Die weiteren Aussichten: Sonnig ... oder weht ein anderer Wind?
Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. November 2005 18:00 Uhr
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In der Finanzwelt ist nicht viel los gewesen. Anfang der Woche musste ich feststellen, dass sich die Welt im Vergleich zur vorangegangenen Woche nicht besonders verändert hatte. Der Dow rührte sich kaum. Alles ist wie es war und wie es nach Ansicht vieler Leute immer gewesen ist. Dass es nicht immer so gewesen ist ... und dass es nicht immer so sein wird ... das ist eines meiner Hauptthesen auf diesen Seiten. Aber es war jetzt schon so lange so, dass es schwer ist, die Leute davon zu überzeugen. Wer kauft schon einen Schirm, wenn jeden Tag die Sonne scheint.
Und da kommt auch schon der neue amerikanischer Wettermann – Ben Bernanke – mit seinen Aussichten: Morgen wieder sonnig ... und auch an jedem folgenden Tag.
"Bernanke ist zuversichtlich, was die weiteren ökonomischen Aussichten anbelangt", erklärt Barron's, "Er glaubt, dass die sich Vereinigten Staaten mitten in einer starken und tragbaren Expansion befinden, die durch geringe Inflation, trotz des gegenwärtigen Anlaufs bei Benzin, Lebensmitteln und Immobilien gekennzeichnet ist. Was die Immobilien anbelangt, sagt er, basiere der Anstieg der Preise auf starken wirtschaftlichen Grundlagen, wie z.B. auf dem robusten Zuwachs bei den Arbeitsplätzen und Einkommen und den geringen Hypothekensätze. Wenn die Immobilienpreise auch in Zukunft fallen mögen, besteht laut Bernanke dennoch keine Gefahr für die Expansion, solange die Preise nur allmählich fallen."
Und jetzt habe ich ein paar Fragen an diesen Artikeln. Was ist das für eine geringe Inflation, die mit zweistelligen Preisanstiegen für die drei wichtigsten Produkte auf der Liste eines normalen Familienhaushalts einhergeht – Lebensmittel, Benzin und Wohnen? Die Reallöhne sind in den vergangenen beiden Jahren gesunken, nennen Sie das vielleicht "robustes Wachstum"?
"Die Energiekosten sind für die Verbraucher in die Höhe geschossen", schreibt eine Zeitung, "werden die Verbraucher auch jetzt noch emsig einkaufen?"
"Die Anstiege haben dazu geführt, dass sich die Amerikaner heute reicher fühlen und weniger sparen", fährt Barron's Artikel fort. "Die Sparquote fiel im zweiten Quartal sogar negativ aus. Bernanke sagt, die USA seien in der Lage, sich auf die ausländischen Rücklagen als Ersatz zu stützen, weil die Ausländer in ihren eigenen Ländern keine Möglichkeiten hätten, zu investieren. Er nennt dies einen "Überschuss an Ersparnissen", und sagt, hierin liege der Hauptgrund, dass Amerika heute eine Schuldnernation ist. Bernanke sieht keinen Anlass zur Panik. Er sagt, die Situation lasse sich im Laufe der Zeit umkehren, wenn wir die Exporte ausbauen."
Ben Bernanke weiß, aus welcher Richtung in Washington der Wind weht. Es ist eine Phantasiewelt ... in der ein Schuldner glaubt, er täte dem Kreditgeber einen Gefallen, weil er das Geld nimmt ... in der die Menschen weniger verdienen, sich aber reicher vorkommen ... und in der die wichtigsten Preise steigen, man aber dennoch von einer "geringen Inflation" spricht. Die Böen wehen heftig durch die 17th Street. Sie wirbeln eine Menge Müll auf ... und heben die Blätter auf ... und pusten einen schmächtigen Wirtschaftler in den bequemsten Sitz der Fed. Amerikas Zentralbank braucht einen Chef, dessen Ideen so wahnsinnig sind wie die Wirtschaft, die er demnächst leiten soll. Bernanke ist genau der Richtige für diesen Posten.