Die Schweiz Asiens – Teil 1 von 2
Chris Mayer in Traders Daily
vom 29. April 2008 12:00 Uhr
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Das neue Buch von Joe Studwell: Asian Godfathers (Die asiatischen Paten) setzt sich mit den Erfolgen verschiedener Unternehmen in Südostasien auseinander. Singapur spielt hier eine Rolle in der großen Geschichte. Studwells Kommentar wirft ein Licht auf die Gründe für Singapurs Erfolg. Viele dieser Gründe gelten auch heute noch.
Singapurs Erfolg verdankt sich teilweise, wie Studwell schreibt, einem “zollfreien Handel (mit wenigen oder gar keinen Fragen dazu, womit man handelt) und… Orten, an denen man sein Geld parken kann (mit wenigen oder gar keinen Fragen dazu, wo das Geld herkommt.)“ Damit vollzieht sich in Singapur ein “einfacher wirtschaftlicher Trick”. Sei ein bisschen netter zum Geld als deine Nachbarn und du wirst den Geldfluss anziehen. Auch wenn Singapur eine lange Geschichte des Handels und Schmuggelns hat, ist seine Reputation als eine asiatische Schweiz – als ein Ort, an dem man sein Kapital lagern kann und als Knotenpunkt der Finanzdienstleistungen – eine jüngere Entwicklung.
Nachdem die EU Druck auf die Schweiz ausgeübt hat, Steuerhinterziehung zu verhindern, hat Singapur die Reste aufgenommen. Die Zahl der ausländischen Privatbanken in Singapur hat sich von 20 im Jahr 2000 auf 42 momentan mehr als verdoppelt. Barron’s berichtet, dass Singapur das zweitgrößte Bankenzentrum weltweit ist, gleich hinter der Schweiz. Singapurs weltweiter Anteil am privaten Bankengeschäft liegt bei ungefähr 6%, verglichen mit 18% in der Schweiz. Aber Singapur wächst um 30% im Jahr. Private Bankanlagen sind seit 1998 um das Sechsfache gestiegen. Heute ist Singapur die Heimat von 300 Milliarden Dollar, heißt es von der Citigroup (die ein Drittel des privaten Bankgeschäfts aus Asien bekommt. Die Leute von Citigroup sollten es wissen.)
Dieses ganze Geld braucht Leute, die sich darum kümmern – Buchhalter, Anlageberater und andere Spezialisten. Das ist der Grund, warum das private Bankengeschäft über Singapur so begeistert ist. Als Anleger ist es ein bisschen schwieriger, in genau diesem Bereich zu investieren. Ich bin nicht besonders scharf darauf, ein großes Finanzkonglomerat zu besitzen, weil mir Singapurs Exponierung gefällt.
Dennoch ist das auch etwas, was man beobachten sollte. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine weitere Ebene im Wohlstand Singapurs im 21. Jahrhundert, die ich besonders faszinierend finde. Singapur ist auch ein Knotenpunkt der Wasserunternehmen, eine Art Silicon Valley für Wasser. Tom Rooney, den ich vergangenen Monat interviewt habe, nennt es den „aufgeklärtesten Ort der Welt, wenn es um Wasser geht.“ Es gibt mehr als 100 Wasseraufbereitungsaktien dort, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von über 50 Milliarden Dollar, schreibt Jim Rogers. „China repräsentiert fast 80% der Umsätze.
Der Rest stammt überwiegend aus Singapur. Die Geschäftsführerin Olivia Lum besitzt ungefähr 30% der Aktien. Sie hat das Unternehmen 1989 gegründet, als es sich noch um ein kleines Unternehmen handelte, das Wasseraufbereitungssysteme überall in Asien verkaufte. Es ist heute ein Unternehmen mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Irgendwann könnte es ein Vielfaches davon wert sein. Ich empfehle Hyflux nicht für das Portfolio, aber ich möchte darauf hinweisen, dass es eine weitere Möglichkeit in Singapur ist.“ Raffles wäre, vermute ich, erfreut.