Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Weitere Börsenthemen
vom
Nach einer sehr ruhigen Woche, in welcher der Schwerpunkt in den USA beim Verzehr von Truthähnen zu Thanksgiving lag, kommt nun wieder eine große Welle an Konjunkturdaten auf uns zu. Verbrauchervertrauen, Einkaufsmanager-Indizes und Daten aus dem Immobilienbereich – aus jedem Sektor etwas. Nur auf die Arbeitsmarktdaten müssen wir noch eine Woche länger warten, da am Freitag erst der 1.12. ist, was für das Zusammentragen der Daten gemeinhin nicht reicht. Nur eine einzige Frage zieht sich dabei durch alle Datenbereiche: Wird die zuletzt wieder deutlicher sichtbare Abschwächung der US-Wirtschaft sich verstetigen - und wie werden die Aktienmärkte darauf reagieren?
Dienstag, 27. November 2006
14:30 Uhr: Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter für Oktober in den USA
Grundsätzlich sind Auftragseingänge ein guter Frühindikator für die kommende wirtschaftliche Entwicklung, da sie ja am Anfang der Produktionskette stehen. Doch diese Daten sind zum einen relativ alt – der Oktober ist nun fast einen Monat her – und zum anderen hochvolatil. Denn langlebige Wirtschaftsgüter, die also nicht zum normalen Konsum zählen, werden sehr unregelmäßig angeschafft. Insbesondere die ganz großen Blocks wie Flugzeuge, Rüstungsgüter oder Fahrzeuge sind kaum berechenbar, weshalb diese Daten sehr stark schwanken. Ein zu hohes Gewicht sollte man ausgerechnet dieser Zahl daher nicht beimessen.
Erwartet wird – und das ist eine klare Bestätigung dieser Sprunghaftigkeit – ein scharfes Minus zwischen –4,5 und –6,0%, nachdem die Auftragseingänge im September um sagenhafte 8,3% angestiegen waren ... was aber vor allem auf eine ungewöhnlich hohe Anzahl an georderten Flugzeugen bei Boeing zurück zu führen war.
16:00 Uhr: US-Verbrauchervertrauen für November
Neben den von der Universität Michigan erhobenen, zweiwöchentlich erscheinenden und damit sehr aktuellen, aber auf einen engeren Kreis an Befragten begrenzten Verbrauchervertrauensdaten gibt es auch noch die landesweiten Daten.
Bislang zeigten sich diese von den rückläufigen Wachstumsraten in den USA unbeeindruckt. Nicht zuletzt wegen der steigenden Aktienmärkte und den gefallenen Heizöl- und Benzinpreisen, die die Stimmung der Verbraucher weit mehr beeinflussen als die Konjunktur als solche.
Es wäre also nicht verwunderlich, wenn auch diesmal keine Reaktion auf die faktische Lage erfolgt ... so lange, bis sie direkt an der Geldbörse eines jeden Einzelnen nagt. Die Prognose liegt bei einem gehaltenen Niveau zwischen 105,0 und 106,5 nach 105,4 im Oktober.
16:00 Uhr: Verkäufe bestehender Eigenheime in den USA im Oktober
Die Umsätze bei den gebrauchten Immobilien waren bislang der einzige Sektor, der nominal nicht allzu viel unter dem Einbruch des Immobilienmarkts gelitten hat. Aber die reine Zahl der Verkäufe ist auch nicht wirklich relevant (erwartet wird ein ungefähr gehaltenes Niveau um die 6,15 Millionen Einheiten). Viel spannender und aussagekräftiger ist der erzielte Preis. Der Durchschnittspreis hatte in den vergangenen Monaten bereits deutlich nachgegeben, regional jedoch sehr unterschiedlich. Wenn sich dieser Abstieg der Preise fortsetzt, hat das natürlich markante Auswirkungen auf die Vermögensverhältnisse der US-Bürger und kann beinahe als Taktgeber des Abschwungs angesehen werden. Ich berichte am Mittwoch morgen ausführlich!
Mittwoch, 29. November 2006
14:30 Uhr: Zweite Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts im 3. Quartal
Die erste Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts war mit +1,6% unter den ohnehin eher verhalten optimistischen Prognosen ausgefallen. Nun erwarten die Experten eine Steigerung der Zahlen nach genauerem Durchrechnen auf +1,8%. Ich halte dies für zu optimistisch, auf mögliche negative Überraschungen sollte man sich zumindest mental einstellen.
16:00 Uhr: US-Neubauverkäufe im Oktober
Nachdem die Berechnungsgrundlagen geändert und die Daten der vergangenen Monate deutlich nach unten korrigiert wurden, wirkten die Neubau-Verkäufe in den letzten beiden Monaten reichlich verwirrend. Unter dem Strich gab es eine leichte Gegenbewegung nach oben nach mehreren Monaten deutlicher Rückgänge.
