Die Wall Street reagierte enttäuscht
Jürgen Schmitt in Insider Daily
vom 22. Januar 2009, 14:30 Uhr
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Der "Obama-Effekt" fiel anders aus, als auch ich mir das erhofft hatte. Die Wall Street reagierte enttäuscht, dass der neue Präsident in seiner Antrittsrede keine konkreten Hinweise lieferte, wie er denn die Finanzkrise meistern will. Aber was hätte er bitteschön denn sagen sollen? Obama hat ganz nüchtern und ehrlich die aktuelle Lage dargestellt und die Amerikaner auf die kommenden schwierigen Monate vorbereitet. Eigentlich sollte allen klar sein, dass die Aufräumarbeiten der größten Finanzkrise unserer Generation kein Zuckerschlecken werden. Dennoch hat der neue Präsident auch sehr viel Optimismus verbreitet und seine absolute Überzeugung dargestellt, dass Amerika auch diese Krise meistert und hinter sich lässt – und zwar dann, wenn das Land geschlossen an der Bewältigung mitwirkt. Und wer die Bilder von Millionen begeisterter US-Bürger gesehen hat, die ihren neuen Präsidenten wie einen Mega-Popstar gefeiert haben, wird kaum umhin kommen, fest daran zu glauben. Dieser Enthusiasmus ist hierzulande einfach undenkbar. Jedenfalls sollte man die Reaktion an den Börsen erst einmal nicht überbewerten.
Der Test der Tiefstände steht bevor
Fast schon zwingende Konsequenz der jüngsten Kursrücksetzer ist nun aber ein Test der Tiefstände aus 2008. Alles andere wäre eine Überraschung. Die entscheidenden Marken liegen in New York bei 7.500 Punkten im Dow Jones und 740 Punkte im S&P-500. Diese Marken dürfen unter keinen Umständen nachhaltig unterschritten werden. Das schließt im positiven Szenario nicht aus, dass wir für wenige Tage auch unter diese Niveaus fallen können – was nicht untypisch für eine folgende Trendwende wäre. Laut Warren Buffet befindet sich die USA aktuell in einem "wirtschaftlichen Pearl Harbor". Zwar sei die wirtschaftliche Lage des Landes nicht so schlecht wie zu Zeiten der großen Depression und des zweiten Weltkriegs, die Lage gestalte sich dennoch als sehr hart. Die Amerikaner seien in einer Spirale der Angst. Dadurch entstehe keine Bereitschaft zum konsumieren und würden Investitionen aufgeschoben. Buffet zeigte sich dennoch optimistisch: "Es hat sich niemals ausgezahlt, Wetten gegen die USA zu schließen. Wir kommen durch schwierige Perioden hindurch, obwohl sich dies nicht immer als sanfter Ritt erweist."