Die Rückenschmerzen von George Soros
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 28. Februar 2005 18:00 Uhr
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Da bin ich wieder. Es ist 4:30 Uhr früh im Paradies (bin gerade in Nicaragua) ... und ich habe nichts Besseres im Kopf als George Soros' schmerzenden Rücken.
Ich las in Malcolm Gladwells neuem Buch "Blink", dass George Soros sich weder auf die Diagramme, noch auf die Graphiken, noch auf die grundlegenden Analysen verlässt, wenn es um sein Timing an der Börse geht. Stattdessen sei ein Schmerz im Rücken sein Signal zu verkaufen.
"Mein Vater setzt sich hin und stellt Theorien auf, um dir zu erklären, warum er dies oder das tut", wird der Sohn von Soros in Gladwells Buch zitiert, "aber ich erinnere mich, ihn dabei beobachtet zu haben und gedacht zu haben, dass mindestens die Hälfte davon Mist ist. Bitte, Sie kennen die Gründe, warum er seine Position an der Börse verändert, oder was auch immer, er tut es, weil sein Rücken anfängt, ihn umzubringen. Er hat buchstäblich Krampfanfälle und das ist sein Frühwarnsystem."
Irgendwie scheint Soros seinen Instinkt direkt in körperlichen Schmerz verwandelt zu haben. Hier beim Investor's Daily behaupten wir nicht, ein solches Frühwarnsystem zu haben. Dennoch haben kürzlich die Nachrichten so ein Gefühl ausgelöst, als müsste da was los sein.
Und hier halte ich inne, um den Leser daran zu erinnern, dass "er von den Leistungen der Vergangenheit bitte nicht auf die Leistungen der Gegenwart schließt". Gott sei Dank! Denn ich glaube, dass sich ein Wechsel ankündigt. Ich sah das schon in der Vergangenheit öfters voraus, und nichts ist passiert. Aber, vielleicht, diesmal.
Letzten Montag wurde der Dollar verstoßen. Die Händler sagten, ihnen gefiel dieses oder jenes nicht. Oft haben die Händler keine Ahnung, warum sie das eine oder andere tun, wie Gladwell in "Blink" deutlich macht. Sie tun Dinge aus dem Instinkt heraus – was vielleicht dasselbe ist wie eine Erfahrung, die sich ungemerkt herausfiltert. Er sagt, dass mehr Information den Händlern nichts nutzt. Im Gegenteil, Information kann dazu führen, dass sie schlechtere Entscheidungen fällen. (In der gleichen Weise behauptet Nicholas Taleb in "Fooled by Randomness", dass die älteren Händler in der Regel besser sind als die jüngeren, denn sie konnten bereits unter Beweis stellen, dass ihre Instinkte gut sind.)
Und heute erreicht mich die Nachricht, dass die Zentralbank von Südkorea beschlossen hat, dass sie – mit dem besten Dank dafür – ausreichend Dollar hat und nicht besonders scharf auf weitere ist. An den europäischen Börsen fiel der Dollar am Mittwochmorgen. Und George Soros merkt an, dass er auch noch weiter fallen wird.
Während der Dollarkurs sinkt, steigen natürlich die Preise für all das auf dem weltweiten Markt, was mit dem Dollar gekauft wird. Kupfer hat den Höchstwert in 14 Jahren erreicht. Gold ist gestern um sieben Dollar angestiegen – auf 436 Dollar, weit über mein Kaufziel der letzten Zeit. Öl ist auf 51 Dollar hochgeschossen.
Und obwohl ich nicht wirklich eine Ahnung habe, wann dieses Ereignis eintreten wird, bin ich voll von Ahnungen darüber, warum es eintreten wird. Ich habe Sie in diesen Briefen so oft kundgetan, dass die Leser weiterer Ausführungen bestimmt schon überdrüssig sind. Und da ich heute im Urlaub bin, werde ich Ihnen die Ausführungen ersparen. Stattdessen gebe ich Ihnen eine Zahl: 305 %. Laut der Diagramme von Barron's drückt diese Zahl das Verhältnis zwischen der Gesamtsumme der amerikanischen Schulden (öffentliche wie private) und dem Bruttoinlandsprodukt aus. Nun gut, ich will Ihnen weitere Zahlen geben: Das bedeutet nicht nur 3 Dollar Schulden auf jeden Dollar, der ausgegeben wird, es ist auch so, dass diese Zahl fast doppelt so hoch ist wie1929 – damals waren die Schulden auf 176 % des Bruttoinlandsprodukts anstiegen.
Und, nun gut ... hier ist eine weitere Vermutung: Es könnte sein, dass der Ausverkauf des Dollars eine zweite Phase erreicht hat. In der ersten Phase fiel der Wert des Dollars von 88 Cent pro Euro auf 1,35 Dollar pro Euro. Jeder, der in dieser Zeit am Dollar und nicht am Euro festhielt, hat eine Menge Geld verloren – das betrifft insbesondere die Zentralbanken. Nun hatte man aber auch erwartet, dass die allgemeine Stimmung für den Dollar nicht mehr lange bearish bleiben würde. Es sieht jedoch so aus, als würde der Markt nun doch auch weiterhin bearish bleiben. Ich glaube, dass der Dollarkurs in der nächsten Phase bis auf 1,50 Dollar pro Euro fallen wird. Aber das macht uns nicht nervös.
Irgendwann, daran habe ich keinen Zweifel, wird der Dollar bis auf null fallen.
Ich gebe zu, dass ich hinsichtlich der genauen Bestimmung des Zeitpunkts einige Schwächen gezeigt habe. Im Moment verlasse ich mich daher auf George Soros' Rückenschmerzen.