Die Vorteile des Tipis
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 09. März 2005 18:00 Uhr
ENL5462
*** Wenn die amerikanische Wirtschaft versagen soll, dann wird sie warten müssen. Die Aktienkurse steigen, Ölpreise steigen, amerikanische Staatsanleihen steigen. Was steigt eigentlich nicht? Der Dollar.
Warren Buffet sagt, der Dollar würde auch noch weiter fallen.
"Die Hinweise verdichten sich", sagt der Weise der Steppe, "dass unsere Handelspolitik in den folgenden Jahren einen unermüdlichen Druck auf den Dollar ausüben wird." Seine Firma, Berkshire, erwirtschaftete 2004 mehr als die Hälfte ihres Gewinns vor Steuerabzug dadurch, dass sie gegen den Dollar wettete. Buffet denkt, dass man noch mehr Geld machen kann, indem man den Dollar verkauft:
"Es gibt tief verwurzelte, strukturelle Probleme, die Amerika dazu bringen werden, weiterhin große Defizite in den Leistungsbilanzen aufzuweisen, wenn sich nicht entweder die Handelspolitik signifikant verändert oder der Dollar in dem Maße fällt, dass er die Finanzmärkte durcheinander bringen kann.
Unser Land, das sich zu einer "Eigentumsgesellschaft" entwickeln will, wird sein Glück nicht in einer – und ich neige hier dazu, der Deutlichkeit halber zu Übertreibung – nicht in einer "Teilpächtergesellschaft" finden. Aber genau dorthin wird uns die Handelspolitik bringen, die sowohl von Republikanern, als auch von Demokraten vorangetrieben wird.
*** Das US-Handelbilanzdefizit erreichte letztes Jahr 617 Milliarden Dollar, im Vergleich zu 485 Milliarden Dollar im Vorjahr. Es steigt damit ebenso schnell wie die Geldmenge. Und ebenso schnell wie die Immobilien in Kalifornien. Alan Greenspan hat dem Kongress erzählt, dies bedeute keine "Krise", sondern lediglich ein "ernstes Problem". Er hat Recht, es ist ein ernstes Problem auf dem Weg zur Krise. Greenspan hofft, dass es vor Januar nicht so weit ist, und dann wird er seinen Posten abgeben.
Wie so viele andere Dinge, die Greenspan den Politikern erzählt, waren auch die Ausführungen des Vorsitzenden zu den Handels- und Bilanzdefiziten so kunstvoll gestaltet, dass sie täuschten. Er erzählte den Politikern zum Beispiel, dass obwohl die Defizite aus dem Ausland finanziert werden müssten, es wenig Unterschied machte, ob Fremde oder Amerikaner selbst dem Staat das Geld leihen würden. Vor Gott ist es gewiss kein Unterschied. Aber für die Amerikaner macht es einen großen Unterschied. Wenn wir 50 Dollar von unseren Kindern leihen, bleibt die familiäre finanzielle Situation unverändert. Wenn wir das Geld jedoch von einem Außenstehenden leihen, dann hat die Familie Verpflichtungen von 50 Dollar gegen jemanden außerhalb der Familie. Jedes Mal, wenn wir unsere Sollzinsen begleichen, geben wir Geld an einen Außenstehenden und sind um diesen Betrag ärmer.
Ebenso sagte er, dass wir uns um die Defizite keine Sorgen machen müssten, weil die amerikanische Wirtschaft so "flexibel" sei, und fähig, "Schläge weg zu stecken." Ihm muss klar sein, auch wenn er es nicht erwähnt, dass diese Flexibilität nur hinsichtlich des Kreditrahmens besteht, der sich beachtlich dehnen lässt. Jedes Mal, wenn das Land von einem wirtschaftlichen Schlag bedroht wurde, wurde als Reaktion, seit Greenspan auf dem Posten ist, der Kreditrahmen weiter gedehnt. Mit dem Schlag selbst hat man sich nicht befasst; er wurde nur verschlimmert und vertagt. Die Krise wird auch weiterhin kommen; aber sie wird noch ernster ausfallen, weil die Leute so viel Geld schulden.
*** von meinem Kollegen Dan Ferris:
"Ein Zitat, auf das ich gestoßen bin, welches euch Typen, die ihr die Immobilienblase beobachtet, gefallen könnte. Es ist von Chief Flying Hawk, der 1911 starb:
'Das Tipi ist besser, um darin zu wohnen, immer sauber, warm im Winter, kühl im Sommer, leicht zu bewegen. Der weiße Mann baut große Häuser, die kosten viel Geld, wie große Käfige, sie lassen keine Sonne rein, können nicht bewegt werden, sind immer krank.' "Das fasst es doch ganz gut zusammen, oder nicht?"
"Sicher, was wäre mit Fannie Mae, wenn wir alle in Tipis wohnten?"
Nun, wenn wir alle in Tipis lebten, dann säße die US-Hypothekenbank Fannie Mae ganz schön in der Klemme. Bei dem Hypothekenriesen wurden noch schlimmere Buchführungsprobleme aufgedeckt, die die geschätzten Gesamtverluste von 2,8 Milliarden auf 12 Milliarden anheben.
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