Die vergessene Kunst, mit dem Vorhandenen auszukommen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Oktober 2007 07:30 Uhr
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In einer Late-Night-Show gab es eine Parodie, die gerade ihren Weg durch das Internet macht (und auf die ich in einer eigenen Dokumentation auch schon zurückgegriffen habe.)
Ein Ehepaar sitzt am Küchentisch und versucht einen Überblick über die Rechnungen zu bekommen.
“Ach je, Liebling, es sieht so aus, als würden wir es nie schaffen aus diesem Loch herauszuklettern“, sagt der Ehemann (der von Steve Martin gespielt wird.)
“Kreditkartenschulden - wollen die denn nie enden”, sagt sie.
Im Stil einer Informationssendung betritt der Autor eines Selbsthilfebuches zum Thema Finanzen den Raum.
„Wissen Sie”, sagt der Autor, “viele Amerikaner stehen einer Mauer sich ständig anhäufender Kreditkartenschulden gegenüber. Darum habe ich mein neues Spezialprogramm ins Leben gerufen, extra für die Leute, die es vielleicht brauchen. Es heißt: „Kaufen Sie nichts, was Sie sich nicht leisten können.“
„Ach herrje”, sagt der Ehemann, “das klingt sehr verwirrend.”
„Was, wenn ich etwas sehe, was ich kaufen will”, sagt die Ehefrau, “aber das Geld nicht habe. Was soll ich dann machen?“
Der Autor: „Kaufen Sie es nicht:”
„Einen Augenblick”, sagt der Ehemann, “was ist, wenn ich das Geld nicht habe, es aber trotzdem haben will. Sollte ich es dann kaufen?“
„Nein”, sagt der Autor.
„Ach, schau mal Liebling“, sagt die Ehefrau, nachdem sie das Buch geöffnet hat, „hier steht, dass wenn man etwas sieht und man will es wirklich haben, dass man es dann von ‚Ersparnissen’ kaufen kann.“
„Ja schon, aber wo sollen diese ‘Ersparnisse’ denn herkommen?“, fragt der Ehemann.
„Das steht alles in Kapitel Drei”, sagt der Autor, „um genau zu sein, ist das Buch nur eine Seite lang. Und es ist umsonst.“
„Großartig, Schatz”, sagt der Ehemann, “dann können wir es ja auf unsere Kreditkarte kaufen.”
Ja, liebe Leser, die typische amerikanische Familie steht kurz davor, etwas Neues und Aufregendes zu entdecken; Sparsamkeit. S-P-A-R-S-A-M-K-E-I-D... nein, S-P-A-R-S-A-M-K-E-I-T!
Es wird wie ein Schock sein – aber nicht notwendigerweise ein unerfreulicher Schock. Für alles, was man verliert, gewinnt man auch etwas. Die Leute werden nicht mehr so viel Geld haben, mit dem sie um sich werfen können... Aber dafür wird auch ihr Leben nicht mehr mit so viel Zeug vollgepackt sein, das sie nicht brauchen... und es werden auch nicht mehr ganze Tage in Anspruch genommen werden, um unnötigerweise zum Wal-Mart zu fahren und das Zeug zu kaufen.
„Denn wo dein Gut ist, da ist auch dein Herz.“
Ich habe diese Zeile aus der Bibel schon seit vielen Jahren zitiert. Ich habe diese Zeile nie wirklich in der Bibel gefunden und einige Leute glauben, dass der Satz nicht existiert. Aber wenn der Satz nicht dort steht... dann muss er versehentlich ausgelassen worden sein, denn der Satz beschreibt, warum Leute nicht verhindern können, „nach ihrem eigenen Buch zu sprechen“, wie man an der Wall Street sagt. Wenn man z.B. einen Hammer in der Hand hält, dann sieht auf einmal alles wie ein Nagel aus. Und wenn man keine Handvoll Dollar hat, dann wirkt das Nichtausgeben von Geld auf einmal sehr anziehend.
Amerika steckt immer mehr in der “Stagflations-Falle” fest, schreibt der Wirtschaftler Gary Dorsch. Die Preise steigen; die Wirtschaft schwächelt. Die Leute werden weniger Kaufkraft haben. Sie werden ärmer. Werden Sie auch weniger zufrieden sein? Nun, ich weiß nicht. Ich kann mich daran erinnern, ärmer gewesen zu sein. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, weniger zufrieden gewesen zu sein. Um genau zu sein, hat es mir gefallen, arm zu sein. Es hat mir gefallen, um Dinge zu schnorren ... mit etwas „auskommen“ zu müssen... über die Runden zu kommen.
