Die Rote Gefahr
Andreas Wolf in Investors Daily Update
vom 24. August 2009, 10:30 Uhr
Ist es eine Erholung in Form des Buchstaben "V"?
Oder ist es eine Erholung in Form des Buchstaben „W"?
Ach, vergessen Sie's... es gibt im ganzen Alphabet keinen Buchstaben, der die Erholung, die wir erleben, beschreiben könnte.
Ich sage das im Geiste der Bösartigkeit genauso wie der Aufklärung. Die Welt kann natürlich nicht für immer in der Krise bleiben. Und auch eine Krise muss gar nicht so schlimm sein, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Die Weltwirtschaft wird vermutlich ein wenig auf dem Boden herumkrebsen mit niedrigen, oder negativen Wachstumsraten in den meisten Gegenden... bis sie ein neues Modell gefunden haben wird. Das alte Modell ist tot. Die Behörden können so viel Puder und Rouge auflegen wie sie wollen. Sie können der Leiche Elektroschocks verpassen damit sie aufrecht sitzen bleibt. Aber sie können sie nicht wiederbeleben. Es ist das Ende. Aus. Kaputt..
An dem alten Modell waren viele Spieler in verschiedenen Rollen beteiligt. Aber Hauptdarsteller waren die Vereinigten Staaten... und China. Ohne besonders darauf herumreiten zu wollen, war China der Macher, und die Vereinigten Staaten die Abnehmer. Es war eine Beziehung, bei der beide Parteien gut wegkamen... aber auch eine, die dummes und letzten Endes zerstörerisches Verhalten möglich machte - insbesondere auf Seiten der Vereinigten Staaten.
Die Rote Gefahr
Als ich aufwuchs, war China noch die „Rote Gefahr". Das Land war voll von wahnsinnigen Menschen, die wahnsinnige Dinge taten. Sie haben die Menschen gedemütigt, indem sie sie lächerliche Hüte tragen ließen und so durch die Stadt marschieren ließen. Die Chinesen kochten Stahl in den Hinterhöfen. Sie haben versteckte Paläste für Mao (den großen Steuermann) gebaut... sie haben seltsame Kostüme getragen....und weibliche Babies auf den Müllhaufen geworfen. (Ich habe davon nichts erfunden!)
Aber dann kam eine Phase der Vernunft. Deng Xiaoping hat entschieden, das gesamte Land in die Richtung des Kapitalismus zu führen. Zuerst dachte man, dass er für den Westen ein großer Segen sein würde. Wir hatten gewonnen! Und plötzlich gab es Millionen Verbraucher mehr in der Weltwirtschaft. Die Unternehmensführer gingen mit süßen Träumen zu Bett: „Wenn wir nur einen einzigen Kühlschrank an jeden tausendsten Chinesen verkaufen könnten..."
Der Traum wurde zu einem Alptraum
von Bill Bonner
Anstatt die in Amerika produzierten Kühlschränke an die Chinesen zu verkaufen, haben die Chinesen die in China produzierten Kühlschränke an die Amerikaner verkauft... und die Tische... und jedes Gerät, Ding und Was-weiß-ich-was. Anstatt zum Konsumenten zu werden... wurde China zum Produzenten - und schlug den „Exportweg" in den Wohlstand ein, der von Japan in den Sechzigern und Siebzigern eingeschlagen wurde, und von Korea und Taiwan perfektioniert wurde. Anstatt die weltweite Nachfrage nach Gütern zu erhöhen, die von den entwickelten Ländern hergestellt wurden, wurde China zum größten Anbieter auf dem Planeten.
China hat produziert... China hat verkauft... China hat das Geld genommen, amerikanische Schatzbriefe gekauft, und so dazu beigetragen, dass die Zinssätze in den vereinigten Staaten unten blieben... und dann hat China noch mehr produziert. Es hat wunderbar funktioniert, solange die Amerikaner noch willens und fähig waren, ihre Ausgaben aufrecht zu halten. Ein Fass ist nicht unendlich groß. Und der Tropfen, der es zum Überlaufen brachte, kam im Jahr 2007 - mit einer Gesamtverschuldung die 370% des Bruttoinlandsprodukts entsprach.
