Die Show geht weiter
Justice Litle in Investors Daily
vom 13. Juni 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Und die Show geht weiter: Die Ankäufe von bestehenden Häusern erreichten im April ein neues Rekordhoch, während die Hauspreise die größten Gewinne in zwei Jahrzehnten verbuchten.
Auf der Titelseite des FORTUNE fanden sich die Worte "IMMOBILIEN GOLDRAUSCH" in Großbuchstaben. In der Zwischenzeit berichtet die Washington Post, dass jetzt schon Playboyhäschen nach Immobilienlizenzen greifen und eines von vier Häusern, die im letzten Jahr gekauft wurden, waren *räusper* Anlageeigentum (Spekulationskäufe wäre ein zu harter Ausdruck in feiner Gesellschaft) .
Als Krönung machten anpassbare Zinssätze und Kredite, bei denen man nur die Zinsen zahlt, mehr als die Hälfte aller Hypotheken in der zweiten Hälfte des Jahres 2004 aus.
Greenspan schreibt: "Es ist wenigstens ein bisschen Schaum in diesem Markt", bei einem Essen in New York fuhr er fort: "Ich kann keine nationale Blase erkennen, aber es ist nicht schwer zu merken, dass es viele lokale Blasen gibt."
"Bei oberflächlicher Betrachtung gibt es an diesen Bemerkungen nicht viel zu sehen. Der Meister scheint grummelnd das Thema der Immobilienblase anzugehen, jetzt, wo sie zu groß geworden ist, als dass man sie noch leugnen könnte. Gleichzeitig spielt er die Bedeutung herunter."
Wenn man ein bisschen tiefer gräbt, dann werden die Dinge interessanter.
Es ist noch nicht lange her, da hat Greenspan die Möglichkeit von Blasen heftigst bestritten, oder zumindest die Fähigkeit, sie vorherzusehen. Er hat argumentiert, dass es unmöglich sei, eine Blase zu erkennen, bevor sie geplatzt sei, und dass selbst wenn man eine entstehende Blase erkennen könnte, es nicht viel gäbe, was man dagegen tun könnte, bis sie platzt.
Diese Verteidigung wurde genutzt, um die Verantwortung der Fed am Dot.com Debakel zu rechtfertigen, oder eher, den vollständigen Mangel an Reaktion. In den Tagen des späten großen Technologiebooms hat Greenspan dem Aufschwung quasi zugeprostet und auf dem Weg nach unten hat er so lange die Hände in den Schoß gelegt, bis der Aktienmarkt implodiert war – mit sage und schreibe sieben Billionen – ehe er endlich zu Notfallmaßnahmen bereit war.
Die blinde Haltung der Fed gegenüber Blasen hatte ihren Ursprung in der "Efficient-Market Hypothesis" oder in einer "Zufallstheorie", die gerade einem langsamen aber sicheren Tod entgegengeht.
Viele Jahre lang haben die Akademiker geglaubt, dass die Märkte jederzeit absolut rational und akkurat bewertet seien, was die Vorhersage wertlos machte und die Existenz von Blasen ausschloss.
Die "Efficient- Market Hypothesis" ist ein dummer und idiotischer Glaube aus einer Reihe von Gründen, aber wie so viele andere dumme Ideen, ist es ihr gelungen, lange am Ball zu bleiben und viele, ansonsten kluge Menschen, in ihren Bann zu bringen.
Erst in den letzten Jahren ist dieses Dogma im akademischen Bereich erfolgreich hinterfragt worden (Erfolgreiche Trader und Investoren, die schon seit Jahrzehnten gutes Geld machen, sahen von Anfang an nie einen Grund, sich an eine solche Theorie zu halten. Das wäre so als würden die Bienen einpacken, weil sie erfahren, dass die Abteilung für Aerodynamik festgestellt hat, dass sie nicht fliegen können.).
Die Beziehung zwischen der Fed und den Preisen von Vermögenswerten ist ziemlich direkt. Wenn die Preise der Vermögenswerte immer und überall rational wären, so wie eine verschwindende Gruppe von Akademikern glaubt, dann muss die Fed diese Preise nicht in Angriff nehmen, denn die dauerhafte rationale Auszeichnung garantierte einen gerechten Wert zu allen Zeiten.
Wenn die "Efficient- Market Theorie" jedoch falsch liegt und die Märkte nicht immer rational sind, dann gibt es die Möglichkeit, dass die Preise für Vermögenswerte aus dem Ruder geraten ... manchmal mit gefährlichem Ausmaß. In diesem Fall muss die Fed ihre Aufmerksamkeit auf die Vermögenswerte lenken und um Entscheidungen zu treffen, feststellen, ob die bestehenden Bewertungen rational sind, oder blasenmäßig.
Die Fed bewegt sich auf einem schmalen Grat, wenn es um Blasen bei Vermögenswerte geht, und wenigstens ein oder zwei Gruppen werden unglücklich sein, ganz egal, was passiert. Wenn es so aussieht, als entwickelte sich eine Blase und wenn die Fed Schritte unternimmt, das zu verhindern, werden sowohl die Vertreter der "Efficient- Market Theorie" als auch die hartnäckigen Bullen enttäuscht sein.
Die Akademiker werden sagen "Wer seid ihr denn, dass ihr euch zu Göttern eines Marktes ernennt, den wir, die wir im Elfenbeinturm sitzen, perfekt genannt haben." Gleichzeitig werden die glotzäugigen Bullen sagen; "Wer seid ihr, dass ihr uns die Party versaut, wenn es gerade erst richtig rund geht."
