Die USA wollen die strategischen Reserven auf 1,5 Mrd. Barrel erhöhen!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 24. Januar 2007 18:00 Uhr
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Ja, so muss es sein. Der Investor's Daily ist wieder mal am Puls der Zeit und allen anderen einen kleinen Tick voraus. Kaum berichte ich hier von den strategischen Reserven, und davon, dass das Department of Energy der Regierung den Vorschlag unterbreitet hat, die strategischen Reserven aufzustocken, schon redet Bush in seiner Rede zur Lage der Nation auch über das Thema.
Es gibt jedoch einen kleinen nahezu unbedeutenden Unterschied: Während meinen Informationen nach das Department of Energy lediglich eine Ausweitung auf 1 Mrd. Barrel vorgeschlagen hatte, legte der alte Texaner Bush ganz in Landesmanier noch ein Schüppchen drauf. 1 Mrd. Barrel? Läppisch! Wenn schon, dann richtig! Also verdoppeln wir doch mal eben die strategischen Reserven von jetzt 700 Mio. Barrel auf 1,5 Mrd. Barrel bis 2027!
20 Jahre sind eine lange Zeit?
Natürlich, es sind 20 Jahre! Aber rechnet man das um: 20 Jahre sind 7300 Tage. 812 Mio. Barrel fehlen noch, bis die 1,5 Mrd. Barrel erreicht werden. 812.000.000 / 7300 = 111.233 Barrel je Tag (Ein Barrel sind 158,98 Liter = 0,136 Tonnen). Das ist in etwa die Hälfte der Menge, welche die Schweiz jeden Tag verbraucht.
Und hier kommt das ins Spiel, was ich vor ein paar Tage gesagt habe. Es geht hier weniger um die reale Menge, die als zusätzliche Nachfrage auf den Weltmarkt kommt, sondern vielmehr um die psychologische Komponente.
Der Ölpreis reagiert bereits, vielleicht etwas zu früh?
So reagierte der Ölpreis bereits heftig und legte bis zu 5 % in einem Rutsch zu. Leider hat sich damit bis jetzt noch nicht mein eigentliches Kursziel 47 Dollar für Öl bestätigt. Noch nicht. Aber auch das ist typisch für die Börsen. Mit solchen „externen“ Nachrichten kann man einfach nicht rechnen. Diesen wird man immer wieder machtlos ausgeliefert sein.
Jetzt aber direkt auf Öl aufspringen? Ich halte das für gefährlich. Denn noch ist der Zulauf nicht einmal gestartet! Immer noch verharren die strategischen Reserven bei 688 Mio. Barrel. Die neuen Lagerstätten müssen erst erschlossen werden, das Ganze hat also noch Zeit. Trotzdem, wir befinden uns auch aus saisonaler Sicht in der Phase, in der Öl gerne eine Boden findet. Diese Nachricht könnte also der Auslöser und Verursacher für diesen Boden gewesen sein. Wie gesagt, weniger durch reale Nachfrage als vielmehr durch die psychologische Komponente.
Stecken wirtschaftliche Interessen der USA dahinter?
Und man darf sich natürlich fragen, ob nicht sogar wirklich wirtschaftliche Interessen dahinter stehen. Ich hatte bereits geschrieben, dass ein zu stark sinkender Ölpreis auch nicht gut für die US-Wirtschaft sei. Und nachdem alle Förderkürzungsandrohungen seitens der OPEC, der Wintereinbruch in den USA, Iran und andere Themen den Ölpreis nicht mehr stützen konnten, war es vielleicht eine Art Notbremse der US-Regierung. Vielleicht auch deswegen die Übertreibung 1,5 Mrd. Barrel, obwohl doch nur Lagerstätten bis 1 Mrd. Barrel im Gespräch waren. Eine gewagte Theorie, sicherlich. Umso froher bin ich, dass ich diese Themen hier bereits in den letzten Tagen angebracht habe, so dass man mir nicht vorwerfen kann, ich würde das im Nachhinein hineindeuteln.
Also warten wir weiter ab, wann die Lagerstätten soweit sind, dass der Zulauf starten kann, Gerüchten zufolge soll jetzt im Frühjahr damit gestartet werden.
