Die untere Begrenzung der Seitwärtsbewegung ist gebrochen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 19. Dezember 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Es ist geschehen. Wie sie vielleicht wissen, warne ich seit Wochen davor, dass Mitte Dezember die Seitwärtsbewegung nach unten gebrochen wird. Heute um 11.52 Uhr brach die 3000-er Marke und direkt im Anschluss auch noch die 2985-er (die eigentlich wichtigere Marke). Aber ich hatte bereits darauf hingewiesen: Seitwärtsbewegungen neigen dazu, "Fehlbrüche" auszubilden. Mit anderen Worten, mit dem heutigen Bruch ist diese Seitwärtsbewegung noch nicht unbedingt beendet. Dieser Bruch muss sich erst als "nachhaltig" erweisen. Das heißt, der Dax muss sich mehrere Tage unterhalb dieses Bruchs aufhalten und dann vielleicht noch einmal von unten die 3000-er Marke testen.
Der heutige Bruch ist jedoch unter deutlichem Anstieg des Umsatzes geschehen. Das ist ein erstes Anzeichen dafür, dass er nachhaltig werden kann. Die zweimonatige Seitwärtsbewegung könnte also mit dem heutigen Tag zu Ende gegangen sein. Ein "schönes" Weihnachtsgeschenk.
Insgesamt verschlechtert sich damit das Chartbild dramatisch. Sollte es sich als nachhaltiger Bruch herausstellen, sind im Dax Kurse bis 2725 denkbar. Aber auch das Jahrestief könnte je nach Verlauf der Irakkrise wieder in greifbare Nähe kommen. Obwohl ich nicht glaube, dass das geschieht: Ein Bruch des Jahrstiefs würde ein extrem bearishes Signal liefern. Aber bis dahin ist noch etwas hin.
Aufgrund der guten Oracle Zahlen (siehe unten) war der Dax zunächst kräftig angezogen. Auslöser für den plötzlichen Kursverfall dürfte demnach das Pressegespräch des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zum Thema "Die Wirtschaftslage zum Jahreswechsel 2002/2003" gewesen sein, bei dem Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn teilnahm.
Hans Werner Sinn sagte, dass Anzeichen für einen Aufschwung derzeit nicht zu erkennen seien. Darüber hinaus befürchtet Sinn, dass das von seinem Institut für 2003 prognostizierte Defizit von 2,8 % auch durchaus die vorgegebene 3 % Grenze brechen könne. Auch solle die Arbeitslosigkeit 2003 weiter steigen.
Zudem hat die weltpolitische Lage negativen Einfluss auf den Dax gehabt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, die sich auf diplomatische Kreise beruft, hat heute Chefinspektor Hans Blix dem Weltsicherheitsrat mitgeteilt, dass der irakische Waffenbericht mehrere große Lücken enthält. Damit bekräftigt er die Aussagen der USA und Großbritannien, die bereits im Laufe der Woche auf Lücken hingewiesen hatten.
US-Außenminister Powell betonte jedoch, es werde keinen Alleingang geben, Aktionen gegen den Irak werden mit dem Weltsicherheitsrat abgestimmt. Diese Aussage, zu diesem Zeitpunkt, kann nur bedeuten, dass sich die USA mittlerweile sicher sind, die UN überzeugen zu können. Eine etwas andere Haltung bezüglich der aufgetretenen Lücken im irakischen Waffenbericht hat der britische Außenminister Jack Straw geäußert. Er ist der Auffassung, dass der Irak noch keinen schwerwiegende Verstoß gegen die UN-Resolution begangen habe.
Morgen wird ein heftiger Tag werden, den ich mir nur als Beobachter, zurückgelehnt und gelassen, ansehen werde. Handeln werde ich da nicht. Denn morgen ist nicht nur "Dreifacher Hexensabbat", nein, morgen gibt Bush eine Stellungsnahme zu dem Irak-Waffenbericht ab. Es kann also zu Turbulenzen kommen.
Gold steigt und steigt. Es ist schwierig zu sagen, bis wohin Gold steigen wird. Aber mir gefällt aktuell nicht, dass alles und jeder in Gold investiert. "Überhitzt" nennt man eine solche Phase. Erinnern Sie sich an Anfang 2000. Da stieg die Börse auch jeden Tag weiter. Viele, die damals betonten, dass dieser Anstieg übertrieben sei, wurden nicht gehört. Leider haben allerdings die, die diese Warnung überhört haben, auch noch einige Zeit sehr viel Geld verdient, Geld, das die, die gewarnt haben, nicht verdienten. Später haben allerdings die meisten der Optimisten mehr verloren, als sie jemals verdient hatten. Die, die gewarnt hatten, standen sich letztlich besser.
Gold kann natürlich noch viel weiter steigen. Besonders wenn sich der Irakkonflikt weiter zuspitzen sollte. Trotzdem, es kann jederzeit zu Einbrüchen kommen, spätestens wenn der Irakkonflikt dann tatsächlich beginnt und sich für die USA positiv entwickelt. Seien Sie also bitte vorsichtig, sichern Sie Ihre Gewinne ab.
Eine Grundregel sollte man immer beachten: Niemals eine Gewinnposition, die einmal deutlich (!) im Gewinn war, wieder in den Verlust laufen lassen. Das Zweite: An Gewinnmitnahmen ist noch keiner arm geworden.
Um 14.30 wurde die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche 50 veröffentlicht. Die Zahl der Erstanträge ist auf 433.000 zurückgegangen. Erwartet wurden 395.000 bis 412.000 neue Anträge nach 444.000 (revidiert von 441.000) in der Vorwoche. Es ist zwar ein Rückgang, aber deutlich unter den Erwartungen.
Wichtiger jedoch war um 16.00 Uhr die Veröffentlichung der Frühindikatoren für November 2002. Die Frühindikatoren sind um 0,7 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,6 bis 0,7 % nach zuvor 0,1 %. Das ist der größte Anstieg in diesem Jahr. Damit steigt die Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung weiter an. Die Börse reagierte freundlich auf diese Zahlen.