Die Rezession ist vorbei, die Krise geht weiter
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Januar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Wenn Sie die Zeitungen gelesen haben, dann gehen Sie vermutlich davon aus, dass die Krise vorbei ist... wir befinden uns vollständig im Erholungsmodus... die Absätze steigen, die Produktion steigt, und die Preise steigen. In diesem Jahr werden die Aktien gut abschneiden... und die amerikanische Wirtschaft wird stärker zurückkehren als erwartet.
Ist das wahr?
Nun, es ist irgendwie wahr. Die Rezession ist vorbei... aber die Krise geht weiter. Wie ich immer sage, wenn man einen königlichen Schlamassel anrichten will, dann braucht man die Unterstützung der Steuerzahler. Und mit der unwissentlichen und ungewollten Unterstützung durch Millionen von amerikanischen Steuerzahlern, sind die Bundesbehörden momentan eifrig darum bemüht, die Situation noch schlechter zu machen.
Sie glauben mir nicht? Keine Sorge. Weil jeder so sicher ist, dass in der Wirtschaft alles in Ordnung ist, bleibt es an mir hängen, zu beweisen, dass es nicht so ist.
Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass die Beweislage uneinheitlich ist. Hier ist David Rosenberg, der über die neue Normalität spricht:
Das, was bislang undenkbar war, wird zur neuen Normalität. Seit März 1983, (als die von Reagan geführte wirtschaftliche Expansion sich etablierte) bis September 2008 (als Lehman eingebrochen ist) gab es nicht einen Monat, in dem die Absätze bei Autos in den Vereinigten Staaten bei nur 11 Millionen Stück aufs Jahr lagen. Das sind 25 Jahre.
Im gestrigen Wall Street Journal gibt es einen gewaltigen Beitrag, mit dem Titel Der jüngste Anstieg der Automobilabsätze weckt Hoffnungen für 2010". Dieser steile Anstieg scheint den Autoabsatz im Dezember auf 11 Millionen Stück steigen zu lassen, gegenüber 10,9 Millionen im Dezember. Da stehen wir also heute, und es sind offenkundig gute Nachrichten, dass wir am Ende eines Jahres trotz der dramatischen Anreize so gut wie kein Wachstum zu haben. GM hat den Händlern für einige Modelle 7.000 Dollar gegeben und wir hatten 11 Millionen verkaufte Wagen - wobei die alte Normalität" bei 16 Millionen lag (ganz zu schweigen davon, dass 12 Millionen Wagen ersetzt werden müssen - Wagen, die immer noch von den Straßen und aus den Einfahrten Amerikas weggenommen werden.)"
Private Konkurse steigen immer noch schnell" heißt es vom Wall Street Journal. So läuft das mit den Krisen. Die Leute brauchen Zeit, bis ihnen das Geld und die Möglichkeiten ausgehen. Und dann geben sie auf... geben sich geschlagen... und machen mit ihrem Leben weiter.
Das gilt auch für den Immobilienmarkt. Die Leute harren aus. Sie hoffen darauf, dass die Preise wieder steigen werden. Und irgendwann geben sie dann auf. Und das ist dann der Zeitpunkt, an dem die Priese wirklich einbrechen. Es ist noch nicht so weit. Die Krise steckt immer noch in den Kinderschuhen. David Rosenberg berichtet darüber:
Man sollte meinen, dass unter all den Branchen, die durch die Großzügigkeit der Regierung profitieren, die Immobilien an erster Stelle stehen sollten - aber mit 355.000 im November, sind die verkauften Neubauten im Monatsvergleich um 11% zurückgegangen und damit auf dem fünftniedrigsten Niveau seit drei Jahrzehnten. Die Bauunternehmer brauchen heute 14 Monate, um nach Fertigstellung einen Käufer zu finden. Die Verkaufszahlen für fertige Neubauten sind gegenüber den bereits schwachen Werten des Vorjahres um weitere 38% eingebrochen."
Sie leben von nichts anderem als Lebensmittelmarken" heißt es in einer Schlagzeile der New York Times. Eine Rekordzahl von 39 Millionen Menschen lebt von Lebensmittelmarken. Für einige von ihnen ist es alles was sie haben. Sie haben ihre Arbeitslosenhilfe schon aufgebraucht. Sie haben ihre Ersparnisse aufgebraucht. Und sie haben ihre Verwandten und Freunde angeschnorrt. Jetzt sind sie von der Freundlichkeit der Fremden abhängig, die für die Bundesregierung arbeiten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von GHHB (18.01. 2010 12:55 Uhr):
Es ist so, daß ich Ihre Artikel mag. Sie sind durchdacht und haben Esprit. Daß due Amerikaner so ein freundliches Völkchen sind, ja, das ist schon sehr erstaunlich und hat mich auch verblüfft. Nur - wenn ioch das mal sagen darf - Ihre Frau E. schint ja voll das Kontrastprogramm des wohlhabemdn Ausländers zu fahren (mit Ihrer Unterstützung), ohne dort schon anngekommen zu sein, wo Sie gerade angekommen ist. Wann werden Sie ihr mal die schattige & dunkle Seite der Staaten zeigen, nachdem sie sich immer nur auf der sunny side bewegt (Starbucks etc.); oder überlassen Sie das gelassen der Entwicklung, die realistisch beschreiben? Dann könnte sie aber sehr unsanft aus ihren Träumen erwachen... Berichten Sie nur weiter über die charmanten Seiten Ihres Lebens dort. Es liest sich nett.
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