Die wichtigsten Konjunkturdaten in dieser Woche
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Diese Woche ist dicht gepackt mit Ereignissen – herausragend natürlich die Notenbankentscheidung am Mittwoch und die Arbeitsmarktdaten am Freitag. Das Komik-Highlight könnte die Veröffentlichung der ersten Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt werden, wenn die Schätzungen tatsächlich so – oder warum nicht gleich höher – auf den Tisch kämen.
Achtung: Da in den USA später auf Winterzeit umgestellt wird, kommen alle US-Daten eine Stunde früher als üblich!
Dienstag, 30. Oktober 2007
15:00 Uhr: US-Verbrauchervertrauen für Oktober
Das Verbrauchervertrauen als Stimmungsindikator der US-Bürger wird zwar viel beachtet, hüpft aber aktuell wie ein Jo-Jo (Juni schwach, Juli hoch, August schwach, September noch schwächer) und ist darüber hinaus keineswegs eine Garantie dafür, dass sich die US-Bürger auch so verhalten, wie diese Daten suggerieren. Schwache Daten müssen nicht automatisch Sparen und Konsumverzicht bedeuten, umgekehrt hohe Werte keinen Kaufrausch. Daher sollte man diese Indikation keineswegs überbewerten.
Nachdem es im September unerwartet deutlich nach unten ging (auf 99,8 statt der erwarteten 104,5) rechnen die Analysten jetzt mit einer Stabilisierung im Bereich 100-101.
Mittwoch, 31. Oktober 2007
13:30 Uhr: Erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal
Passend zur abendlichen Zinsentscheidung wird am Mittwoch zunächst die erste Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht. Konträr zu den schwachen Gewinnsteigerungen der US-Unternehmen und den meist schlechten Konjunkturdaten soll die US-Wirtschaft zwischen +3,1 und +3,3% gestiegen sein (nach +3,6% im „zauberhaft“ guten 2. Quartal).
Nun gehe ich davon aus, dass diese Daten genau so herauskommen wie es gewünscht wird und ggf. in einem Monat dann wieder korrigiert werden. (So wie im 1. Quartal von +3,5 auf zuletzt +0,6%). Ich frage mich nur, ob diese mehr als 3% nicht für das gewünschte Ziel fröhlicher Stimmung kontraproduktiv wären, weil dann die Erwartung weiterer Zinssenkungen getrübt würde? Ich bin mal gewaltig gespannt, was da diesmal auf den Tisch gezaubert wird.
Dabei kommen zudem die Lohnkosten (moderate +0,9% erwartet) und der Deflator (Erwartung +2,1 bis +2,3%) auf den Tisch – also kein Inflationsdruck, wie es sich gehört.
14:45 Uhr: Chicagoer Einkaufsmanager-Index für Oktober
Nach überraschend deutlichen Steigerungen in den vorvergangenen Monaten hatte der Chicagoer Einkaufsmanager-Index im Sommer nur noch moderat im positiven Terrain gelegen. Ein möglicher Hinweis darauf, dass das Wachstum nicht in Schwung kommt ... aber eben nur ein Indiz, denn die Ergebnisse schwanken recht deutlich. Und gemäß der Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt wären solche Daten ja sowieso alle falsch (zumindest die schwachen). Diesmal soll es ein Niveau von 53,0 sein (nach 54,2 im September).
15:00 Uhr: US-Bauausgaben im September
Prognose für September –0,1% bis –0,3% nach +0,2% im August.
15:30 Uhr: Wöchentliche Öl-Lagerbestände in den USA
Die Kapazitätsauslastung bei den US-Raffinerien fällt immer weiter, der Winter kommt immer näher und die Lagerbestände sind zuletzt auch gesunken. Vorgaben, die einen steigenden Ölpreis favorisieren, der sich aber dennoch in denn kommenden Wochen „totlaufen“ sollte. Allerdings rechne ich nicht damit, dass hierzu die dieswöchigen Bestandsdaten bereits Impulse liefern werden.
19:15 Uhr: Zinsentscheidung der US-Notenbank
Der Markt preist per Montag eine 98%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 0,25% ein. Also wird die Notenbank den Leitzins um 0,25% senken, denn die Börsen dürfen nicht enttäuscht werden. Und eine abweichende Entscheidung würde das hohe Risiko bergen, dass am Aktienmarkt verkauft wird.
