Die Weltkarte der wirtschaftlichen und politischen Risiken 2008
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 17. Juni 2008, 16:00 Uhr
Internationaler Terrorismus, Klimaveränderungen, Virulente Epedemien oder gar Pandemien, Naturkatastrophen oder Computerviren sind längst keine Gefahren mehr, wie sie nur von Berufsskeptikern oder Weltuntergangspropheten heraufbeschworen werden. Unternehmen, Versicherungskonzerne oder auch professionelle Vermögensmanager haben längst diese Geopolitischen Einflussfaktoren in Ihre Bewertungsmuster und Risikomanagementsysteme mit einbezogen.
Immer mehr Unternehmenschefs, Finanzchefs und Risikomanager wollen und müssen mehr darüber wissen, inwieweit ihre Unternehmen in einer zunehmend komplexen, globalisierten Welt gefährdet sind. Denn Risiken sind eine der grundlegenden Antriebskräfte der Weltwirtschaft, deren Nichtberücksichtigung für Unternehmen fatale Folgen haben können, da sich das globale wirtschaftliche Umfeld ständig ändert.
Auch für Sie als Privatinvestor lohnt es sich, diese Geopolitischen Veränderungen in unserer Welt fortlaufend zu betrachten und in Ihre persönliche Vermögens- und Lebensplanungen mit einzubeziehen. Vor allem die Arbeiten und Studien von Risikomanagern aus Versicherungsunternehmen können hier wertvolle Erkenntnisse liefern. Eine aktuelle und aus meiner Sicht eine der besten und anschaulichsten Auswertungen möchte ich Ihnen heute vorstellen.
Die Weltkarte der politischen und wirtschaftlichen Risiken 2008
Das Unternehmen AON beschäftigt sich unter anderem mit professionellen Dienstleistungen und Lösungen rund um Risiko Management Beratungen und Versicherungsleistungen für Unternehmen.
Die Risiken von 209 Ländern und Staatsgebieten
Aon stufte in seiner aktuellen Studie das politische und wirtschaftliche Risiko von 209 Ländern und Staatsgebieten ein, wobei folgende Risiken gemessen wurden:
+ Die Nichtkonvertierbarkeit der Währung und der Währungstransfer
+ Streiks, Aufstände und Bürgerunruhen
+ Krieg
+ Terrorismus
+ Forderungsausfälle gegenüber dem Staat
+ Politische Interventionen
+ Unterbrechung der Versorgungskette
+ Gesetzliche und ordnungspolitische Risiken
Die Risiken werden in die Kategorien niedrig", niedrig bis mittel", mittel", mittel bis hoch" und hoch" eingestuft. Die Ergebnisse der Studie wurden von Aon Trade Credit Global in Zusammenarbeit mit Oxford Analytica, einem internationalen Beratungsunternehmen, durchgeführt wurde. Die Untersuchung von Oxford Analytica basiert dabei auf Beiträgen eines weltweiten Netzes von über 1.000 Experten, um auch eine unabhängige Beurteilung der geopolitischen Risiken zu gewährleisten.
Ein wirtschaftlicher Aufschwung schützt nicht vor Risiken
Das interessante Ergebnis der Studie ist folgendes: In 25 der 50 weltweit größten Volkswirtschaften besteht für multinationale Unternehmen ein erhöhtes politisches und wirtschaftliches Risiko. Aus meiner Sicht durchaus überraschend sind Länder mit einem starken Wirtschaftswachstum hier besonders gefährdet.
Was ist eigentlich multinational und wie definiert sich dieser Begriff?
Multinationalisierung ist ein Begriff für die starke Beschleunigung der weltumspannenden Verflechtungen und des Wirtschaftslebens.
Multinationalisierung ist der Transfer von Kapital und Arbeit von einer Volkswirtschaft in eine andere. Die Initiative geht hierbei von Unternehmen oder Privatpersonen aus, die Produktions- und Vertriebsstandorte ins Ausland verlagern, oder aber Ihren Wohnsitz verlegen. Das Motiv der Wirtschaft, bzw. von Privatpersonen für eine Migration/Verlagerung von Kapital, Arbeit, oder dem Wohnsitz ist zum einen die Erschließung neuer Marktanteile, die Wahrnehmung von Standortvorteilen oder die Gewinnmaximierung durch Kosten- oder Steuervorteile.
