Die sagenhafte Geschichte des Alan Greenspan, Teil 2
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Paris in Investors Daily
vom 28. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Weiter geht's mit Fed & Greenspan: Zu Zeiten der Fed-Gründung waren die USA Teil einer internationalen Geldwirtschaft, die 1880 institutionalisiert worden war: Die reine Form des internationalen Gold- Standards, bei der nationale Währungen frei gegen Gold eingetauscht werden konnten. In ihren Statuten machte es sich die neue Fed nun aber ausdrücklich zur Aufgabe, in Zukunft für eine gewisse "Währungselastizität" zu sorgen. Der vollständige Text lautete wie folgt: "Zur Aufgabe der Federal Reserve Banken zählt es, für Beweglichkeit der Währung zu sorgen, Mittel zur Refinanzierung von Commercial Papers zur Verfügung zu stellen, die Aufsicht über die US-Banken zu verbessern, sowie weitere Aufgaben." Diese "weiteren Aufgaben" waren wahrscheinlich die, welche die Gesetzgeber am meisten interessierten. Ein bisschen Lockerheit bei der Geldpolitik vor den Wahlen – das könnte sicherlich nicht schaden.
Die reine Form des Goldstandards schied parallel zu Architektur und Funktionsweise im Ersten Weltkrieg dahin. Unter den Belastungen der Kriegs-Finanzierung brach nicht nur Großbritannien, sondern damit auch der Goldstandard zusammen. In ihrem Buch "Die Geschichte der Geldpolitik in den USA" schreiben Milton Friedman und Anna Schwartz: "Die Fed agierte erst, als die bis dahin gültigen Bedingungen aufgehört hatten, zu bestehen. Der Erste Weltkrieg hatte bereits begonnen, bevor das Federal Reserve System seine Arbeit aufnahm. Schon bald warfen die Kriegsteilnehmer den Goldstandard über Bord, und eine regelrechte Goldflut ergoss sich in Richtung USA. Die Alliierten bezahlten damit ihre Einkäufe in den USA."
Friedman und Schwartz beschreiben dann das geldpolitische System, das auch Alan Greenspan noch vorfand, als er 72 Jahre später seinen Job bei der Fed begann. "Die quasi automatische Disziplin des Gold-Standards wurde durch ein Regelwerk ersetzt, das von den Ermessensentscheiden einer kleinen Gruppe abhängig war."
Die Gründung der Fed markiert einen wesentlichen Bruch mit dem vorausgegangenen Jahrhundert in dem Gold regelrecht omnipräsent gewesen war. Die Männer des 19. Jahrhunderts hatten ihr Lehren und Handeln an den Erfahrungen des 18. Jahrhunderts ausgerichtet. An John Law's Missisippi-Schema und an diversen Spekulationsblasen: Der Südsee-Blase, dem Zusammenbruch der Ost-Indien-Gesellschaft, diversen Immobilien-Spekulationswellen in Großbritannien und den Turbulenzen der Französischen Revolution. Sie misstrauten Papiergeld aufs Tiefste, und bestanden deshalb auf der vollen Gold-Deckung der Währung. Mit diesen Maximen wurde das 19. Jahrhundert zu einem Hort finanzieller Stabilität. Gold war nach dem Ersten Weltkrieg übrigens nicht völlig von der Bildfläche verschwunden. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurden Wechselkursmechanismen etabliert, bei denen die Währungen immer noch an den Goldpreis gebunden waren. Diese Bindungen waren jedoch locker und wurden von Zeit zu Zeit völlig abgestreift. Die Regelungen der Zwischenkriegszeit behielten ihre Gültigkeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie wurden in der Folge vom sogenannten "Bretton-Woods-System" abgelöst. Unter diesem System war es den Zentralbanken weiterhin gestattet, Währungen gegen Gold zu tauschen. Einzelpersonen konnten sich Gold am "Goldfenster" ihrer jeweiligen Zentralbank gegen heimische Währung besorgen.
Das System von "Bretton Woods" brach am 15. August 1971 zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Richard Nixon bemerkt, dass die Schlangen vor den Goldschaltern in den USA immer länger wurden. Erst Ausländer und daraufhin auch die US-Amerikaner hatten das Vertrauen in den US$ verloren und kauften stattdessen Gold. Nach und nach wurde Amerika so seiner Gold-Reserven entledigt. Der einfachste Weg, dieses Problem zu lösen, schien damals, das Gold-Fenster in den Banken ganz einfach zu schließen, und damit die Ära Bretton-Woods gleichzeitig auf einen Schlag zu beenden. So geschah es dann auch – aber nicht so einfach, wie man sich das gedacht hatte. Ich werde die "sagenhafte Geschichte des Alan Greenspan" demnächst hier fortsetzen ... und ich kann Ihnen sagen, dass es spannender wird, wenn ich mich mit der Persönlichkeit Greenspans auseinandersetzen werde!
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