Die USA auf dem Weg zum Dritte Welt Land?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 08. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Was wird im nächsten Jahr passieren? Ich versuche erst gar nicht, Ihnen das zu sagen. Ich kann bestenfalls versuchen, zu sagen, was passieren SOLLTE.
Und selbst dann erschrecke ich vor meiner eigenen Ignoranz. Ich kann nicht wissen, was die Götter vorhaben. Alles, was ich tun kann, ist, – schwach – richtig und falsch zu unterscheiden. Wie ich gestern schon geschrieben hatte ... zumindest können wir das verdienen, was wir bekommen.
Ich beginne meine heutigen Bemerkungen mit einer störenden Frage: Warum sollte ein Amerikaner 10 Mal soviel wie ein chinesischer Arbeiter verdienen? Arbeitet der Amerikaner härter? Ist er soviel intelligenter? Hat er eine unsichtbare Tugend, die von den Göttern mit zusätzlicher Kaufkraft gesegnet wird?
Er verdient nur deshalb mehr, weil seine Eltern und Großeltern und Urgroßeltern hart gearbeitet haben ... ihr Geld gespart haben ... Maschinen und Fabriken gebaut haben ... Reichtum und Wissen akkumuliert haben ... und es vermieden, sich in Kriegen, Hyperinflationen, Revolutionen und sozialistischen Illusionen in die Luft zu sprengen.
Aber jetzt verspielt er seine Ersparnisse ... er beleiht die Zukunft seiner Kinder ... und er nimmt willig an extravaganten Massenhalluzinationen teil (die da sind: Wir werden alle durch Geldausgeben reich ... wir werden eine amerikanische Demokratie im alten Nineveh aufbauen ... unser lieben Freunde die Chinesen werden die Rechnungen bezahlen ...). Sollte ein solcher Mann reich werden?
Bemerkenswert ist, dass trotz des massiven Anstiegs der Hypotheken die anderen Schulden nicht sinken. Dabei hatte Alan Greenspan doch gesagt, was für eine großartige Sache Hypotheken seien. Er erklärte, dass sie es den Hausbesitzern erlauben würden, teure Kreditkartenschulden durch weniger teure Hypotheken zu ersetzen. Da sich ihre Finanzlage so verbessern würde, könnten sie ein bisschen mehr Geld ausgeben ... ohne sich direkt ihre ganze finanzielle Zukunft zu verbauen.
Nun, der Fed-Vorsitzende hatte Unrecht damit ... wie mit fast allem anderen. Während der durchschnittliche amerikanische Haushalt seine Hypotheken erhöht hat, stiegen auch seine sonstigen Schulden. Die durchschnittlichen Kreditkartenschulden pro Haushalt sind auf 7.000 Dollar gestiegen. Die Konsumentenschulden ohne Hypotheken haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt ... auf durchschnittlich 18.700 Dollar pro Haushalt.
Natürlich sehen diese Familien die Risiken nicht. Solange das Geld fließt, stellen sie keine Fragen. Wie kann sich eine Nation, die ein Haushaltsdefizit von einer halben Billion (!) Dollar hat, neue teure Programme leisten – wie neue Straßen für junge Iraker? Wie kann ein Land mit einer fallenden Währung weiterhin ausländische Investitionen anziehen? Wie können Leute, die weniger als 2 % ihres Einkommens sparen, die Maschinen und die Technologie erstellen, die notwendig sind, um in einer modernen, globalisierten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein? Diese Fragen scheint sich kaum jemand zu stellen.
Sorgenloses Geldausgeben, massive Defizite, kollektive Fantasien – wenn das weitergeht, so Paul Krugman in der New York Times, dann werden die USA bald als ein Dritte Welt Land angesehen werden. Das ist schon Mal passiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Lebensstandard in Argentinien so hoch wie in Europa oder den USA. Dann kamen die Massen-Illusionen von Sozialismus, Peronismus, Papiergeld und Schulden. Hyperinflation und Rezession führten zum Abstieg der argentinischen Volkswirtschaft ... bis zu dem Punkt, wo sie fast auf Dritte Welt Niveau gefallen war.
Mir persönlich macht das keine Angst. Mir gefallen Dritte Welt Länder. Das Wetter ist da meistens gut. Und die Lebenshaltungskosten sind normalerweise niedrig. Aber ich bezweifle, dass sich viele Amerikaner über einen Rückgang ihrer Löhne freuen werden. Und in den USA wird sich das Winterwetter wahrscheinlich nicht verbessern, auch wenn die USA zum Dritte Welt Land werden.
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