Die weltweite Schuldenkrise: Mord an Papiergeld
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 9. März 2010, 07:30 Uhr
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Alle sagen, der Euro fiele auseinander... und das Europa selbst als politische Einheit nicht überleben kann.
Europa scheint es an Dingen zu fehlen, die für ein starkes politisches System notwendig sind. Man hat beispielsweise keine gemeinsame Sprache (in Europa gibt es mehr als 200 verschiedene Sprachen). Und man hat auch keine gemeinsame Kultur... oder auch nur eine gemeinsame Religion... oder eine gemeinsame Rasse.
Die Griechen gehen auf die Straßen. Sie sind sauer, weil ihre Regierung die Dienstleistungen einschränken will. Dabei handelt es sich dabei eigentlich nicht um Dienste, die irgendwer vermissen würde. Es geht ums Geld. Die Protestierer sind überwiegend Menschen, die auf die eine oder andere Art auf Kosten anderer leben... dank der Regierung. Sie arbeiten für die Regierung... oder sie erhalten Geld von der Regierung.
Die arme griechische Regierung steckt fest. Wie in fast allen anderen Demokratien, haben die Politiker Stimmen gekauft, indem sie Arbeitsplätze und Geld verteilt haben. Das führte zu einem Bieterkrieg... bei dem die politischen Parteien um die Gunst der Wähler buhlen, indem sie ihnen immer mehr Dienste anbieten. Der eine verschenkt Brot. Einem anderen geht es mehr um die Spiele. Egal ob es Lebensmittelmarken oder Kriege im Ausland sind... der Preis ist hoch. Und irgendwann gehen die Gebote über die Fähigkeiten der Regierung hinaus, dafür zu bezahlen.
Griechenland ist an diesem Punkt angekommen. Genauso wie die Hälfte der amerikanischen Bundestaaten. Ihnen geht das Geld aus. Es ist Weltuntergangstag" in Illinois, heißt es in einer weiteren Schlagzeile. Der Notstand" sei ausgebrochen, heißt es in New Jersey.
Die Kreditgeber wollen ihnen kein Geld mehr geben. Sie sind so weise, sich Sorgen zu machen, dass sie das Geld nicht zurückbekommen werden. Also fordern die Kreditgeber höheren Zinssätze, um die gesteigerten Risiken zu decken... und das bringt den griechischen Haushalt noch weiter in die roten Zahlen.
Die Griechen denken, die Deutschen sollten ihnen helfen. Warum? Weil es in gewisser Hinsicht die Deutschen waren, die sie in den Schlamassel gebracht haben. Niemand hätte den Griechen so viel Geld geliehen, wäre da nicht der von den starken Teutonen gedeckte Euro gewesen... und das implizite Versprechen, dass wenn die Griechen in Schwierigkeiten geraten sollten... und jeder wusste, dass das passieren würde... der Rest Europas zur Hilfe kommen würde.
Nun, was weiß ich schon? Die Griechen stecken in Schwierigkeiten. Und die Deutschen wollen ihnen nicht zur Hilfe kommen. Die Deutschen haben gespart. Sie haben ihre eigene Wirtschaft besser geführt. Deutschland ist eines der wenigen Länder Europas, die - fast - nach den Regeln des Abkommens leben, das sie alle unterzeichnet haben und in dem sie zugestimmt haben, die Defizite bei unter 3% des Bruttoinlandsprodukt zu halten. Die Defizite in Deutschland liegen ein wenig über den 3%. Die Griechen kommen nicht einmal in die Nähe dessen - mit einem Defizit von 12,7%.
In Amerika sieht die Sache ein wenig anders aus. Die Wirtschaft und die Bevölkerung sind homogener. Und viel mehr Geld ist in den Händen der zentralen Regierung. Die Deutschen können nicht einsehen, warum man ihre Ersparnisse verwenden sollte, um die Griechen zu retten. Sie haben ihre eigene Wirtschaft. Und die Griechen haben eine andere. In den Vereinigten Staaten gibt es zwar regionale Unterschiede, aber es gibt dort im Grunde genommen nur eine Wirtschaft... mit einer einzigen Regierung, die alle in Schwierigkeiten bringt.
Stehen die Vereinigten Staaten damit besser da? Macht die Zentralplanung in einem größeren Rahmen den amerikanischen Dollar oder die amerikanische Wirtschaft stärker?
Die Lockerheit des europäischen Experiments ist seine Stärke und keine Schwäche. Was eine Papierwährung schädigt, ist weniger ein Versäumnis, als vielmehr der Auftrag. Versäumt man, mehr Geld und mehr Kredite zur Verfügung zu stellen, dann wird das das Papiergeld nicht umbringen. Im Gegenteil, die Bereitschaft, unbeschränkt Papiergeld zur Verfügung zu stellen, zerstört das Geld. Bislang tun die Amerikaner dies. Die Europäer - oder zumindest die Deutschen - tun es nicht.
Also setze ich langfristig auf den Euro... sowohl der Euro als auch der Dollar sind elastische" Währungen. Sie beide werden aus der Form gebracht. Aber es gibt mehr Menschen, die am Dollar zerren, als solche, die am Euro zerren.