Jetzt geht man davon aus, dass auch die Hausverkäufe den anderen schwachen Immobiliendaten nachlaufen werden. Nach 1,075 Millionen Einheiten im September liegen die Prognosen jetzt zwischen 1,01 und 1,045 Millionen, was einem Rückgang zwischen drei und sechs Prozent entspräche!
16:30 Uhr: Wöchentliche Rohöl-Lagerbestände in den USA
Für die nächsten Wochen ist mit dem Wintereinbruch zu rechnen, was die Vorratsbestände sukzessive verringern dürfte. Fraglich bleibt jedoch, in wie weit sich dies auf das immer noch einen Boden zwischen 58 und 60 Dollar ausbildende Rohöl auswirken wird ... denn dass der Winter vor der Tür steht, ist ja nun allgemein bekannt. Ich erwarte erst bei wirklich ungewöhnlichen Wetterverhältnissen entsprechend größere Kursausschläge – die aber natürlich in beide Richtungen möglich sind.
Donnerstag, 30. November 2006
14:30 Uhr: Persönliche Einkommen und Ausgaben der US-Bürger im Oktober
Regelmäßig überstiegen die Ausgaben bei den US-Bürgern die Einnahmen und unterstrichen die negative Sparquote, sprich die immer weiter anschwellende Schuldenlast der US-Haushalte. Aber seit August sieht das Bild anders aus: Die Einnahmen übertrafen zweimal nacheinander die Ausgaben.
Da auch die Netto-Neuverschuldung zuletzt wieder auf ein relativ mäßiges Niveau abgesunken ist lässt sich vermuten, dass die zusehends unsichere Lage die US-Bürger tatsächlich zum Sparen anhalten könnte. Was jedoch positiv hinsichtlich der Inflationserwartungen ist, ist zugleich negativ für den Konsum. Denn wenn der Dollar nicht mehr so locker sitzt, könnte diese letzte Stütze der US-Konjunktur größere Risse bekommen.
Es ist daher fraglich, ob geringere Ausgaben als erwartet eine positive Reaktion an den Märkten hervorrufen, die angesichts der beginnenden Weihnachtssaison besonders intensiv auf die Umsätze der Einzelhändler blickt. Die Prognosen lauten auf gegenüber September unveränderte Werte von +0,5% bei den Einnahmen und +0,1% bei den Ausgaben.
16:00 Uhr: Chicagoer Einkaufsmanager-Index (Chicago PMI) für November
Die Einkaufsmanager sitzen in den Unternehmen an vorderster Front. Wenn sich die Unternehmenslage verbessert oder verschlechtert, merken sie es als erste. Dementsprechend wird die Befragung dieser Manager immer mit hoher Aufmerksamkeit verfolgt. Denn da sie für die Beschaffung zukünftiger Produktionsmaterialien bzw. Investitionen zuständig sind, sind die Auswirkungen ihrer Einschätzungen in die Zukunft gerichtet, wirken also wie ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung der kommenden Monate.
Nach einem sehr scharfen und unerwarteten Rückgang von 62,1 im September auf nur noch 53,5 im Oktober erwarten die Analysten eine Erholung in den Bereich 54,5 bis 56,0. Sollte diese Erholung flachfallen rechne ich mit überaus negativen Reaktionen am Aktienmarkt und – mit Blick auf nötige Zinssenkungen – steigenden Anleihekursen in den USA.
Freitag, 01. Dezember 2006
16:00 Uhr: US-Bauausgaben für Oktober
Zuletzt hatten auch die Bauausgaben nachgegeben, zuvor noch ein gewisser Hort der Stabilität im Bausektor. Diese – bislang aber erst leicht – abwärts gerichtete Tendenz soll sich den Prognosen zufolge auch im Oktober fortgesetzt haben: Es wird ein erneuter Rückgang zwischen –0,2% und –0,3% nach –0,3% im September erwartet.
16:00 Uhr: US-Einkaufsmanager-Index für das verarbeitende Gewerbe (ISM-Index) November
Wie immer erfolgt unmittelbar nach dem Chicago PMI die Veröffentlichung der Zahlen zum ISM Index des verarbeitenden Gewerbes (ISM Manufacturing Index) für. Ein Index, veröffentlicht vom Institute for Supply Management (ISM), der letztlich die selbe Klientel (Einkaufsmanager) wie der Chicago PMI nach ihrer Meinung zur aktuellen und zukünftigen Geschäftslage befragt. Nur ist dieser Index auf das verarbeitende Gewerbe beschränkt und wird USA-weit erhoben. Er bietet somit ein landesweites Bild über die Erwartungen der Einkaufsmanager.
Hier sahen wir für den Oktober ernüchternde Daten. Mit 51,2 deutete der Index nur noch marginales Wachstum an (50 markiert ein Null-Wachstum), wobei einzelne, wichtige Teilkomponenten bereits eine deutliche Schrumpfung signalisierten. Diesmal hofft man auf eine leichte Erholung des Niveaus in einen Bereich zwischen 52,0 und 52,5. Sollte das nicht gelingen, erwarte ich auch hier negative Reaktionen am Aktienmarkt.