Die weiteren Aussichten 2008 – Teil 4
James Howard Kunstler in Traders Daily
vom 05. Februar 2008 12:00 Uhr
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Diese Sorgen und Unsicherheiten werden noch zahlreicher werden, wenn die Zahlungsunfähigkeiten bei kommerziellen Immobilien in Gang kommen und wenn die verweifelten Individuen als nächstes von einer Woge der Zahlungsunfähigkeit bei den Kreditkartenrechnungen erwischt werden, die auch allesamt verbrieft wurden und auf die gesamte Welt verteilt wurden.
Nichts davon ist bislang in die öffentlichen Bekanntmachungen der Preise vieler Banken und bankenähnlicher Unternehmen, die in Schwierigkeiten stecken und diese Papiere besitzen, eingeflossen. Auch weiß niemand genau, auf welche Weise die Hedgefonds davon betroffen sein werden, und deren atemberaubende, fremdverschuldete Positionen in Produkte, die immer mehr wie Treibsand wirken.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass nicht viele große Banken in den ersten Monaten des Jahres 2008 zusammenbrechen werden. Es ist schwer, dem Schluss zu entgehen, dass auch viele Hedgefonds in die Luft gehen werden, wenn man die Unlauterkeit der Positionen der Gegenparteien bedenkt, ganz zu schweigen von der Zerbrechlichkeit der Anleihen-Rückversicherer.
Doch der Tod von mehr als einigen wenigen Hedgefonds könnte leicht das gesamte weltweite Finanzsystem in Unruhe versetzen – und das bedeutet eine Phase des destruktiven Chaos’ gefolgt von einer Reihe unterschiedlicher institutioneller Arrangements, mit unermesslichen Verlusten des eingebildeten Kapitalvermögens und großen Veränderungen im täglichen Leben.
Die Welt ist noch nie wirklich in einer ähnlichen Situation gewesen und es ist unmöglich vorherzusagen, wozu es führen könnte. Aber es besteht kein Zweifel, dass die amerikanische Öffentlichkeit in den Genuss eines künstlich hohen Lebensstandards gekommen ist, gemessen an dem Wert dessen, was wir tatsächlich herstellen – frittierte Hähnchen, Haarverlängerungen und die Flava Flav Show – die Folgerung liegt also auf der Hand.
Andere haben geschrieben (und ich stimme dem zu) dass das Jahr 2008 das Jahr sein wird, in dem das Thema des Ölgipfels nicht mehr nur bei der amerikanischen Politik an vorderster Front steht, sondern auch die Klimaerwärmung als die unmittelbarste Bedrohung für den modernen Lebensstil verdrängen wird.
Es gibt allen Grund, davon auszugehen, dass die Welt am Punkt des absoluten Produktionsgipfels angekommen ist – und einige Statistiker gehen sogar davon aus, dass der genaue Moment bereits der Monat Juli im Jahr 2006 war. Seither sind wenige neue und entscheidende Geschichten aufgetaucht, die es uns erlauben zu verstehen, was da draußen passiert, in der weltweiten Ölszene.
Eine Geschichte ist, dass nur die „Zerstörung von Nachfrage“ bei den ärmsten Nationen der Welt dazu geführt hat, dass die Ölmärkte unter den OECD-Staaten und den wachsenden asiatischen Mitspielern „normal“ gelaufen ist. Und dennoch, Öl, ausgezeichnet in Dollar, hat sich im Jahr 2007 mehr als verdoppelt. Es bleibt abzuwarten, ob die Zerstörung der Nachfrage in der kippeligen amerikanischen Wirtschaft – mit den lahm gelegten Bauunternehmen – dazu führen wird, dass der Ölpreis daran gehindert wird, in die noch nicht in den Charts verzeichneten Bereich zu springen, die deutlich jenseits der 100 Dollar pro Barrel liegen. Doch momentan wirken noch zwei weitere Kräfte.
Das eine ist das Problem der wachsenden Ölexporte, die bald in eine Krise geraten werden. Es scheint heute so, als würden die Exporte in Nationen, die einen Überschuss an Öl zu verkaufen haben, noch schneller fallen, als die Produktion zurückgeht. Warum? Weil sie einen größeren Teil ihres eigenen Öls verwenden. Das Bevölkerungswachstum ist stabil. Die Saudi-Araber bauen die größte Aluminiumhütte weltweit und viele Chemiefabriken. Das verlangt eine Menge Öl. Russland, ein weiterer wichtiger Exporteur, erlebte im Jahr 2007 einen Anstieg der Autoverkäufe um 50 Prozent.
Mexiko erschöpft seine Vorräte so schnell, und verwendet einen so großen Anteil des eigenen Öls, dass das Land innerhalb von nur drei Jahren ganz aus dem Exportgeschäft heraus sein könnte. Das werden für die USA schlechte Nachrichten sein, da Mexiko zusammen mit Saudi Arabien Amerikas zweite führende Ölimportquelle darstellt. Bedenken Sie, die USA importieren heute drei Viertel des verwendeten Öls.