Um es kurz zu machen: Alles ist möglich. Es gibt vermutlich mehr Gründe für den Dollar zu steigen als zu fallen. Aber auf lange Sicht setze ich mein Geld auf den Euro.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bruno Pohl (09.03. 2010 08:15 Uhr):
Wir Deutschen wollten ja einen Euro nach dem Erfolgsmodell der DM, was ja bisher ganz gut geklappt hat. Die DM war zu "klein", der Euro dagegen ist langsam aber sicher eine internationale Anlagewährung geworden. Da eine solche Gemeinschaftswährung ja absolutes Neuland ist, muss man lernen (man muss eigentlich immer lernen). Jetzt stellt sich heraus, dass Europa keine richtige gemeinsame Wirtschaftspolitik betreibt, dass die Nationalbanken zu viele eigene Rechte haben. Also muss die EZB gestärkt werden, Europas Finanzen auf eine gemeinsame Basis gestellt werden. Dazu brauchen wir mehr klare Regeln, für den Notfall auch eine klare Handhabe, wenn es mal nicht funktioniert. Die EZB steht zum Beispiel ziemlich hilflos da, wenn jetzt eine griechische Junta die Macht in Athen übernehmen würde. Wir brauchen wohl einen europäischen Währungsfonds, und natürlich klare Regeln für den Fall X. Ich bin erschüttert, dass es hier wohl gewaltig hapert. Natürlich können wir kein Euroland fallen lassen, aber es muss im Einklang mit den Märkten psycholgisch klug gemacht werden. Und es müssen Grenzen eingezogen werden, die Leerverkäufe müssen beschränkt werden, Die Nationalbanken, auch die EZB müsste hierfür Steuern bekommen, vielleicht für eigens dafür ausgegebene Lizenzen.
Antworten - Kommentar von walter bruno (09.03. 2010 13:56 Uhr):
Naja, weder Euro noch Dollar werden m.E. die Zukunft sein. Traut man dem Geschwätz der Wanzen bei der Bilderberg Group, so ist eine neue Weltordnung mit nur einer Weltregierung ( ohne China) , mit einem Weltwirtschaftsraum und einer Weltwährung die wahre uns auferlegte Zukunft. Pfiffigere Spekulanten oder Insider (?) pfeifen gar, dass der Prozess der Angleichung auf Währungsparitäten (1:1 Dollar und Euro) bereits eingeleitet wurde. Die zukünftige Weltwährung würde gar mehrere Probleme mit einer Klappe schlagen wie z.B. die wichtigsten: 1. Lösung des Problems der Staatsschulden ( nicht vollständig, aber auf ein handelbares Niveau) 2. Verbesserung der Positionen im Handel mit China ( so der damit verbundenen währungstechnischen und Bilanzprobleme) 3. Vereinfachung der Überwachung und Regulierung des Finanzsektors. Es gibt noch eine ganze Reihe int. Effekte, die allerdings alle nichts unbedingt gutes für die unteren bis hin in die Mittelschichten mit sich bringen. Aber belassen wir es zunächst bei dieser Spekulation, zu welcher man im Internet umfangreiches Material beim googeln findet.
Antworten - Kommentar von P Baur (09.03. 2010 15:44 Uhr):
Aber auf lange Sicht setze ich mein Geld auf den Euro..... oder doch lieber auf den Schweizer Franken oder den Silber Philharmoniker ??
Antworten - Kommentar von Peter Harting (09.03. 2010 16:03 Uhr):
Die Griechen hatten in den 60er Jahren noch einen König und ein mittelalterliches Steuersystem: Auf Importe, z.B. auf jedes Auto, erhob der König 100 % Zoll. Ein Käfer kostete damals statt 10 Tausend eben 20 Tausend Mark (umgerechnet in Drachmen). Auf den Straßen gab es demgemäß wenige Autos, dafür enorm viele Esel, denen es oblag, Lasten zu tragen. Heute ist der König weg, sind die Straßen in Athen und dem übrigen Land voll mit Autos, die wahrscheinlich weniger gekostet haben als im Herstellerland. Denn Griechenland gehört zur EU. Da gibt es eine Mehrwert- und eine Einlommenssteuer, die schlaue Griechen zu 70 Prozent umgehen. Das ist also modern. Die Esel sind von den Straßen verschwunden. Ich frage mich, wohin sie wohl gegangen sind? Oder haben sie sich etwa in Zweibeiner verwandelt, die auf den Straßen um die verlorenen Geschenke aus den modernen Steuern krakeelen, oder sitzen sie jetzt gar in den Ministerien, wo man die Lasten auf andere Schultern verteilt?
Antworten - Kommentar von Hubert Haag (09.03. 2010 22:14 Uhr):
Hallo Mr. Bonner, genau die Dinge, die Ihrer Meinung in Europa fehlen haben die USA noch nie gehabt: eine gemeinsame Sprache, überhaupt keine Kultur, keine Religion, und noch weniger eine gemeinsame RasseDas was es vorher an Kultur im Raume USA gab, haben sie fast mit erfolg ausgerottet und tun dies heute noch, wenn man zum Beispiel an Hawei denkt, das jetzt erst recht unterdrückt wird, und deren Ureinwohner bei hohen Strafen verboten wird ihre alte Sprache weiter zu sprechen. Wo liegt der Unterschied zu Europa? Nun die Amerikaner waren schon immer skrupelloser und sind es auch heute noch!
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ENL5462
- Kommentar von Hans Stadtelmeyer (10.03. 2010 00:25 Uhr):
Wenn man das Gedöns um das $/€-Verhältnis verfolgt, könnte man meinen, dass alle von "Alzheimer" befallen sind. Ende 2002 ca 1:1, dann bis Ende 2004 1,36:1,Ende 2005 wieder 1,18:1 u. wie- der hoch bis Ende 2009 auf 1,43:1. Wenns nun wieder runtergeht, dann werden steigende Energie- u. Benzin- preise von den BSE-Medien dem BSE- Volk als zwangsläufig verkauft.
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