Die Wahl in Amerika
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. November 2006 07:30 Uhr
ENL5454
“The people have spoken ...the bastards.” (Das Volk hat gesprochen ... diese Drecksäcke)
- Dick Tuck, nachdem er die Wahl in Kalifornien an Richard Nixon verloren hatte
Die große Neuigkeit war gestern, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobert haben.
Nachdem man sich zwölf Jahre gerade gehalten hat, stehen die Demokraten im Repräsentantenhaus kurz davor, wieder ihre alten schäbigen Gewohnheiten, die Safes zu knacken und die Köpfe rollen zu lassen, aufzugreifen.
Das Geschäft des Kongresses war immer schon einfach genug – man bricht den Haushalt und übertritt die Würde der gesamten zivilisierten Gesellschaft. Jetzt werden die Demokraten zumindest im Repräsentantenhaus die Führung übernehmen – während ich das schreibe stehen die Zahlen für den Senat noch nicht fest.
Ich habe mir das verfassungsrechtlich zugesicherte Recht genommen, mich dabei nicht einzumischen. Meine Weste ist rein.
„Moment mal“, sagte ein Freund, „nicht zur Wahl zu gehen, ist auch eine politische Tat. Damit bestätigst du den Status quo.“
„Absolut nicht“, antwortete ich, „es ist doch einfach so, dass die Wahl eine feige Möglichkeit ist, die Politiker zu ändern. Wenn ein Staatenlenker seine Bevölkerung in eine so ruinöse und vermessene Geschichte reitet, wie den Krieg im Irak, dann sollte ihm etwas Schlimmeres bevorstehen, als eine Wahl.“
„Die Wahl war eine Wahl gegen den Krieg“, hieß es am Morgen nach der Wahl in den Berichten. Der Krieg hat zahllose Tote gefordert und fast 2 Billionen Dollar gekostet – und damit habe ich über den Schaden für die amerikanische Militärmacht und ihre diplomatische Position in der Welt noch nicht gesprochen.
Ich erinnere mich noch daran, wie die Nachrichten zum 11. September um die Welt gingen. In Paris kamen französische Freunde und Angestellte in mein Büro und sagten mir, wie sehr ihnen das alles Leid täte ... und dass sie uns unterstützen würden. „Wir fühlen uns heute wie Amerikaner“ sagten sie.
In Großbritannien verlangte die Queen vom Orchester das Sternenbanner zu spielen. Die Wachen vor dem Buckingham Palace weinten, als sie es hörten.
Selbst Jassir Arafat rollte seinen Ärmel hoch und spendete Blut.
Damals stand die Welt hinter uns.
Und heute?
„Während meines ganzen Lebens habe ich nie weltweit und in Großbritannien so viel Abscheu und Missachtung für Amerika erlebt“, schreibt Gavin Esler in der Daily Mail. „Es ist, als sei der einzige akzeptable Rassismus 2006 der Anti-Amerikanismus.“
„An einer Schule in London habe ich kürzlich vor einer Gruppe von klugen Kindern im Alter zwischen 14 und 18 Jahren einen Vortrag über die Weltpolitik gehalten.
Als ich sagte, dass ich mir Sorgen hinsichtlich eines möglichen Krieges mit dem Iran wegen dessen Atomprogramm machen würde, da sagte mehr als die Hälfte der Schüler, dass sie eher den Iranern als den Amerikanern Glauben schenken würden. Können Sie sich vorstellen, dass es wirklich so weit gekommen ist?
Eine Meinungsumfrage ergab diese Woche, dass die Briten heute glauben, dass George Bush eine größere Gefahr für den Weltfrieden darstellt, als sowohl Mahmud Ahadinejad oder Kim Jong-Il.“
Esler fährt dann fort, sich mit der großartigen Leistung der Bushregierung auseinanderzusetzen, den Weg der „Achse des Bösen“ so gut geebnet zu haben, dass sie überall hingehen kann, wo sie hin will. Nordkorea ist es gelungen, unter dem wachsamen Blick Amerikas eine Atomwaffe zu bekommen, während man dem Iran geholfen hat, all seine wichtigen außenpolitischen Ziele zu erreichen. Man hat den größten Rivalen des Iran – Saddam Hussein – aus dem Weg geräumt und seinen größten Feind neutralisiert – den Irak. Indem man den Irak destabilisierte, haben die USA auch dazu beigetragen, die Revolution der Shia und den islamistischen Fundamentalismus auszuweiten.
Mission erfüllt. Die Mullahs müssen sich zujubeln.
Doch jetzt werden die Wähler unruhig. 55% von ihnen haben den Meinungsforschern gesagt, dass ihre Löhne mit der Inflation nicht mithalten. Und 53% haben gesagt, dass es nicht wert ist, den Krieg im Irak zu führen.
