Die seltsame Logik der Ölpreise
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. September 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Steigende Ölpreise sind ein Signal für steigende Nachfrage, die zeigt, dass die Wirtschaft weltweit top in Ordnung ist und wächst. Hm.
Nach der Zinssenkung wurde die Sache mal einfach von hinten aufgezäumt: Sinkende Zinsen sind Basis in Zukunft bestimmt bald steigender Nachfrage weil sie der Wirtschaft helfen und daher rauf mit Ölpreis.
Sie wissen ja, bis das Realität wird, wird es dauern. Wenn das mit der belebten Wirtschaft überhaupt hinhaut, das ist ja noch nicht raus.
Öl-Rallye wegen erhoffter Wirtschaftsbelebung
Fakt ist aber, dass man mal im Voraus Vollgas gegeben hat und das US-Öl am Freitagabend auf 82,40 Dollar auf neue Allzeithochs prügelte. Auch das Nordsee-Öl Brent, das nun wieder im Kurs niedriger liegt, zog mit. Hier fehlt zwar noch ein Tick zum Rekord (siehe Chart), aber das ändert nichts an folgendem Fakt:
Steigende Energiepreise bedeuten steigende Inflation und das ist ein Hindernis für sinkende Zinsen. Die aber wiederum benötigt werden, um die Wirtschaft zu beleben und die Nachfrage nach Öl zu erhöhen und so die erreichten Rekordpreise zu rechtfertigen.
Hier beißt sich der Hund in den Schwanz. Festzuhalten bleibt: Steigende Ölpreise sind schlecht für Konsum und Inflation. Und dass ersteres steigt und zweites nicht, darauf setzen die Aktienmärkte zeitgleich mit neuen Ölpreis-Rekorden.
Mal sehen, wie sich das auflösen wird. In jedem Fall trugen die wöchentlichen Lagerbestandsdaten aus den USA nicht dazu bei, Öl billiger zu machen:
Besorgnis erregend niedrige Kapazitätsauslastung
Wider Erwarten fielen die Rohölbestände wieder deutlich um –3,9 Millionen Barrel (Prognose –2,0 Mio). Die Heizölbestände lagen mit +1,5 Millionen Barrel etwas über den Erwartungen, die Benzinbestände mit +0,4 Millionen deutlicher (Prognose –1,0 Mio).
Unter dem Strich ausgeglichen, aber die Kapazitätsauslastung der US-Raffinerien fiel schon wieder auf diesmal nur noch 89,6%. Das ist nach wie vor besorgniserregend wenig, der normale Stand zu dieser Jahreszeit wäre um 93%.
Das deutet zumindest an, dass eine markante Abwärtskorrektur im Rohöl momentan noch nicht zwingend wäre ... sodass sich der Hund wohl noch ein wenig weiter in den Schwanz beißen muss.
