Die Stagflation ist noch nicht tot
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 3. September 2008, 20:00 Uhr
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Die Inflation verliert an Bedeutung - so nehmen viele an - weil die Ölpreise gefallen sind. Aber ob es wirklich so einfach sein kann - Rohstoffpreiskorrektur hin oder her - die USA nun schon als Insel", die sich so mir nichts dir nichts von den inflationären Faktoren von außen abschirmen kann darzustellen, wage ich zu bezweifeln. In meinen Augen sind die Jubelschreie des großen Ben aus Amerika, der ja schon die US-Inflationsrate wieder auf dem Weg nach unten sieht etwas arg verfrüht.
Mal abgesehen davon, dass ihn der Fokus weg von der Inflation und noch immer stärker hin zum anderen Problem, dem Kollaps des Geldmengenwachstums auf einen gefährlichen Weg bringen könnte: weiterhin allem was in Geldnot ist aus der Patsche helfen und wenn möglich auch gleich noch die Zinsen weiter absenken.
Nicht, dass ich je angenommen hätte Ben habe tatsächlich sein Augenmerk je mehr auf die Rezession als auf die Inflation gelenkt. Ich glaube nach wie vor, dass ihm tatsächlich die fatale Überschuldung seiner Amerikaner und die deflationären Folgen, die sich ja nun auch ergeben haben obwohl Ben und seine Mannen so tapfer dagegen angekämpft haben, immer schon mehr am Herzen lagen als die vernachlässigte Inflation.
Man sollte so einen Mutterinstinkt der Väter der Notenbanken nicht unterschätzen...jeder hat da so seinen Liebling. Und Ben kümmert sich nun einmal lieber aufopferungsvoll um seine kränkelnde Wirtschaft, als um die rebellische Inflation.
Ben wird also gar nicht amused" sein, wenn seine Amerikaner plötzlich aufhören Geld auszugeben, dass sie nicht haben und stattdessen lieber mit Fingerzeig auf Ölpreise und US-Dollar sagen: Seht ihr, die zwei kümmern sich schon um die Inflation!
Dabei würde seinen Amerikanern so ein Sparkurs eigentlich ganz gut tun, bedenkt man die horrende Verschuldung derselbigen.
Gegenwärtig sind die US-amerikanischen Haushalte zu 131 % in Bezug auf ihr anrechenbares Einkommen verschuldet. Zum Vergleich: während der dotcom"-Blase betrug die Verschuldung noch 93 %, während der Immobilienblase in den späten 80ern nur 79 % und Ende der wilden 70er nur lediglich 62 %.
Oh, Amerika, quo vadis?!
In meinen Augen bleibt da nur noch auf folgendes hinzuweisen: weder darf die Inflation tot geredet werden, noch darf man die meiner Meinung nach mittlerweile nicht etwa weniger werdenden, sondern eher - im Angesicht des Kollaps des US-Geldmengenwachstums und der horrenden Überschuldung - noch wachsenden Gefahren einer drohenden US-Rezession unter den Tisch kehren.
Oder anders ausgedrückt: begraben wie die Stagflation besser noch nicht hinter der Biegung des Flusses. ;-)
So long liebe Leser...und wieder habe ich mich so fröhlich zumindest in Halb-Rage geschrieben und dabei nicht ganz die Kurve gekriegt...;-)...deshalb geht es morgen noch einmal weiter mit dem Geldmengenwachstum in der Euro-Zone und weiterführenden Überlegungen in Bezug auf mögliche neue Blasen und altbewährte Sicherheiten...bis morgen
Ihre Miriam Kraus