Und jetzt ist das Spiel aus. Die alte Formel funktioniert nicht mehr - weder für die Amerikaner noch für die Chinesen. Trotz des Drängens ihrer Regierungen, kann man von den Amerikanern nicht mehr erwarten, dass sie noch mehr Schulden aufnehmen, um noch mehr Zeug von den Chinesen zu kaufen. Genauso kann man vernünftigerweise nicht von den Chinesen erwarten, dass sie sich selbst aus einem Problem der Überkapazität herausarbeiten, indem sie mehr von dem Zeug produzieren.
Aber die Behörden in beiden Ländern scheinen gleichermaßen umnachtet. Sie scheinen nicht sehr gründlich nachzudenken, ganz egal, in welcher Sprache sie das tun. Auf der einen Seite des Pazifiks denken die Amerikaner, dass sie eine Erholung erziehen können, indem sie die Verbraucher dazu anstiften, mehr Zeug zu kaufen und zu konsumieren. Auf der anderen Seite bieten die Behörden den Unternehmern und Industriellen Kredite an - und ermutigen sie dazu, mehr Fabriken zu bauen und mehr Kapazität zu ermöglichen, damit sie noch mehr herstellen können. Und keinem scheint aufzugehen, was das wahre Problem ist. DIE WELT HAT SCHON GENUG ZEUG!
In den Vereinigten Staaten hinkt der Privatsektor hinterher, er hat genug von den Schulden. Aber schon kommen die Regierungsvertreter wie Fred Astaire oder Arthur Murray daher... bereit Kredite zu geben und Geld zu verprassen bis der Champagner ausgeht. Wenn es um die Selbstzerstörung geht, dann sind die Regierungsvertreter keine Versager.
Sie leihen und verprassen Billionen - acht Billionen sollen in den nächsten acht Jahren zu den amerikanischen Schulden hinzukommen. Bislang hat das Geld nicht dazu beigetragen, das zugrundliegende Problem zu beseitigen: die Verbraucher haben zu hohe Schulden und zu wenig Einkommen. Die Regierung kann ihnen eine Steuerrückzahlung zukommen lassen... oder ihnen einen Scheck ausstellen, damit sie sich ein neues Auto kaufen können. Diese Geschenke werden zu einem vorübergehenden Aufschwung führen. Aber wenn die Geschenke nicht mehr da sind, dann ist nichts mehr übrig. Kauft derjenige, der im Jahr 2009 mit dem Geld vom Staat ein Auto gekauft hat, auch 2010 eines? Oder wird der, der mit der Steuerrückzahlung 2008 seine Hypotheken wieder in Schuss gebracht hat, im Jahr 2009 ein neues Haus kaufen?
Die Probleme sind real
... im Herzen der Realwirtschaft. Es sind keine Probleme, die gelöst werden können, indem man an der Geldmenge, bei den Zinssätzen oder der Steuerpolitik herumwurschtelt. Es sind Probleme, die von der Realwirtschaft gelöst werden müssen... in der Realwirtschaft, von Konsumenten, die ihre Schulden abbezahlen müssen und von Geschäftsleuten, die sich an die Realitäten der realen Welt anpassen müssen - ihre Kapazitäten anpassen, um Dinge für Menschen herzustellen, die sich diese auch wirklich leisten können. Es ist ein langwieriger Prozess... mit vielen Konkursen und Enttäuschungen entlang des Weges...
Dieser Prozess hat auch eben erst begonnen. Er wird sich noch verschlimmern, wenn sowohl die Konsumenten als auch die Geschäftsleute feststellen, dass es keine schnelle Erholung geben wird... und keine Rückkehr zu den alten Modellen - jemals. Bereiten Sies ich auf weitere Entlassungen... weitere Zwangsvollstreckungen... weitere Einschränkungen vor...
Bereiten Sie sich auf eine größere Krise vor, liebe Leser...
Und lernen Sie sie schätzen, denn sie wird lange unter uns bleiben.