Die Verbraucher ahnen es ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 01. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Die Verbraucher ahnen es ...
In der Woche vor dem Pfingstfest ging der deutsche Leitindex fester aus dem Handel. Zum Wochenschluß konnte gar die 3900-Punkte-Marke erfolgreich verteidigt werden. Sicherlich, nicht zuletzt auch deswegen, da der Rückgang beim ifo-Geschäftsklimaindex von 96,3 auf 96,1 Punkte für den Mai recht moderat ausfiel und insofern stabilisierende Wirkung entfalten konnte. Nicht unbeachtlich ist aber, daß hinsichtlich der Einschätzung der aktuellen Lage sich ein deutlichere Abnahme von 94,9 im April diesen Jahres auf 94,4 im Mai ergab. Ebenfalls interessant ist aber die Tatsache, daß in einigen Wirtschaftsbereichen deutliche Verschlechterungstendenzen sichtbar sind. Zum Beispiel im Großhandel, wo der saisonbereinigte Wert von –14,3 auf –18,1 Punkte sank.
Nichtsdestotrotz, langsam aber sicher scheinen die deutschen Verbraucher zu ahnen, daß die "guten Zeiten" wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Dies zeigen die jüngst publizierten Erhebungen der GFK deutlich auf. So schwindet bei den Bundesbürgern mehr denn je die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, der sich auch nachhaltig positiv am Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Sehr bedenklich stimmt insofern, daß die Anschaffungsneigung der Bundesbürger weiter zurückgeht. Ebenso sind die Deutschen im Hinblick auf die Einkommenserwartung deutlich skeptischer geworden.
Folglich ist es also mehr denn je sehr zweifelhaft, ob sich die binnenwirtschaftliche Konsumnachfrage in Deutschland beleben kann. Im Gegenteil, angesichts des "Reform-Chaos" und einer immer tiefer gehenden Vertrauenskrise (laut einer jüngsten Studie schenken nurmehr 20 % der Deutschen den Eliten in Politik und Wirtschaft ihr Vertrauen) ist eher ein weiterer Absturz mit allen damit einhergehenden negativen Folgewirkungen zu befürchten. Insofern stehen die Ampeln für Unternehmen, die den Großteil ihrer Umsatzerlöse in Deutschland erwirtschaften, sicherlich nicht auf "grün".
Auch die amerikanischen Verbraucher scheinen wohl zu spüren, daß die "goldenen 90er" des vergangenen Jahrhunderts vorbei sind und sich wohl auch nicht so schnell wiederholen werden. Dies manifestiert sich nicht zuletzt beim Verbrauchervertrauen, erhoben von der Universität Michigan, welches auf ein sieben-Monats-Tief zurückfiel. Gewiß, vor dem Hintergrund steigender Zinsen bzw. Spritpreise, zunehmender Terrorgefahren und geopolitscher Instabilität sicherlich keine große Überraschung.
Vieles hängt momentan am stetig steigenden Benzin- bzw. Ölpreis, welcher auch in der letzten Woche nicht signifikant konsolidierte. Die jüngsten terroristischen Ereignisse in Saudi Arabien unterstreichen aber mehr denn je, daß die Ausgangslage beim "schwarzen Gold" für die nächsten Jahre sehr kritisch bleibt. Insofern sind gerade mittel- und langfristig weiter kräftig anziehende Ölpreise zu erwarten. Natürlich ist evtl. schon in den nächsten Wochen vor dem Hintergrund des jüngsten Anstiegs eine Konsolidierung zu erwarten, welche aber letztlich nur eine Korrektur im absolut intakten Aufwärtstrend darstellt! Sehr erfreulich entwickelte sich in der letzte Woche der Preis für die Feinunze Gold. Der Widerstand bei 388–390 $ konnte genommen werden, insofern hat sich auch die charttechnische Ausgangslage weiter stabilisiert. Zumindest sollte der Weg bis in den Bereich von 400 $ "frei" sein.
Ob dies aber schon das endgültige Ende der aktuellen Konsolidierungsphase darstellt, bleibt abzuwarten. Wie auch immer, evtl. weitere Rückschläge beim Goldpreis sind nichts anders als ausgezeichnete Kaufgelegenheiten!