Die wichtigsten Charts für die kommenden Tage
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Juli 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Spätestens nach den üblichen Positionsbereinigungen nach Verfallterminen am Montag werden die Trader wieder versuchen, sich über die Tellerrand des Day-Tradings hinauszuziehen und sich umblicken, was während ihres Kampfes um zweieinhalb Pünktchen im Dax Future so in der Welt passiert ist. Es kann kein Fehler sein, wenn wir bereits früher hinsehen.
Fangen wir mal im „Uhrzeigersinn“ mit den asiatischen Börsen an. Ich erspare mir Shanghai, nur kurz hierzu: Auch, wenn manch einer mal einfach so als gegeben annimmt, dass hier die Rekordfahrt natürlich immer weitergeht: An der Börse Shanghai liegt das letzte Rekordhoch sieben Wochen zurück. Aktuell liegen wir ca. 10% darunter.
In Tokio ist das Ringen um die bisherigen Jahreshochs immer noch nicht beendet. Sie sehen: Der Nikkei 225 läuft zwar wie auf Schienen entlang seines März-Aufwärtstrends, konnte aber den „Deckel“ bei 18.300 bislang nicht überwinden. Sie sehen auch, dass die Spanne zwischen Aufwärtstrend und diesem Widerstand schnell enger wird – aktuell kaum mehr als 1,5%. Eine Entscheidung wird also sehr bald fallen.
Sollte sie wie beim Hangseng in Hongkong zu Gunsten der Bullen ausfallen, dürfte auch die Kursreaktion vergleichbar sein. Mit einem großen Gap (Kurslücke) und einem extrem festen Handelstag durchstieß der Hangseng im Juni seine bisherigen Jahreshochs und etablierte einen sehr steilen Aufwärtstrend ... oder anders formuliert: eine Fahnenstange. Binnen kurzer Zeit ging es gut 10% nach oben, doch zuletzt war plötzlich die Dynamik weg. Der MACD steht kurz vor einem Verkaufssignal und der steile Trendkanal möglicherweise vor dem Bruch. Wir werden kommende Woche erleben, ob es bereits jetzt dazu kommt.
In jedem Fall ist der Hangseng auch ein gutes Beispiel dafür, was im Dax abgehen kann, wenn dieser seine Linie um 8.136 nachhaltig bricht. Durchaus denkbar, dass man uns auch die daraus folgenden Konsequenzen (via Hongkong) bereits im Vorfeld vorführt.
Bislang zeigt sich der Dax trotz erneuter Rekordfahrt „aus dem Stand“ in den USA noch erstaunlich verhalten. Ob es der denkbare Exodus ausländischer Investoren in andere Börsen mit nun mehr Dynamik ist oder der heutige Verfalltermin bremst – in jedem Fall haben wir hier eine Hürde noch nicht überwunden:
Mit zuletzt knapp unter 8.000 notiert der Dax noch unter seinem Kreuzwiderstand aus 20 Tage-Durchschnitt und der eigentlichen März-Aufwärtstrendlinie. Auch der MACD konnte bislang noch nicht nach oben drehen. Ob das ein Omen für bald bearishe Zeiten ist oder nur kurzfristige Ladehemmung – ab kommender Woche werden wir auch hier schlauer sein. Entscheidend: 8.000 und 8.136 nach oben, 7.860 und 7.750 nach unten.
Zuletzt zum Dow Jones Industrials. Wie oben erwähnt vor allem von IBM, der am schwersten gewichteten Aktie im Index, getrieben, schaffte es der Index nun im 2. Anlauf über die 14.000. Ich würde aber – Sarkasmus sei gestattet – noch nicht von einem signifikanten Überschreiten dieser nur psychologisch relevanten Linie sprechen: Der Schlusskurs lag 0,003% darüber ... na ja. Beim US-Sender CNBC wurde so um die 14.000 per Schlusskurs gezittert dass man hätte meinen mögen, man sieht sie nur einmal und dann nie wieder. Wer weiß ...?
Chart- und markttechnisch sehen wir hier auch eine Art kleiner Fahnenstange nach dem Ausbruch aus einer zweimonatigen, volatilen Seitwärtsbewegung, wobei die Markttechnik bereits leicht überkauft ist. So allzu viel Luft nach oben in einem Stück ist da nicht mehr angezeigt.
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