Die Ursachen der Krise wurden nie behoben
Henrik Voigt in Investors Daily Update
vom 12. August 2009, 10:30 Uhr
beinahe hätten wir am Freitag nach drei Wochen Dauerkursanstieg eine Korrektur erlebt, aber "besser als erwartet" ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten katapultierten die Aktien wieder ein Stückchen höher. Dabei scheint eine angemessene Hirntätigkeit nicht mehr besonders gefragt zu sein. Ich frage mich ja schon, wie im Juli die Arbeitslosenquote sinken kann, wenn gleichzeitig 247.000 Stellen wegfallen. Wahrscheinlich pure Zauberei...
Die Ursachen der Krise wurden nie behoben
So wie diese ganze „Erholung". Da werden Bilanzen mit neuen Bilanzierungsregeln und Statistiken mit kurzfristigen Maßnahmen wie z.B. Kurzarbeitsregelungen aufgepeppt, ein bisschen Konsum (z.B. bei Autos) aus der Zukunft in die Gegenwart verschoben (der dann später fehlt), gute Stimmung verbreitet und großzügig Steuergelder unter maroden Unternehmen verteilt, und schon läuft der Laden wieder. Angeblich haben (oder neuerdings hatten) wir die größte Krise seit 80 Jahren. Aber fast niemand ist persönlich davon betroffen. Sie vielleicht? Ja gut, wenn Sie Aktien haben, sieht es immer noch schlecht aus, aber sonst...
Ich traue dem Braten nicht. Das wäre die erste große Krise, die so glimpflich zu Ende geht. Was natürlich für uns alle wünschenswert wäre. Aber für mich wirkt das alles irgendwie inszeniert. Kurse machen Nachrichten, nicht umgekehrt. Und die Kurse steigen. Aber auch dann, wenn die Nachrichten schlecht sind. Da melden Unternehmen durchwachsene Zahlen und geben einen pessimistischen Ausblick, doch die Kurse springen unbekümmert nach oben. Dabei sein ist alles, egal aus welchem Grund und zu welchem Kurs, könnte man meinen. Bloß nichts verpassen.
Die Kurse werden durch billiges Geld getrieben
Aber vielleicht ist das ja alles gar kein Wunder. Die Zentralbanken verliehen den Großbanken billig Geld (zu einem Zinssatz nahe Null). Diese sollen mit diesem Geld eigentlich Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das geschieht jedoch kaum. Die Kreditvergabe liegt auf dem geringsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen - und sie nimmt weiter ab. Für die Banken ist es nämlich viel lukrativer, das Geld in den Eigenhandel zu stecken. Sprich also damit quasi auf Kredit z.B. am Aktienmarkt zu spekulieren. Die letzten Quartalszahlen der Banken sprechen da eine deutliche Sprache. Das sind jedoch kurzfristige Spekulationen, keine dauerhaften Investitionen in Aktien. Diese können auch sehr schnell wieder in sich zusammenfallen.
Aber sollte das schiefgehen mit der Spekulation auf Kredit, dann stehen wir Steuerzahler ja gerne wieder helfend bereit. Das muss ja auch fantastisch sein, wenn man faktisch unbegrenzt Mittel zum (fast) Nulltarif zur Verfügung gestellt bekommt und sich über eventuelle Risiken gar keine Sorgen machen muss. Damit könnte man dann auch mal versuchen, die Kurse in eine genehme Richtung zu beeinflussen, um noch mehr daran zu verdienen. Vielleicht so wie im Juli?
Lassen Sie sich nicht von der allgemeinen Euphorie anstecken und schalten Sie Ihren Kopf nicht aus. Für unvorsichtige Marktakteure kann das noch böse enden. Sie werden jedoch mit DAX Profits stets auf der richtigen Seite stehen. Ob uns die Charts etwas darüber verraten, zeige ich Ihnen in der aktuellen Ausgabe Dax Profits. Ihr
Henrik Voigt
Chefredakteur Dax Profits
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