Auch Sie sind wahrscheinlich bereits seit langem multinational tätig!
Sie denken das betrifft Sie alles nicht? Ich denke doch, nur sind sich die wenigsten Kapitalanleger dessen auch wirklich bewusst. Die gängige Definition von multinational ist nämlich, dass Sie in mindestens drei verschiedenen Ländern produzieren, kooperieren, einkaufen, verkaufen, handeln oder investieren. Also wenn Sie beispielsweise die Aktien Coca Cola (USA), Nokia (Finnland) und Sony (Japan) in Ihrem Depot haben, sind Sie bereits eine multinational tätige Privatperson und somit auch von Geopolitischen Risiken deutlich stärker betroffen.
Ölvorkommen = Höheres Risiko
Die Studie zeigt beispielsweise auch, dass das politische und wirtschaftliche Risiko besonders in den ölreichen Staaten Iran, Nigeria und Venezuela am größten ist, da hier die Geschäftswelt mit politischen Unruhen, Krieg, Terrorismus und Forderungsausfällen gegenüber staatlichen Stellen am stärksten konfrontiert ist.
Russland - Von der Privatisierung zur Verstaatlichung?
Während die Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen, zeitintensiven Änderungen von Rechtsvorschriften oder Streiks und politischen Unruhen in einem Großteil der reichsten Länder der Welt relativ gering ist, sind diese Risiken in den Ländern mit einem starken Wirtschaftswachstum eine reale Gefahr. Beispielsweise werden Unternehmen, die in Russland im Rohstoffbereich engagiert sind, immer stärker vom Staat kontrolliert. Dazu kommt laut Aussagen von weltweit agierenden Risikomanagern die zunehmende Sorge über die Risikoanfälligkeit der Versorgungskette in Asien.
Großbritannien - Terrorrisiken und Kreditkrise
In Großbritannien spielt die Bedrohung aufgrund der Autobombenanschläge in London und Glasgow im letzten Jahr weiterhin eine große Rolle. Zudem wurde das Land aufgrund der Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die negative Ausblickliste" für das Kreditrisiko gesetzt.
Die globale Kreditkrise
Eine Schwächung des globalen Wirtschaftswachstums - besonders in den Vereinigten Staaten, wo sinkende Immobilienwerte und steigende Arbeitslosenzahlen eine Rezession befürchten lassen - wird das Risiko von Forderungsausfällen mehren und sich somit direkt auf die Kreditbedingungen von Unternehmen auswirken.
Insbesondere die Newcomer der globalen Wirtschaft, werden von einer weltweiten Kreditkrise wahrscheinlich eher betroffen sein. Hierzu zählen in Europa beispielsweise die Türkei, Ungarn und Rumänien.
Hilfe bei dieser Risikoabschätzung bietet der sogenannte Aon-Bonitätsindex "Global Credit Crunch Index", mit dem das Risiko gemessen wird, dass ein Schwellenland von der internationalen Finanzkrise erfasst wird. Er umfasst 25 Länder, bei denen das Risiko in Zusammenhang mit der globalen Kreditkrise in die Kategorien niedrig bis mittel", mittel", mittel bis hoch" oder hoch" eingeordnet wird.
Die größten Volkswirtschaften mit der höchsten Wachstumsrate
Während die politischen und wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen, die in den Vereinigten Staaten, Deutschland oder Großbritannien tätig sind, insgesamt niedrig bis mittel" sind, ist das Risiko einer Geschäftsunterbrechung durch Terroranschläge in diesen Märkten eine reale Gefahr und größer als beispielsweise in Japan.
Die Welt der Wirtschaftlichen und Politischen Risiken auf einen Blick
Aus meiner Erfahrung sind ja viele Studien derartig komplex, dass kein Otto-Normalverbraucher diese in Kürze zu verstehen vermag. Auch ein grober Überblick ist meist nur sehr schwer erzielbar und Auszüge verzerren oder verfälschen oftmals das Bild. Das Resultat der AON-Studie ist jedoch auch eine Weltkarte der politischen und wirtschaftlichen Risken, die sogenannte Political and Economic Risk Map 2008. Diese können Sie sich unter folgendem Link kostenlos herunterladen:
Political and Economic Risk Map 2008
Ihr Markus Miller