Die Schuldenproblematik
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 30. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Die Kursgewinne der letzten Woche konnten nicht ins Wochenende gerettet werden ... am Freitag ging es so deutlich bergab, dass Dow Jones und Nasdaq-Composite die Kursgewinne der beiden Tage zuvor wieder abgaben. An schlechten News mangelte es nicht. Beispiel Stephen Roach von Morgan Stanley, der in seiner neueste Publikation folgende These vertrat: "Der 11. September 2001 war vielleicht für Amerika insgesamt ein Wendepunkt, aber nicht für die amerikanische Wirtschaft. Die wurde im wesentlichen von der Spekulationsblase der späten 90er Jahre, die im März 2000 platzte, beeinflusst. Diese Blase wurde so groß, und blieb so lange, dass sie das Verhalten von Konsumenten und Unternehmen nachhaltig beeinflusst hatte."
"Es gibt gute Gründe, dass auch die Spekulationsblase am Immobilienmarkt – und damit auch indirekt die Blase bei den Konsumausgaben – in naher Zukunft platzen werden. Wenn sie platzen, dann gibt es die realistische Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten, wie Japan in den 1990ern, eine ganze Serie von kleinen Rezessionen in den nächsten Jahren verkraften müssen. Wenige glauben, dass eine solide wirtschaftliche Erholung auf diesem wackligen Fundament erreicht werden kann."
Vergessen Sie nicht, man bekommt nicht immer alles, was man sich wünscht, oder, um mit den Rolling Stones zu sprechen: "You don't always geht what you need." Aber manchmal bekommt man das, was man verdient.
Wird es eine sogenannte double dip- Rezession geben, also einen zweiten Konjunkturtaucher nach dem ersten? "Die haben wir doch schon", so die Antwort von zwei führenden Top-Bankern. Diese beiden Gentlemen haben einen Freund von mir darüber informiert, dass sich die Kontostände ihrer Kunden derzeit sehr schnell verschlechtern. Die Nachfrage nach Krediten, die für Investitionen verwendet werden sollen, ist sehr niedrig. Beides sind eindeutige Zeichen für eine Rezession.
Und, wie ich schon wiederholt betont habe: Der Schuldenberg lastet schwer auf den Schultern der größten Volkswirtschaft der Welt. Laut dem "American Bankruptcy Institute" (ABI) war 2001 das schlimmste Jahr überhaupt – gemessen an der Zahl der Pleiten. 97 % der Zahl der Pleiten waren private Haushalte. Bitte beachten Sie – Megapleiten wie die von Enron zählen nur als ein einziger Fall.
"Die Verschuldung der privaten Haushalte ist relativ zum verfügbaren Einkommen auf einem Rekordniveau", so das ABI. Francois Velde von der US-Zentralbank hat beobachtet, dass sich das Bruttovermögen der amerikanischen Haushalte in den letzten 50 Jahren immer zwischen dem 4 und dem 5fachen des Bruttoinlandsproduktes bewegt hat. Im Kontrast dazu haben sich die Schulden aber verdoppelt, von 24 % auf 78 % des Bruttoinlandsproduktes.