Ob diese Zinnsenkung von Zeitpunkt und Umfang her volkswirtschaftlich klug ist, dürfte zweitrangig sein. Grundsätzlich ist daher davon auszugehen, wie ich vor ein paar Tagen bereits unkte, dass die Kurse vorher steigen werden, weil diese Zinssenkung wunderbar ist. Und anders als früher, als „buy the rumour“ auch ein „sell the fact“ nahe legte, könnte ich wetten, dass es nach den wochenlangen Kurssteigerungen im Vorfeld danach ebenfalls zu Kurssteigerungen kommen wird. Vielleicht mit dem Argument, dass die nächste Zinssenkung Mitte Dezember ja schon vor der Tür steht ... lassen wir uns mal überraschen!
Donnerstag, 01. November 2007
13:30 Uhr: Persönliche Einnahmen und Ausgaben der US-Bürger im September
Die Veränderung der Einnahmen und Ausgaben der US-Haushalte spielt eine wichtige Rolle hinsichtlich der möglichen Wachstumsraten des für die USA entscheidenden privaten Konsums einerseits und für die Entwicklung der Inflation andererseits. Wunschszenario der Optimisten sind natürlich deutlich steigende Ausgaben, um den privaten Verbrauch als Stütze der US-Wirtschaft zu stärken ... was aber, wenn es zu viel wird, Inflationsdruck nach sich zieht. Diese Medaille hat also immer zwei Seiten.
Für September sollen die Einnahmen sollen um +0,4% nach +0,3% im August gestiegen, die Ausgaben um +0,4 - +0,5% nach +0,6% im August geklettert sein.
15:00 Uhr: Nationaler US-Einkaufsmanager-Index (ISM), verarbeitendes Gewerbe
Nach dem regionalen Indikator wie immer kurz darauf die Daten für die gesamten USA. Die Stimmungslage der Einkaufsmanager ist wichtig, weil sie am Anfang der Produktionskette sitzen und so „das Gras wachsen hören“. Für das verarbeitende Gewerbe erwarten die Analysten im Oktober ein Niveau von 52,0, also gegenüber September unverändert und damit ein schwaches Wachstum (50 ist bei diesen Indizes der Wert für eine unveränderte Lage).
Freitag, 02. November 2007
13:30 Uhr: US-Arbeitsmarktdaten für Oktober
Die monatlichen Arbeitsmarktdaten gehören zu den wichtigsten Konjunkturdaten eines Monats, da sie zum einen den Blick auf die mögliche Konsumentwicklung erlauben (je mehr Menschen in Arbeit stehen und desto mehr sie verdienen, desto besser die Chancen für steigenden privaten Konsum), zum anderen den Blick auf die Lage der Unternehmen ermöglichen.
Während die Arbeitslosenrate nur eine statistische Größe ist, werden die anderen beiden Elemente scharf beobachtet und sorgen fast immer für kräftige Kursausschläge. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen ist ein Abbild für die Verfassung der Unternehmen einerseits und für die Zahl derer andererseits, die weiterhin als „solvente“ Konsumenten für ein stabiles Wirtschaftswachstum sorgen können. Die Veränderung der Stundenlöhne zeigt zum einen die möglichen, zusätzlichen Potenziale für den Konsum, zum anderen aber auch den Umfang der Kostenbelastung für die Unternehmen und hat so eine hohe Relevanz für die Inflationsentwicklung.
Die Prognose für Oktober lautet auf (Vormonat in Klammern) 80.000 – 90.000 neu geschaffene Arbeitsstellen (110.000), eine Arbeitslosenrate von 4,7% (4,7%) und einen Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um +0,3% (+0,4%).
15:00 Uhr: Auftragseingänge für die Industrie im September
Diese Daten sind eigentlich schon alt, aber dennoch interessant, da sie nach den Auftragseingängen langlebiger Wirtschaftsgüter eine Woche vorher ein Gesamtbild zeigen können. Doch auch diese Daten schwanken reichlich. So liegen die Schätzungen für September zwischen –0,5% und +1,0% (nach –3,3% im August).
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