Die Schatten der Globalisierung

in Traders Daily
vom


von Michael Vaupel

*** Ich bin beeindruckt. Ich habe gestern das Buch "Die Schatten der Globalisierung" von Joseph Stiglitz zu lesen begonnen. Dieser Mann ist Wirtschafts-Nobelpreisträger, und er war Chef-Volkswirt der Weltbank. Also ein Mann, der weiß, wovon er spricht – wenn er sich zum Thema "Globalisierung" äußert.


In seinem Buch kritisiert er die Politik von Institutionen wie Weltbank (er war Chef-Volkswirt der Weltbank!) und IWF, die mit ihrer Politik zahlreiche Länder von Russland bis Südamerika in eine Wirtschaftskrise gestürzt haben.

Was mich am Buch von Stiglitz freut: Man merkt, dass hier ein Mensch schreibt, kein kalter Bürokrat des ungehemmten Kapitalismus, à la McKinsey. Wirtschaftswachstum ist für ihn nie Selbstzweck – sondern es soll die Lage der Menschen verbessern.

Er schreibt zum Beispiel: "Der Gedanke beflügelte mich, dass es möglich sein sollte, die Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen ( ...) zu verbessern. Die Volkswirtschaftslehre mag manch einem als eine trockene, esoterische Disziplin erscheinen, doch eine gute Wirtschaftspolitik kann die Lebensbedingungen dieser armen Menschen grundlegend verändern. Meines Erachtens sollen – und können – Regierungen eine Politik verfolgen, die das Wirtschaftswachstum in den Ländern fördert, die aber zugleich dafür sorgt, dass die Früchte dieses Wachstums gleichmäßiger verteilt werden."

Es freut mich wirklich, zu lesen, dass ich nicht der einzige Volkswirt bin, der so denkt! Mal sehen, wie sein Buch weitergeht ...

*** Sie wissen ja, dass ich grundsätzlich ein "Dollar-Bär" bin. Der Dollar wird meiner Ansicht nach gegenüber dem Euro und dem Gold weiter fallen (ich möchte hier nicht die zahlreichen Belastungsfaktoren für den Dollar wiederholen).

Zuletzt hatte ich aber ja beim von mir empfohlenen EUR/US$-Powercall (ISIN: DE0009609735) Gewinnmitnahmen empfohlen – da ich mittlerweile eine temporäre Dollar-Erholung (im Abwärtstrend) für nicht ausgeschlossen halte. Zu einheitlich schreit derzeit die Analystenzunft weltweit: "Der Dollar wird weiter fallen!" Und gerade, wenn alle einer Meinung sind, werde ich immer etwas skeptisch ... (denken Sie z.B. nur an den Neuen Markt Ende 1999, als auch praktisch "alle" der Ansicht waren, es könne nur weiter aufwärts gehen).

Der von mir hochgeschätzte Charttechniker Adam Lass ist ähnlicher Ansicht: Kurzfristig sieht er "ein bisschen Gerangel", was den Dollar etwas steigen lassen könnte. Im Verlauf der dann folgenden Wochen dürfte es für die US-Währung aber wieder abwärts gehen (siehe dazu seine Analyse im Beitrag von Christoph Amberger).

Deshalb mein Fazit:

Derzeit abwarten und Getränke nach Wahl trinken. Eine temporäre Dollar-Erholung würde ich zum Anlass nehmen, um beim Dollar neue Short-Positionierungen einzugehen!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.


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