Die wichtigsten deutschen Konjunkturdaten: Der Ifo-Index und der ZEW-Index
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 12. Oktober 2004 18:00 Uhr
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Hauptsächlich reagieren die Börsen auf amerikanische Konjunktur-Indikatoren. Doch es gibt zwei Deutsche Konjunktur-Indizes, die ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf das Börsengeschehen in Deutschland nehmen können.
Der Ifo-Index
Der Ifo-Index gilt als das wichtigste Konjunkturbarometer in Deutschland.
Das Institut für Wirtschaftsforschung der Universität München, das IFO-Institut, gestaltet eine monatliche Umfrage unter ca. 7.000 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels. Darin sollen die befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitteilen.
Die Unternehmen können ihre Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monaten als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" kennzeichnen.
Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage errechnet sich aus der Differenz der Prozentanteile der Antworten "gut" und "schlecht", der Saldowert der Erwartungen berechnet sich aus der Differenz der Prozentanteile der Antworten "günstiger" und "ungünstiger". Das Geschäftsklima ist damit ein umgewandelter Mittelwert aus den Salden der Geschäftslage und der Erwartungen. Zur Berechnung der Indexwerte werden die Ergebnisse jeweils auf den Durchschnitt des Jahres 2000 normiert.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex gibt auch aufgrund seiner Umfragebreite ein interessantes Bild der aktuellen Situation der deutschen Unternehmen. Daneben ist die Geschäftserwartung ein Indikator für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen – und damit auch für die Entwicklung der Wirtschaft.
Im Gegensatz zum gleich vorgestellten ZEW Index ist der Ifo-Index aus diesem Grund weniger ein Stimmungsindex sondern eher ein Frühindikator für den Fortgang der deutschen Wirtschaft.
Der ZEW Index
Der ZEW Index wird aus einer Umfrage unter bis zu 350 Finanzexperten ermittelt. Er wird wie der IFO-Index monatlich erhoben. Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Erwartungen der Finanzexperten für die künftige Wirtschaftsentwicklung (auf Sicht von sechs Monaten) in Deutschland wieder. Abgefragt werden auch die Erwartungen für die Eurozone, Japan, Großbritannien und die USA.
Dazu ein Beispiel: Sofern 30 Prozent der Umfrageteilnehmer der Meinung sind, die wirtschaftliche Lage wird sich verbessern und 40 Prozent vertreten die Ansicht, die wirtschaftliche Situation wird sich verschlechtern, so ergibt sich ein Saldo für die Konjunkturerwartungen von -10. Der Anteil derjenigen, die mit keiner Veränderung der Konjunktur rechnen, spielt dabei für den Saldo keine Rolle.
Dem ZEW-Index wird allgemein nicht die gleiche Bedeutung wie dem Ifo-Index beigemessen. Doch gerade für die Börsen kann er ein entscheidendes Signal liefern. So ist der ZEW Index gerade in den Extremen interessant. Denn der ZEW-Index ist eine Art Sentiment-Analyse, gibt also die Stimmung unter den Finanzexperten wieder.
Wenn die Finanzexperten, die sich aus Analysten und institutionellen Anlegern zusammensetzten, überwiegend der Meinung sind, dass die wirtschaftliche Aussicht positiv ist, bedeutet das für die Börsen: Die Meinung ist sehr euphorisch. Das muss als Kontraindikator gewertet werden. Deswegen verwundert es nicht, dass der ZEW Höchstwerte im Januar 2000 mit 89,6 Punkte erzielte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Analysten demnach einhellig der Meinung, dass die wirtschaftlichen Aussichten rosig sind und kündigten damit bereits im Januar mit dreimonatiger Verzögerung den größten Crash der Geschichte an.
Das gleiche galt zum Beispiel im Dezember 2002, als die Werte noch einmal mit 0,6 Zählern fast auf Null standen und mit dreimonatiger Verspätung die Irakkriegsrallye ankündigten.