Die Umsätze sinken und die Ansprüche steigen
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 19. Oktober 2009, 17:00 Uhr
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es gibt Dinge im Leben und an der Börse, auf die man sich ganz einfach verlassen kann! Eines dieser Phänomene ist das hier bereits altbekannte und diskutierte Gesetz", das während meines Urlaubs die Kurse steigen, schlimmstenfalls stagnieren! Diesmal sind keine spektakulären Erfolge zu verbuchen, aber immerhin 160 DAX-Punkte in sechs Handelstagen sind doch auch nicht von Pappe, oder? Diesmal war ich übrigens wieder so fair und habe Sie am vergangenen Montag darüber informiert, dass ich mich an der Nordsee befinde.
Die Magie der runden Zahl
Einerseits erwarten immer mehr Anleger, dass der DAX bald an die psychologisch wichtige Grenze von 6.000 Punkten klopft, obwohl der Dow Jones die für ihn vergleichbare Marke von 10.000 nicht verteidigen konnte. Diese Erwartung teile ich übrigens auch, da die runden Marken in den Indizes eine große Anziehungskraft auf die Anleger ausüben. Übrigens wurde dieses Phänomen schon von der Traderlegende Jesse Livermoore deutlich beschrieben.
Auf der anderen Seite birgt natürlich der wachsende Optimismus und die Zuversicht der Investoren eine große Gefahr. Denn bekanntlich ereignen sich die heftigsten Korrekturen an den Märkten in einem Klima des Optimismus und dann, wenn es die Masse nicht (mehr) erwartet. Trotzdem stelle ich aber gerne klar, dass wir uns nach wie vor in einem Stadium befinden, in dem kleine Korrekturen unmissverständlich als Nachkaufgelegenheiten betrachtet werden. Zu viele Anleger, vor allem institutionelle, haben sich während des volumenstarken Abverkaufs im letzten Herbst und Winter von zu vielen Aktien verabschiedet und gucken nun in die Röhre, bzw. müssen sich zu steigenden Kursen eindecken!
Die Ansprüche der Anleger werden größer
Wie schon oben kurz beschrieben, nimmt der Optimismus der Anleger zu, weshalb die Kurse steigen. Dies belegen z.B. auch die Umfragewerte von Cognitrend" und der Deutschen Börse AG! Gemäß deren wöchentlicher Erhebung stieg der Anteil der Anleger, die von steigenden Kursen ausgehen, um sechs Prozentpunkte auf 54 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der pessimistischen Anleger. Die Hausse im DAX habe bereits einen hohen Reifegrad erreicht, kommentierte die Firma Cognitrend". Auf der anderen Seite zeigte sich am Ende der vergangenen Woche aber deutlich, dass einige Unternehmenszahlen enttäuschten und die Anleger dies nicht mehr ohne Strafe" durchgehen lassen. Dies war während der Berichtssaison zum zweiten Quartal noch üblich, als schlechte Zahlen noch viel lockerer weggesteckt wurden. Der Industriegigant General Electric ist dafür ein Beispiel, dessen Umsätze im dritten Quartal um fast ein Fünftel gefallen sind, während der Auftragseingang um fast 20 % absackte. Auch die Bank of America enttäuschte mit einem Verlust von über 2 Mrd. Dollar, der vor allem durch Probleme bei den Konsumentenkrediten ausgelöst wurde. Hier musste der horrende Betrag von einer Milliarde abgeschrieben werden.
An diesen Beispielen zeigte sich, dass die Anleger mittlerweile nicht mehr ganz so leicht zu begeistern sind wie noch vor einigen Wochen. Bei vielen Quartalsberichten der letzten Tage kam insbesondere die schwache Umsatzentwicklung schlecht bei den Investoren an. Diese erkennen allmählich, dass eine nachhaltige Gewinnsteigerung ohne zunehmende Umsätze durch verbesserte Geschäftslage nicht möglich ist.