Die Schlacht gewinnen und den Krieg verlieren
Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Juni 2009, 18:00 Uhr
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Die Wirtschaft baut immer noch Stellen ab, aber wenigstens nicht mehr so sehr wie noch zu Anfang des Jahres. Und das führt dazu, dass eine ganze Reihe von Wirtschaftwissenschaftlern in das Lied einstimmt: „Das Schlimmste liegt hinter uns."
Gleichzeitig gibt es ermutigende Nachrichten aus Japan. Die Wirtschaft Japans steigert die industrielle Produktion schneller als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der vergangenen 56 Jahre. Und der Ölpreis signalisiert eine weltweite Erholung, oder nicht?
„Davon gehe ich nicht aus", sagt der Herausgeber der MoneyWeek in Paris, „es gibt keinen Anstieg des Ölverbrauchs, vielmehr fällt der Konsum auch weiterhin. Was wir hier sehen, ist Spekulation. Die Zentralbanken erhöhen die Finanzmittel, die für die Spekulation zur Verfügung stehen, auch noch. Bislang hat dieses Geld die Verbraucherwirtschaft noch nicht erreicht... es steckt überwiegend im Markt der natürlichen Ressourcen und wettet auf eine Inflation."
Die Schlacht gewinnen und den Krieg verlieren
Wo Sie auch hinsehen, liebe Leser, herrscht der Kriegszustand. Nichts ist heute noch sicher. Der Krieg der Regierung gegen die Deflation führt zu einem Kollateralschaden für fast jeden und fast alles.
Aber eines müssen Sie den Regierungsvertretern zugestehen. Rohmaterialien... Gold... Öl... die Schwellenmärkte - Sie alle haben gewaltige Zuwächse erfahren. Die großen Aktienmärkte fahren große Gewinne ein.
Es war jedoch nicht der Plan der Zentralbank, die Blase bei den Vermögenswerten wieder aufzupumpen, sondern mehr Luft in die Wirtschaft zu pumpen. Dazu brauchen sie steigende Verbraucherpreise. Die Verbraucher müssen Geld leihen... und ausgeben. Sie tun dies, so sagen die Wirtschaftler, wenn die Preise steigen und der Dollar seinen Wert verliert. Bislang kooperieren Milch und Kartoffeln noch nicht. Der Milchpreis ist so tief gesunken, dass die Bauern ihre Herden geschlachtet haben. Was die Kartoffeln angeht... weiß ich es nicht.
In Europa ist die Inflation von der Bildfläche verschwunden. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Eurozone flach verlaufende oder fallende Preise verbuchte. Auch in Amerika verebbt die Verbraucherpreisinflation.
Mit anderen Worten, gewinnen die Regierungsvertreter die Schlacht, aber sie verlieren den Krieg.
Wie üblich gibt es viel Rauch und Nebel auf dem Schlachtfeld. Die Zuversicht der Verbraucher steigt... aber auch die Arbeitslosenzahlen. Die New York Times schreibt, dass die amerikanische Arbeitslosenquote schon bald die gewohnheitsmäßig hohen Werte in Europa übertreffen könnte. Die Chinesen kaufen immer noch die amerikanischen Schuldtitel - aber nur das Zeug mit kurzer Laufzeit. Amerikas größtes industrielles Unternehmen macht Konkurs... und die Regierung besetzt Schlüsselposition in Schlüsselindustrien... aber die Anleger kaufen mehr Aktien.
Wenn sie durch das Fernglas blicken, dann wird es Ihnen schwer fallen, herauszufinden, wer wirklich gewinnt. Bei der Verwirrung auf dem Schlachtfeld, gelingt es auch einem abgebrühten Veteran oft nicht, zu sagen, in welche Richtung der Kampf geht. Es kann sogar sein, dass man steigende Aktienkurse sieht und auf die falsche Idee kommt... so wie man nach er ersten Schlacht von Bull Run die Yankees zurück nach Washington fliehen sah, und vielleicht dachte, das sei dann alles gewesen. Der Krieg war vorbei und der Süden hatte gewonnen.