Die Sektoren "machen" den Markt
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 27. Januar 2009, 17:00 Uhr
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Liebe Nebenwerte Investoren,
Ich beneide die Chinesen. Die feiern heute nicht nur Ihr traditionelles Neujahrsfest, sondern ein ganz besonderes. Das Jahr des Bullen! Ich werte dies einfach mal als ein gutes Zeichen dafür, dass die Welt doch nicht untergeht und wir mit einem blauen Auge davon kommen.
Die Dramaturgie an den Aktienmärkten wurde in den vergangen Tagen abermals gesteigert, was sich auch in den deutschen Indizes, bzw. am Schmusekurs mit den Tiefs vom letzten Oktober widerspiegelt. Verluste zwischen drei und fünf Prozent mussten die deutschen Indizes wegstecken, wobei sich die Nebenwerte sogar noch ganz passabel geschlagen haben. Komplett ins Gegenteil verdreht hat sich das Verhaltensmuster der Investoren. Wurden während des Kursanstiegs im Dezember die zahlreichen schlechten Nachrichten beflissentlich ignoriert, werden jetzt die wenigen positiven Daten komplett überhört. Bezeichnend dafür ist auch das entsprechend der Jahreszeit wieder eingefrorene Sentiment der Anleger, welches kürzlich noch extrem bullish war. Speziell das an der Eurex gehandelte Put-Call-Ratio gehört für mich aber zu den besten Stimmungsindikatoren, da es die echte" und real gehandelte Stimmung des Marktes ausdrückt wird. Hier geht es nicht um willkürliche Umfragen aus mehr oder weniger schlechten Stichproben, sondern um das reale Verhältnis der gehandelten Verkaufspositionen zu den Kaufpositionen. Falls sich der Markt in den nächsten Tagen doch noch signifikant von seinen Tiefs absetzten kann, ist einer der Gründe dafür bestimmt die momentan sehr bärische Stimmung der Anleger. Aber was heißt hier schon Anleger? Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Märkte seit Wochen bereits nicht mehr von Investoren, sondern von extrem kurzfristig orientierten Spekulanten im Griff gehalten werden.
Bankensektor hält nach wie vor den Schwarzen Peter
Auch die vergangene Woche war wieder von der eklatanten Schwäche im Bankensektor geprägt, die sich auch auf die meisten anderen Sektoren negativ auswirkte. Aber auch die Versicherer standen einmal mehr enorm unter Druck, da J.P. Morgan hier vor weiteren Abschreibungen auf spezielle Produkte warnte. In dieser Woche werden die Banken aber wieder aus mehreren Gründen im Vordergrund stehen. Ich beginne mit den positiven. Rückenwind erhalten heute die Anleger von den ordentlichen Zahlen der britischen Barclay`s Bank, die durchaus ein Gradmesser für meinen persönlichen Höhepunkt der Woche sein könnte. Für mich bedeuten die heute Abend anstehenden Zahlen des Kreditkartenanbieters AmEx eine Vorentscheidung, wie groß die Chancen der Indizes sind, ihre Oktober-Tiefs zu verteidigen. Im Gegensatz zu anderen Kartenanbietern tritt American Express auch als Bank auf und haftet damit für die faulen Kredite seiner Kunden. Die Angst vor solchen Kreditausfällen ließ die Aktie in den letzten Tagen auf ein mehrjahres Tief abstürzen. Denn gerade die Kreditkartenumsätze werden offenbaren, wie es wirklich um die Konsumlust der Amerikaner bestellt ist und wie tief sich die Krise zukünftig noch in den Einzelhandelssektor eingraben wird. Sehr genau empfehle ich aber auch zu beobachten, wie stark die Diskussion um die Rettung des Bankensektors eine öffentliche wird, bzw. ob sich daraus ein Politikum entwickelt. Denn obwohl ich hier starke moralische Probleme habe die kommenden Verluste zu sozialisieren, muss ganz schnell eine Lösung her. Sollten die Kreditengpässe nicht schleunigst gelöst werden, können wir uns nämlich die Konjunkturerholung im kommenden Herbst abschminken". Eine enstprechende Warnung hat übrigens nun die EU-Kommission veröffentlicht - und die ist nicht gerade für schnelle Problemlösungen bekannt. Meiner Meinung nach ist dies exakt der Grund, warum die letzte Bärenmarktrallye nicht ihre vollen Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Immer mehr Börsianer scheinen der Meinung zu sein, dass die jetzigen Maßnahmen zu spät wirken werden oder sogar gar nicht greifen werden. Dann würden sich die konjunkturellen Probleme noch extrem verschärfen und eine Besserung der Lage wäre in weiter Ferne. Vor allem Deutschland als Exportnation wäre davon stark betroffen, da die Exporte weiter zusammenfallen würden. Dies könnte erklären, warum unser" DAX im letzten Jahr schlechter abschnitt als z.B. der Dow-Jones, obwohl doch die Amerikaner die Krise ausgelöst haben.