Die US-Babyboomer-Generation kehrt dem Aktienmarkt den Rücken
Profit Radar
vom 27. August 2010, 19:00 Uhr
ENL5462
Das ist bekannt. Was die Analysten aber nicht verstehen: Aufgrund der Alterstruktur in den USA wird der Großteil dieses Kapitals in den Anleihemärkten bleiben. Diese Gelder sind dort nicht kurzfristig geparkt, bis es an den Aktienmärkten wieder aufwärts geht. Dieses Geld bleibt dort, denn im Rentenalter wandelt sich das primäre Anlageziel von "Vermögensaufbau" (was vor allem über den Aktienmarkt geschieht) zu "Vermögenserhalt" (was traditonell über Anleihen geschieht).
Das die Anleihen inzwischen viel zu niedrige Renditen abwerfen und teilweise sogar negative Realverzinsungen einbringen (der Zinskupon liegt unter der Inflation und damit verliert die Anlage de facto sogar an Wert), ist hierbei irrelevant. Auch das ist ein Verständnisfehler der Analysten.
Denn auch wenn dem so ist, vergeßen viele Börsianer das psychologische Element: Die Babyboomer-Generation in den USA ist in den letzten 10 Jahren gleich von 2 Crashs, die zu den größten der Börsengeschichte gehörten, verbrannt worden. Dazu kommt noch der "Flash-Crash" aus dem Mai und die Skandale um Hedge Fonds, Maydorf und Co., die das Vertrauen in die Aktienmärkte weiter zerrüttet haben.
In den letzten 10 Jahren hat der Dow Jones unterm Strich an Wert verloren. Vor diesem Hintergrund ist es offensichtlich, dass die Babyboomer-Generation, die nun auf die wohlverdiente Rente zugeht, ihr Kapital nicht im risikoreicheren US-Aktienmarkt wissen will. Da nimmt man sogar lieber kleinere Realverluste am Anleihemarkt in Kauf.
Denn so ist zumindst der Großteil des Kapitals gesichert, das für die Rente und die Gesundheitsversorgung (bedenken Sie, dass diese in den USA extreme teuer ist) gesichert ist. Die Babyboomer-Generation sind kurz vor dem Rentenalter also zu gebrannten Kindern geworden. Für sie ist jetzt nicht mehr die Zeit für risikoreiche Experimente. Mehr im nächsten Profit Radar.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Karl Heinz Berchtold (27.08. 2010 19:22 Uhr):
Ihre Ansicht das die "Babyboomer" Ihr Geld in Anleihen verschieben ist bestimmt nicht der Grund für diesen "Anleihen-Boom"? Da wäre als ob Sie (Babybommer) dies in den letzten 2 Monat schnell überlegt hätten? Der wahre Grund ist eher das eine Angst und grosse Unsicherheit herrscht und das Geld in die "Vermeintlich" Sichere Anlage verschoben wird. Sobald die Zinsen wieder ansteigen, und das wird schneller geschehen als wie die meisten "Experten" dies voraussagen, werden die meisten dieser Anleger einen grossen Verlust erleiden wenn die Anleihenkurse einbrechen. Da hilft dann nur aussitzen bis zum ablauf oder mit Verlust verkaufen? Angst regiert die Welt und das drückt sich auch in die Flucht nach Gold aus. USA ist kein 2. Japan die meistern Geldgeber und somit Gläubiger für US-Bond sind Ausländer im Gegensatz zu Japan. Und sobald diese keine Bonds mehr kaufen werde die Zinsen zwangsweise steigen oder würden Sie Ihr Geld in eine Fiat-Währung wie den USD zu 2,50% für 10 Jahre anlegen?
Antworten - Kommentar von lückl (27.08. 2010 19:59 Uhr):
Sehr guter Bericht der Absolut richtig ist!!
Antworten - Kommentar von Thomas Jentzsch (28.08. 2010 12:09 Uhr):
Ihre Ausführungen scheinen durchaus logisch! Aber wie Sie bereits selber sagen, wäre ein solches Umdenken neu / einzigartig in der Geschichte. Wenn Sie Recht haben, wird es spannend, wenn die Inflation (und damit die Zinsen) wirklich ansteigt. Wenn die Babybommer dann auch noch mit Anleihen 20 oder 30 Prozent Kursverluste erleiden, wie werden sie sich dann verhalten? Werden sie dann auch noch die "sicheren" Anleihen behalten? Oder haben wir dann doch die Nadel, die die Blase zum platzen bringt?
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