Auf der anderen Seite werden, wenn die Fed nichts unternimmt und eine blinde Haltung gegenüber den Blasen einnimmt, die Realisten und die Inflationsgeier aufspringen und rufen: "He, ihr geldpumpenden Nimrods, es ist nicht eure Aufgabe, beliebt zu sein ... ihr sollt die Bowleschüssel abräumen, und nicht die Gläser nachfüllen."
Soll die Fed nun die Preise der Vermögenswerte angehen oder nicht? In einem fremdverschuldeten Geldsystem wie dem unsrigen, ist es die Aufgabe des Vorsitzenden, die Blasen anzugehen, wenn sie noch in den Kinderschuhen stecken(besonders die, die in ihrer eigenen Geldpolitik ausgebrütet wurden). Der bekannte Beobachter der Fed und Finanzjournalist Martin Mayer, schreibt in seinem Buch, dass sie es sollten.
"Die Theoretiker streiten sich schon seit einigen Jahren, in welchem Ausmaß die Zentralbanken ihre Aufmerksamkeit den Preisen der Vermögenswerte zukommen lassen sollten. Die Diskussion wird auf sehr hohem Niveau geführt, mit sehr dünnen Fäden zur Realität. Aber in der Realität sind die Preise der Vermögenswerte im Prinzip das, was die Zentralbanken seit dem Jahrhundertwechsel tun. "Die Geldpolitik", sagte Charles Goodhart bei einer Konferenz des Levy Instituts 1999, "hat ihre wahre Wirkung durch ihren Einfluss auf die Preise der Vermögenswerte. Aber die Wirkung, die die Zinssätze auf die Preise haben, sind das Ergebnis einer ganzen Kette von Einstellungen, und die Beziehung zwischen Zinssätzen und Preisen der Vermögenswerte ist sehr ungewiss."
Also zurück zu den spontanen Äußerungen des Meisters: Wenn Greenspan sagt: "Es ist nicht schwer festzustellen, dass es viele lokale Blasen gibt.", dann entspricht das einem weniger offiziellen Rufen von allen Dächern.
Durch das Bekenntnis, dass es Blasen bei den Vermögenswerten gibt (selbst wenn sie als lokal heruntergespielt werden), ist der Maestro von seiner blinden Haltung abgewichen und hat subtil auf die Notwendigkeit hingewiesen, bei zukünftigen Berechnungen die Preise der Vermögenswerte mit einzurechnen ... oder zumindest auf die Möglichkeit, das zu tun.
Von hier ist es kein weiter Weg mehr zu einer zukünftigen Fed, die die Blasen bei Vermögenswerten aktiv angeht.
Der Fed mag dieser Wechsel von Blasenblindheit zu Blasenanerkennung nicht gefallen, ihr bleibt aber kaum eine andere Wahl.
Durch die rapide Wertsteigerung am amerikanischen Immobilienmarkt, finanziert durch eine Flutwelle von hochriskanten Hypotheken und wachsender spekulativer Gleichgültigkeit, ist es der vernunftbegabten Welt – vielleicht abgesehen von den Akademikern – hinreichend deutlich geworden, dass die Geldpolitik stark mit den extremen Werten der echten Vermögenswerte zusammenhängt.
Die gute Nachricht ist, dass wenn es dazu kommt, dass die Fed Blasen in Zukunft schon ganz früh angeht, sie einige präzise Mittel zur Verfügung hat, zusätzlich zum unpräzisen Hammer der Zinssätze.
In den späten Neunzigern, als der Dot.com-Wahnsinn aus den Fugen geriet, hätte Greenspan ein Signal schicken können, indem er die Rahmenbedingungen für Wertpapiere angehoben hätte.
Das hätte die Dinge ein wenig gebremst, es hätte als psychologische Bremse gewirkt, ebenso wie eine Einschränkung der Fremdverschuldung. Die Bullen hätten gebrüllt, aber das anschließende Multibillionen-Debakel wäre aufgrund der Voraussicht der Fed vielleicht deutlich weniger schmerzhaft ausgefallen.
Vor kurzem hätte die Fed frühe Schritte einleiten können, um die verrückten Kreditgeber unter Kontrolle zu bringen.
Wenn vollständig gierige Banken nur noch so wenig gesunden Menschenverstand aufbringen, dass sie schon anpassbare Kredite ohne jedes Eigenkapital, Kredite, bei denen nur die Zinsen gezahlt werden, an spekulierende Käufer vergeben, die schon bis zu den Ohren in Schulden stecken, dann könnte die Fed bestimmt ein bisschen gesunden Menschenverstand in deren Interesse einführen, indem sie eine verbindliche "Vernunftsregel" in die Kreditabkommen einführte. Aber das ist leider schon zu viel verlangt.
Indem Greenspan jetzt eingesteht, dass die Blase existiert (auf so allgemeine und unwirksame Weise) hat er den Weg für seinen Nachfolger geebnet. Das ist nicht viel, aber zumindest schon einmal etwas. Langsam kommt auch die Fed dahinter, dass die Märkte nicht perfekt sind, oder auch nur annähernd perfekt, außer in ihrer unheimlichen Fähigkeit, einander zu destabilisieren und in der Notwendigkeit, sie sowohl mit gesundem Menschenverstand, als auch mit akademischer Theorie anzugehen.