Die Rentenmärkte sind ernsthaft in Gefahr
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 28. April 2010, 16:00 Uhr
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das Ausmaß an Kurzsichtigkeit zeitgenössischer Politiker ist mehr als beängstigend, sowohl in den USA als auch in Europa. Die geld- und fiskalpolitische Antwort auf die Folgen der geplatzten Spekulationsblase und die Rettung der Großbanken, die sich in geradezu lachhaftem Ausmaß verspekuliert hatten, hat zwar kurzfristig die politisch gewünschten Ergebnisse geliefert. Längerfristig wurde damit aber der Weg in eine sehr viel größere Katastrophe geebnet. Die Risiken des Bankensektors wurden einfach auf den Staat, den Steuerzahler, verlagert. Statt einer Bankenkrise müssen wir uns jetzt um Staatskrisen Sorgen machen.
Die Vorgänge rund um Griechenland haben Ihnen bereits einen Eindruck vermittelt, was durch marode Finanzen hervorgerufene Staatskrisen bedeuten. Die Preise von Staatsanleihen fallen, die Zinsen steigen und das Volk geht auf die Barrikaden. Bisher sind lediglich kleinere Staaten betroffen oder zumindest in den Fokus geraten. Aber das wird nicht so bleiben. Der qualitative Unterschied zwischen Griechenland, Portugal, Irland, Italien, Großbritannien, Japan, USA und Deutschland ist leider kein allzu großer. Aber der quantitative. Während Griechenland auf Kosten der Steuerzahler der Nachbarländer noch einmal aufgefangen werden kann, gibt es für die großen Länder natürlich keinen Weißen Ritter.
Von der Peripherie zum Kern
Erinnern Sie sich an den Ablauf der Hypothekenkreditkrise: Sie begann im Bereich der „Subprime“-Hypotheken, also an der Peripherie des Hypothekenmarktes. Die meisten Experten, darunter natürlich der US-Notenbankpräsident Ben Bernanke, versicherten ihren Zuhörern, dass es sich um ein überschaubares Problemchen handele und keine Gefahr bestehe, dass sich die Krise ausdehne. Eine größere Fehleinschätzung konnte man in den vergangenen Jahren kaum abgeben. Die Krise breitete sich wie ein Lauffeuer aus und erfasste schließlich die ganze Welt.
Werden dieselben Gesundbeter, die ja immer noch in Amt und Würden sind, die Bedeutung maroder Staaten besser einschätzen als die Bedeutung maroder Banken? Müssen wir nicht befürchten, dass sich ein ähnliches Muster im Bereich der Nationalstaaten wiederholt? Dass Griechenland sich als der Beginn einer Lawine erweisen wird, die die Wohlstandsillusionen der halben Welt unter sich begraben wird?
Die Warnsignale werden lauter
Die prekäre Lage Großbritanniens ist kaum noch unter der Decke zu halten. Konsequenterweise hat das Pfund bereits drastisch an Wert eingebüßt. Damit sind die Bürger Großbritanniens im Vergleich zum Rest der Welt natürlich ärmer geworden.
Die desaströse Staatsverschuldung Japans ist zwar weithin bekannt. Da sich die Schuldscheine fast ausschließlich in japanischen Händen befinden, die sehr eng mit der Politik verquickt sind, kam es hier aber noch nicht zu den zu erwartenden Reaktionen. Auf Dauer können aber auch japanische Politiker die ökonomischen Gesetze nicht außer Kraft setzen.
In den USA beobachten wir bereits erste Warnsignale. Der beiden jüngsten Emissionen 10- bzw. 30-jähriger Staatsanleihen verliefen ungewöhnlich schleppend. Außerdem hat sich China, der wichtigste Kreditgeber der US-Regierung, in den vergangenen Monaten sehr zurückhaltend gezeigt. Der chinesische Bestand an US-Staatsanleihen ist erstmals rückläufig.
Ausländische US-Gläubiger sorgen sich
Stillstand ist das beste Wort, um den Zustand der Politik in Washington zu beschreiben. Fast scheint es, als hätten die politisch Mächtigen bereits kapituliert angesichts des Ausmaßes der Probleme. Über alle Parteigrenzen hinweg scheint es nur eine Grundüberzeugung zu geben: Schulden, Schulden, Schulden. Die offiziellen Planungen sehen vor, den Schuldenberg der Regierung bis 2020 auf 18,6 Billionen Dollar zu verdoppeln. Diese gigantische Zahl kann natürlich nur dann erreicht werden, wenn die optimistischen Wachstumsprognosen der Regierung eintreten und keine weitere Bankenpleitewelle neue Haushaltslöcher reißt.
Problemlösungen sind nirgendwo in Sicht. Weiter so, lautet die Parole, der Rest ist Pfeifen im Wald.
Die Lage ist in allen westlichen Ländern prekär
Diese Lagebeschreibung Amerikas gilt leider auch für Japan und Europa. In keinem Land sind Staatsmänner oder -frauen in Sicht, die in der Lage oder Willens sind, die Probleme anzupacken und einen politischen Umschwung herbeizuführen.
Die Ergebnisse dieser verantwortungslosen und von Ratlosigkeit zeugenden Weiter-so-Politik sind absehbar und verheerend. Am Ende dieses Weges steht der Staatsbankrott, entweder verschleiert durch Inflation oder ganz direkt durch das Brechen von Zahlungsversprechungen. In beiden Szenarien wird es früher oder später zu höheren Zinsen kommen – es sei denn, die Anleger lassen sich ohne jeglichen Fluchtversuch zur Schlachtbank führen. In beiden Szenarien wird es zu massiven Vermögensverlusten und deutlich sinkendem Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten kommen.
(Teil 2 folgt am Freitag hier bei Investoren Wissen)
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
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