Gleichzeitig am Kunstmarkt: David Geffen, eine Berühmtheit mit einem Vermögen aus Hollywood, kaufte ein Jackson Pollock Gemälde für 140 Millionen Dollar. Das folgte dem Fast-Kauf eines Picasso für – wie viel war das noch gleich? – 139 Millionen Dollar und dem Kauf eines Klimt für 135 Millionen Dollar.
Jeder hat seine Vorlieben. Und während sich die billigen Anzüge auf die Kredite mit anpassbaren Zinssätzen, auf die negative Amortisierung und die Schuldscheine verlassen, kaufen die teueren Anzüge Picassos und Pollocks.
Doch der Unterschied ist, dass die Reichen dafür echtes Geld auf den Tisch legen.
„Erneut große Prämien an der Wall Street“, schreibt die New York Times.
„Noch nie in der Geschichte der Wall Street haben so viele Menschen so viel Geld in so kurzer Zeit verdient“, fügt Bloomberg hinzu.
„Die Goldman Sachs Group Inc, Morgan Stanley, Merrill Lynch & Co, Lehman Brothers Holdings Inc. und Bear Stearns Cos. stehen jetzt kurz davor, ihren 173.000 Mitarbeitern Prämien in Höhe von 36 Milliarden Dollar auszuschütten. Das ist ein Anstieg von 30% gegenüber dem Vorjahresrekord und davon sind noch nicht die Milliarden erfasst, die von Citigroup Inc, Bank of America Corp. und JPMorgan Chase & Co., den drei größten amerikanischen Banken sowie von hunderten von Hedgefonds und privaten Wertpapierfirmen gezahlt werden, die die Finanzindustrie bilden.“
„Reicher geworden durch den beispiellosen Wert der Übernahmen, des Wertpapierhandels und der Kreditderivate, wird dieses Jahr das beste Jahr aller Zeiten für die großen Brokerage Firmen werden“, sagt Brad Hintz, ein Analyst bei Sanford C. Bernstein & Co in New York.“
„Der durchschnittliche Zusatzgewinn für jeden einzelnen bei den fünf größten amerikanischen Security-Unternehmen wird ausreichen, einen 165.000 Dollar teuren Bentley Continental GT zu kaufen – das zweitürige Cabrio das Paris Hilton und Cher so gerne mögen. Sie werden noch genug Wechselgeld haben, für eine Kiste von Romeo y Julieta Zigarren und eine Kiste Pol Roger Champagner – das ist das Zeug, was Winston Churchill, Britanniens Premierminister der 1940er und 1950er Jahre so gerne mochte.“
Und damit Sie nicht glauben, dieses Phänomen beschränkte sich auf die Wall Street: Aus London kommen ähnliche Nachrichten.
„Die Erwartungen werden von einer Studie untermauert, die vorhersieht, dass die durchschnittlichen Prämien in diesem Jahr um 18,2% höher ausfallen werden“, schreibt The Business. Und dass 4.200 Angestellte der City – die überall in London im Bankenwesen, bei den Hedgefonds, in Anwaltskanzleien, bei privaten Wertpapierdienstleistern oder bei anderen Finanzdienstleistern arbeiten – einen Bonus erhalten, der wenigstens 1,9 Millionen Dollar ausmacht.“
„Sie glauben auch, dass eine Handvoll der Trader der City mehr als 50 Millionen Dollar verdienen wird und vermutlich fast so viel wie 100 Millionen.“
Also werden die Immobilien in London in den Himmel steigen. Die Auktionshäuser werden mit Kunst ein Vermögen machen. Und die besten Restaurants sind voll. Und die Reichen gratulieren einander dazu, was für Genies sie doch sind.
Doch die Wahlen werden nicht von den reichen Genies entschieden. Sie werden vom einfachen Volk entschieden... von den Massen. Und es ist der einfache Mann, der entscheidet, wer eine Demokratie schlecht führt. Und der durchschnittliche Amerikaner ist per Definition dümmer, ärmer und unwissender als 150 Millionen andere.
Seine Hypotheken werden in genau dem Moment neu berechnet, in dem sein Haus nicht länger im Preis steigt. Er schuldet mehr Geld als je zuvor und er hat weniger verfügbares Einkommen als vor dreißig Jahren. Und wenn er nicht bald zum Luftholen kommt, dann wird er übel dran sein.
Und jetzt kommen die Wahlergebnisse. Die Republikaner werden bestraft. Aber aus dem Amt gewählt zu werden – mit einer Rente von einer Million Dollar – scheint mir nicht der gerechte Lohn für den Schaden zu sein, den sie verursacht haben. Ein Erschießungskommando käme der Sache näher.