… ganz besonders hat es mir gefallen, meine Phantasie anstelle meiner Kreditkarte zu verwenden. Als ich vor langer Zeit in London und Paris vollkommen Pleite war, da habe ich mit meiner Frau Elizabeth in abgerissene Hotels für 20 Dollar pro Nacht übernachtet, in denen man das Badezimmer mit den anderen Gästen teilen musste. Aber wie romantisch es dort war. Der Geruch des Café au Lait, den man – ohne zusätzliche Kosten – mit auf das Zimmer nahm. Das Klappern und Schnaufen der Heizungen... der Dampf auf den Fensterscheiben... die Betten, die in der Mitte einsackten wie Hängematten. Die schmutzigen Teppiche... der Lärm auf den Straßen... und kein heißes Wasser. Ach, die Erinnerungen... Ich würde sie nicht gegen eine Nacht im Four Seasons eintauschen wollen!
„Oh doch, ich schon“, sagt meine Frau Elizabeth.
Aber zurück zu meinem Argument...
Amerikaner werden die altertümliche, fast vergessene Kunst wieder entdecken, über die Runden zu kommen. Bis vor Kurzen waren uns diese Runden noch vollkommen fremd. Man musste nicht drüber kommen, denn es stand so viel Kredit zur Verfügung, und das zu so verzeihlichen Zinssätzen. Sie haben es größtenteils dem „Lockeren“ Al Greenspan bei der Zentralbank zu verdanken, dass sie immer das eine Ende des Haushaltes ausdehnen konnten – das Ende der Ausgaben – um über die Runden zu kommen. „Wir kaufen einfach auf Kreditkarte, Liebling... Wir werden einfach unser Eigenkapital stärker belasten, wenn nötig.“
Aber jetzt schlägt das Eigenkapital zurück und schlägt ihnen ins Gesicht. Der große Ruck bei den Neueinstufungen der Hypotheken hat gerade erst begonnen... Der Monat September war in dieser Hinsicht ein großer Monat. Oktober wird ein noch größerer. Und dann werden noch bis Frühling 2008 für Millionen von Menschen deutlich höhere Hypothekenzahlungen anstehen.
Die Auswirkungen dieser Neueinstufungen bei den Hypotheken mit variablen Zinssätzen werden auf allen Ebenen zu spüren sein. Ich habe eine Darstellung der Beschäftigungsraten in der Bauindustrie gesehen. Vor zehn Jahren haben ungefähr 5,2 Millionen Menschen Sparren festgenagelt und Arbeitsflächen aus Granit installiert. Am höchsten Punkt war die Zahl auf ungefähr 7,7 Millionen gestiegen. Jetzt fallen diese Zahlen wieder. Im September sind weitere 20.000 Stellen in der Bauindustrie weggefallen – das ist der 12. Monat der Verluste innerhalb der letzten 13 Monate. Und wenn man von der Grafik ausgeht, dann liegt noch ein weiter Weg vor uns – denn die Bauanträge sind auf das gleiche Niveau gesunken, auf dem sie vor zehn Jahren lagen. Wenn die Jobs im Baugewerbe im gleichen Ausmaß fallen – was zu erwarten ist – dann werden 2,5 Millionen Jobs wegfallen.
Derweil liegt der Wert aller Häuser in Amerika bei ungefähr 21 Billionen Dollar. Diese Häuser fallen im Preis. Selbst der Lockere Al sagt, dass es ihn nicht überraschen würde, wenn Durchschnittshäuser mehr als 10% ihres Wertes verlieren würden. Gehen wir davon aus, dass der durchschnittliche Verlust bei 15% liegt. Das sind immer noch 3 Billionen Dollar „Eigenkapital“ die sich in Luft auflösen.
Während sein Wohlstand sinkt... und seine Stellenaussichten immer düsterer werden... blickt das arme amerikanische Arbeitstier höheren Preisen für fast alles entgegen. Und darum geht es bei einer Stagflation wirklich. Mais-Futures sind im vergangenen Monat um fast 10% gestiegen. Sojabohnen stiegen um 21%. Milch ist im vergangenen Jahr um fast 70% gestiegen. Öl liegt ungefähr 30% höher.
Die Verbraucher müssen sich sehr stark gefordert fühlen... ein bisschen ausgequetscht... sie sind vielleicht ein wenig verstimmt, ganz besonders dann, wenn sie Lebensmittel einkaufen oder den Tank ihrer Autos füllen. Wenn man sich jedoch gut und sicher im Rohstoffmarkt positioniert hat, dann bedeuten die hohen Preise für die natürlichen Rohstoffe große Gewinne.
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