl der Mittel zur Erreichung eines subjektiven Ziels. Mittel und Ziele sind nicht objektiv zu betrachten, sondern ergeben sich aus dem unternehmerischen Handeln der Menschen.
Zeit ist für ihn ebenso ein Kapitalgut, wie Arbeit oder natürliche Ressourcen. Elementar für die Erzeugung von Kapitalgütern ist das Sparen, also ein unmittelbarer Verzicht. Nur durch die Abwägung der bestmöglichen Ausnutzung von Gegenwart und Zukunft kann eine Akkumulation von Kapitalgütern entstehen.
Der Zins erklärt sich durch das Zusammenspiel von Kapitalgütern und der Werteinschätzung im Laufe der Zeit. So verzichtet der Kapitalist auf einen Teil seines Konsums um Kapital zur Verfügung zu stellen. Die Werteinschätzung im Laufe der Zeit drückt sich dann im Marktpreis aus: als Zins.
ähnliche Beiträge:
- Die 4. Generation der Österreichischen Schule
- Friedman - die Inflation als monetäres Phänomen
- Monetarismus und die Inflation
- Wiener Schule und die Inflation
- Friedrich von Hayek und “Preise und Produktion“
- Die 3. Generation der Österreichischen Schule
- Ludwig von Mises und die Theorie der Konjunkturzyklen
weitere Ausgaben von
Rohstoff Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
Dienstag, 22. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Value Investor
Ihr aktueller Börsendienst für internationale, unterbewertete Qualitäts-Aktien
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Value Investor