Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 19. November 2002 18:00 Uhr
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Solche Tage sind ja der reinste Horror für Trader. Der Dax hält sich bis Mittags in einer Spanne von 25 Punkten auf. Die Gespräche der Trader drehen sich heute deswegen wohl auch mehr ums Private als um das Traden. Irgendwie ist die Luft raus. Runter will der Markt nicht, rauf auch nicht. Alles wartet auf etwas, aber wann kommt es und was soll es sein? Seitwärtsbewegungen können ganz schön seltsame Verläufe nehmen. Wie gesagt nimmt zudem der Umsatz innerhalb einer Seitwärtsbewegung langsam aber stetig ab. Das hat viel damit zu tun, dass keine Richtung eingeschlagen wird. Und Trends sind der Motor der Märkte, ob rauf oder runter. Da bleiben nur noch Optionsscheine übrig ,um Intraday noch Gewinne machen zu können. In stabilen Seitwärtsbewegungen sind Optionsscheine sowieso lukrativer, da Sie damit natürlich wesentlich mehr von den Bewegungen partizipieren können als mit den Basiswerten selbst.
An den amerikanischen Börsen haben sich gestern schlechte Nachrichten seitens der Einzelhändler Federated Department Stores und Wal-Mart negativ ausgewirkt. Aber natürlich haben auch die vielen negativen Nachrichten, über die Terroristen in England, die missglückte Flugzeugentführung, der Nachweis über die Echtheit des Bin Laden-Tonbandes und die neu aufflammenden Sorgen über Schwierigkeiten im Irak den Markt belastet. Wie ich bereits erwähnte, ist es verwunderlich, wie stark sich der Markt trotz dieser ganzen Sorgen zeigt. Wäre die politische Situation in Hinsicht auf Terror und Irak anders, würde der Markt sich wahrscheinlich in einem deutlicheren Aufwärtstrend befinden.
Ein wenig übertreiben nun die Amerikaner: Gerade mal seit Freitag sind die UN-Resolutionen im Prinzip anerkannt, schon regen sie sich auf und bezeichnen Zwischenfälle bei der Überwachung der Flugverbotszonen als eine "erhebliche Verletzung" der jüngsten UNO Resolutionen. Wie Sie ja wissen, kommt es eigentlich die ganze Zeit über zu solchen Zwischenfällen. Daraus nun plötzlich einen Bruch der Resolutionen stricken zu wollen, halte ich für ungeschickt. Es wirkt ein wenig so, als wollten die Amerikaner den Irakern nicht mal auch nur den Hauch einer Chance lassen, die Resolutionen zu erfüllen. Wenn man sich diese Aktion anschaut, kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Die Amerikaner werden irgendein Haar in der Suppe finden um einen Krieg anzufangen.
Im Dax halten wir uns immer noch in der bekannten Seitwärtsbewegung zwischen 3000 und 3300 (3425) auf. Ich bin gespannt, wann und in welche Richtung dieser Seitwärtskanal endlich verlassen wird. Der Nasdaq100 steht kurz davor, seinen diesjährigen Abwärtstrend zu brechen. Aber man spürt deutlich, dass er sich noch sträubt. Die Dynamik geht vor dieser Abwärtslinie in die Knie. Auch das wird spannend. Kann er es schaffen oder wird er vorher in sich zusammenbrechen?
Um 14.30 Uhr wurden die amerikanischen Verbraucherpreise veröffentlicht, die mit einem Anstieg von 0,3 % in den Erwartungen lagen. Das Handelsdefizit ist mit 38 Mrd $ nicht ganz so niedrig wie erwartet ausgefallen.
Die Amerikaner starteten heute erst einmal im Minus und gaben in der ersten halben Stunde weiter ab: Damit wurde dann auch der Dax endlich aus seiner nervigen 25 Punkte Range nach unten gerissen. Trotzdem, insgesamt blieb der müde und zähe Eindruck bestehen.
Um 17 Uhr stand der Dow bei 3162,55 Pkt, –1,73 %, der Nasdaq100 bei 1028,66 Pkt, –1,58 % und der Dax wieder in der Range bei 3164.61 Pkt, –1,67 %.