Der Euroanstieg vom Dienstag hatte nichts mit dem Iran zu tun
Zu einem ganz anderen Thema:
Wieder ein krasses Beispiel dafür, wie ungenau recherchiert wird. Ich erhielt auf meine gestrige Begründung für den steigenden Euro mehrere Mails, die mich darauf aufmerksam machen wollten, dass der Euro nicht etwa wegen der Konjunkturdaten angestiegen sei, sondern weil der Iran IAEO Inspektoren die Einreise verweigert habe.
Dazu hatte es mehrere Meldungen gegeben, und das sogar von normalerweise verlässlicher Seite. Meine Recherche dazu hat ergeben, dass offensichtlich die Aussage eines Devisenhändlers diese Meldungen verursacht hatte. Dieser war es, der gesagt hatte, dass hinter dem Ölpreisanstieg Meldungen stehen könnten, wonach der Iran Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Behörde die Einreise verweigert hat. Dies habe die Märkte merklich verunsichert und den Dollar nachgeben lassen.
Iran Meldung war schon eingepreist
Das Problem ist, diese Meldung aus dem Iran kam schon am Montag, den 22.01.07. Der früheste Eintrag, den ich gesehen habe, war um 17.00 Uhr an diesem Tag. Im ungefähren zeitlichen Umfeld kam es auch tatsächlich zu einem kleinen Anstieg. Doch der wirkliche Euroanstieg kam erst einen Tag später, nämlich gestern. Zu dem Zeitpunkt war die Iran-Story für den Euro bereits Geschichte.
Ich nehme an, der Devisenhändler wurde bereits Montag befragt. Die Devisenhändler auf dem Parkett sind meistens nicht ganz so dämlich. Diese Aussage wurde dann im falschen Kontext mit dem Euro-Anstieg von gestern, Dienstag, in Zusammenhang gebracht.
Nein, es waren tatsächlich die Daten zum Verbrauch in Frankreich, die 8.45 Uhr veröffentlicht wurden und ganz besonders die Daten zu den EU- Industrieaufträgen um Punkt 11.00 Uhr, die den Euro in die Höhe getrieben haben.
Um das zu verifizieren, brauchen Sie sich sich nur den Chart anzuschauen:
Den ersten Run gab es beim Start um 8 Uhr, solche Bewegungen sind nicht unbedingt selten. Er setzte sich dann allerdings erst fort, als um 8.45 Uhr die Verbraucherausgaben veröffentlicht wurden. Der richtige Run ging aber erst mit der Veröffentlichung der Zahlen zu den Industrieaufträgen los, also um Punkt 11. 00 Uhr.
Es ist aber ein bekanntes Problem. Wann immer etwas an den Börsen passiert, muss eine schnelle Begründung her - gerade im Börsenjournalismus. Schließlich kann man nicht in der Meldung schreiben, dass im Moment noch keiner weiß, warum dieses oder jenes gerade geschehen ist.
Die Realität sieht oft anders aus. Ich erlebe immer wieder, dass Bewegungen in den Markt kommen und dann Traderkollegen hektisch fragen: „Was war da los, habe ich etwas verpasst?“ Anschließend kommen erste Begründungen, die sich auch noch oft genug im weiteren Verlauf als völlig haltlos herausstellen.Vor Fehlern ist wirklich keiner gefeit, gerade nicht an dieser so hoch komplexen Börse, die jeden von uns mit Informationen nur so zuschüttet. Aufgrund der Vielzahl von Einflüssen und Faktoren ist es nicht leicht, in den jeweiligen Situationen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Zum Markt
Offenbar haben, wie erwartet, die besser als erwarteten Frühindikatoren den Markt doch nachhaltiger beflügelt (ich hatte gestern davon berichtet). Das bestätigt meine Theorie, dass der Markt nun anfängt, gute Konjunkturzahlen zu traden. Da hat sogar der steigende Ölpreis nichts gegen ausrichten können. Jetzt stehen wir wieder an den letzten Hochs im Dax. Da muss er rüber. Entweder morgen mit Gap up, das wäre bullish oder er scheitert daran, dann muss man weiter sehen. Mehr wissen wir um 22.00 Uhr, wenn die Amis geschlossen haben.
