Die Rückkehr der Anleihen – nicht unbedingt ein Grund zum Feiern!
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 16. Februar 2006 16:00 Uhr
ENL5454
Zur Jahrtausendwende traf ich Newt Gingrich, den Sprecher des Weißen Hauses, auf einer privaten Feier bei einem Freund in Florida. Damals gab es einen Haushaltsüberschuss und die Republikaner ließen sich für diesen fiskalischen Sieg ordentlich feiern.
Von wegen Haushaltsüberschüssen
Newt sah eine rosige Zukunft für die US-Finanzen voraus. Er war sogar der Meinung, dass die gesamte Staatsverschuldung in 10 Jahren getilgt werden könne. "Was sollen wir dann mit den Überschüssen machen?", fragte er. Er war Feuer und Flamme bei seinen Visionen von Schuldentilgung, Steuersenkungen und neuen Ausgabenprogrammen.
Ich blieb aber ruhig. Denn Haushaltsüberschüsse hielten in Washington nie lange an. Entweder findet die Regierung neue Wege um das Geld auszugeben oder aber eine Rezession macht dem ganzen einen Strich durch die Rechnung.
Newt behielt dann tatsächlich für etwa ein Jahr lang Recht. Das Finanzministerium wurde dermaßen mit Geld überschwemmt, dass es sogar aufhörte, langlaufende Anleihen auf den Markt zu bringen. Sehen wir uns einmal an, was seither passiert ist ...
Zurück im roten Bereich ... für das Gute!
Nach dem Haushaltsüberschuss kamen die Rezession unter Bush und die Terroranschläge 2001 und machten mit dem Plus von einem Tag auf den anderen ein Ende. Vergangene Woche verkündete die Regierung Bush ein Rekorddefizit für 2006 in Höhe von 423 Milliarden $. Und das in einer Zeit mit Vollbeschäftigung!
Entwicklung des Haushaltsdefizits in den USA
Inzwischen sind wir also wieder im roten Bereich. Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass das Finanzministerium etwas tat, was es seit 5 Jahren nicht mehr gegeben hatte: Es emittierte langlaufende Anleihen mit einem Volumen von 14 Milliarden $. Diese Anleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren wurde vom Markt sehr schnell zu einem Zins von 4,53 % pro Jahr aufgenommen.
Langlaufende Anleihen bieten keinen Schutz vor Inflation
Ich habe kein Problem mit langfristigen Unternehmensschulden. Von Disney kommen beispielsweise Anleihen mit einer Laufzeit von 50 Jahren. Die wurden am Markt ruck zuck untergebracht. Ende des 19. Jahrhunderts verkauften Eisenbahngesellschaften sogar Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren. Weil sie durch Gold gedeckt waren gab es pro Jahr nur 2 % Zins dafür. Diese Bonds waren deshalb eine frühe Version der indizierten, also inflationsangepassten, Anleihen.
Anleger, die jetzt die Anleihen mit einer Verzinsung von 4,5 % gekauft haben, werden wahrscheinlich enttäuscht. Es ist ein schlechtes Geschäft in einer Zeit mit steigenden Zinsen. Wie ich immer wieder gewarnt habe, wird nämlich Inflation mehr und mehr zum Problem. Und diese Anleger haben keinen Schutz davor wie noch bei den Eisenbahnanleihen vor 100 Jahren.