Die Sehnsucht nach dem Frühling
Bill Bonner in Investors Daily
vom 20. März 2006 18:00 Uhr
ENL5462
"Hier ist es ja das ganze Jahr lang Winter",
laire, eine Mitarbeiterin, die vor kurzem aus Paris nach London gekommen war – und die zuvor in Nordafrika gelebt hatte – sehnte sich nach den Tropen, oder zumindest nach dem Frühling.
Die Iden des März liegen schon hinter uns. Kleine weiße Blumen schauen schon überall im Garten unter den Blättern hervor und an den Bäumen im James Park entwickeln sich die ersten rosa Knospen. Der Frühling soll schon in dieser Woche anfangen, aber das Wetter in London zeigt noch keine Anzeichen davon. Es gibt keine warmen Brisen, keine Gerüchte über Sonnenschein oder dergleichen.
In der U-Bahn waren immer noch alle dick eingepackt, fast alle in warmen schwarzen Mänteln. Fast jeder hat eine Zeitung in den Händen und ist in die Wirtschaftsseiten vertieft ... oder in den Sportteil ... oder in Gesundheits- oder Modeangelegenheiten. Niemandem schienen die beiden Verliebten aufzufallen, die auf dem Boden saßen. Und auch sie schienen sonst niemanden zu bemerken. Sie sahen einander in die Augen, umarmten sich, lächelten oder gurrten sich an.
Dem Herausgeber dieser Seiten rumorte das verkrustete alte Herz. Er war auf der Suche nach einigen Souvenirs, um sich besser erinnern zu können, wie es sich angefühlt hat. Er versuchte herauszufinden, wie es möglich war, dass Leute in einem Waggon des öffentlichen Nahverkehrs stehen und sich zu absoluten Idioten machen. Das waren schließlich keine Teenager, sondern ein Mann und eine Frau in den frühen Dreißigern. Sie trugen Geschäftskleidung ... und waren verrückt vor Liebe. Der Zug hielt an verschiedenen Stationen – dem Paar fiel es nie auf. Ich sagte zu mir, dass sie mit Sicherheit ihre Station verpasst hatten.
Als ich an der Station Blackfriars angekommen war, stieg ich aus. Sie waren immer noch im Waggon ... ohne dass sie etwas anderes beachtet hätten, als den jeweils anderen. Sie fuhren in der Circle Line, auf ihrem Weg nach ... der Himmel weiß wohin. Ich wünsche ihnen Glück, und allen anderen jungen Verliebten auch.
Draußen wehte der Wind, als ich über die Brücke ging. Regnete es? Schneite es? Ich konnte es nicht sagen, aber ich fühlte ein kaltes Kitzeln auf meinem Gesicht, als ich in all die Gesichter blickte, die mir aus der anderen Richtung entgegen kamen.
"Ich hätte nie geglaubt, dass der Tod so viele von ihnen zurückgelassen hat" sagte T.S. Eliot vor vielen Jahren über eine Menschenmasse auf einer Londoner Brücke, die dieser hier nicht unähnlich war.
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