Die Sache mit der Verwässerung
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 31. März 2005 16:00 Uhr
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Vielen Managern bei den deutschen Aktiengesellschaften bläst der Wind zur Zeit stark ins Gesicht. Erst nennt sie Kanzler Gerhard Schröder "Vaterlandslose Gesellen", weil sie trotz hoher Gewinne verstärkt im Ausland produzieren und massiv Stellen streichen, dann fordern immer mehr Politiker die Offenlegung ihrer Gehälter. Und jetzt auch das noch: Aktienoptionen als Managerlohn soll verboten werden. Auf jeden Fall will das Ludwig Stiegler, Fraktions-Vize der SPD im Bundestag.
Während Stiegler die Auswirkungen von solchen Beteiligungsmodellen auf die Gesamtwirtschaft im Auge hat, sollten Sie vor allem als Anleger denken. Denn Optionsprogramme kosten Geld. Nämlich Ihr Geld als Aktionär.
Sie fragen sich jetzt sicher: Wie das? Hier müssen Sie zwei Zahlen beachten. Nämlich die ausstehende, "unverwässerte", Zahl der Aktien eines Unternehmens und die "verwässerte" Zahl der Aktien. Das ist ganz entscheidend. Denn der Gewinn oder das Vermögen des Unternehmens wird durch die Zahl der Aktien geteilt. Um so höher die Zahl, um so niedriger ist logischerweise der Gewinn bzw. das Vermögen je Aktie.
Beispielsweise zeigt Ihnen der unverwässerte Gewinn je Aktie, wie hoch das Ergebnis des Unternehmens bezogen auf jede durchschnittlich im Umlauf befindliche Aktie ist. Der verwässerte Gewinn berücksichtigt dagegen nicht nur die im Umlauf befindlichen Aktien, sondern alle potenziellen Aktien, die zum Beispiel bei Ausübung sämtlicher Optionsprogramme zu einer Verwässerung, also Reduktion, des Gewinns je Aktie führen können.
Bei der Deutschen Bank zum Beispiel lag der Bestand an auszugebenden Stammaktien aus solchen Mitarbeiteroptionsprogrammen Ende 2004 bei fast drei Milliarden Euro. Deutlich wird das mit der Zahl der ausstehenden Aktien: Unverwässert sind es 493 Millionen, verwässert 532 Millionen Stück. Das sind 41 Millionen Stück oder rund sechs Prozent der zur Zeit ausstehenden Aktien. Das kostet Ihr Geld als Aktionär: 2004 lag das unverwässerte Ergebnis je Aktie der Bank bei 5,02 Euro, verwässert aber nur noch bei 4,53 Euro.
Um die Vergütungspläne für ihre Mitarbeiter zu bedienen mussten die Frankfurter im Geschäftsjahr 2004 mehr als 20 Millionen eigene Aktien an der Börse zurückkaufen. Bei einem geschätzten Aktienkurs von etwa 60 Euro musste das Unternehmen so etwa 1,2 Milliarden Euro dafür ausgeben. Das schmälert Ihr Vermögen als Aktionär der Bank.
Oft ist die Hürde für die Ausübung der Optionen nicht sonderlich hoch. Bei Constantin Film etwa gibt es ein Optionsprogramm aus dem Jahr 2003 für insgesamt 0,6 Millionen Aktien, etwa fünf Prozent der gesamten Aktienzahl. Die Optionen können schon ausgeübt werden, wenn die Aktie zwischen 2003 und 2008 um 15 Prozent steigt. Das sind knapp drei Prozent Kursplus pro Jahr. Das ist wirklich keine große Kunst.
Sie als Anleger sollten deshalb folgendes tun:
1) Schauen Sie regelmäßig bei Ihren Aktienfavoriten in den Geschäftsbericht. Im Anhang sehen Sie, ob und in welchem Umfang sich der Vorstand neben seinem Gehalt Optionsprogramme genehmigt.
2) Machen Sie am besten einen Bogen um Firmen mit großzügigen Optionsprogrammen bei denen der Verwässerungseffekt schon hoch ist, oder bald steigen könnte. Am besten: Unverwässertes = verwässertes Ergebnis.