Die Renaissance der Mittelmäßigkeit
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Dezember 2002 18:00 Uhr
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Anstatt zu fallen – wie letzte Woche berichtet – scheint die Arbeitslosigkeit zu steigen (Eric Fry hat mehr Details, siehe nächsten Beitrag ...).
Unter den Leuten, die ihren Job verloren haben, war auch der US-Finanzminister, Paul O'Neill, und der Wirtschaftsberater Lawrence Lindsay. Ich persönlich vermisse beide ... O'Neill, weil es so witzig war, ihm zuzuhören, und Lindsay, weil ... hm, ... es machte einfach Spaß, ihn anzusehen.
Als O'Neill den Job übernahm, sagte er, dass er für diese Aufgabe das gleiche Verlangen nach exzellenter Arbeit mitbrachte, das seine ganze Karriere gekennzeichnet hatte. Er tat mir leid; denn nach dem Boom der späten 1990er brauchte die Volkswirtschaft keine Exzellenz, sondern Mittelmäßigkeit. Ich ging davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage wieder ihrem Mittelwert annähern würde – nach der Übertreibung nach oben ... genauso wie seine Karriere.
Aber solche Entwicklungen sind niemals sicher oder stetig. Einen Tag sieht ein exzellenter Trend unsterblich aus: Die Aktien scheinen immer teuer bleiben zu können ... die Konsumenten scheinen willig zu sein, weiterhin mehr Geld auszugeben, als sie verdienen ... und Finanzminister und Zentralbanker sehen wie Genies aus. Aber dann, am nächsten Tag ... mahlen die Meilensteine der Geschichte weiter ... sie reduzieren alles: Kurs-Gewinn-Verhältnisse, den Ruf von Personen und Bilanzen. "Asche zu Asche", das ist der Weg der Welt.
Die Konsumenten geben weiter fleißig Geld aus – aber die letzten Umsätze im Einzelhandel zeigen, dass sie eventuell zu zögern beginnen. Sogar Finanzierungen zu 0 % können sie nicht mehr dazu veranlassen, sich ein neues Auto zu kaufen. Aber die Immobilienpreise steigen im Durchschnitt immer noch. Dennoch: Das Netto-Vermögen der Haushalte insgesamt fällt derzeit mit einer Jahresrate von 1,8 Billionen Dollar, laut Fed.
Die Summe der Hypotheken steigt derzeit mit fast 13 % pro Jahr – viermal so schnell wie das Wachstum der gesamten Wirtschaft, das Wachstum der Inflation und das Wachstum des persönlichen Einkommens. Auch das muss einmal zur Mittelmäßigkeit zurückkommen ... aber wann? CNN warnt neue Hypothekennehmer vor den "schmutzigen Geheimnissen" der Hypothekenbanken. Die Konsumenten, die ihre monatlichen Zahlungen reduzieren wollen, werden in den USA zu Hypotheken mit "negativer Amortisierung" überredet. Bei diesen Hypotheken werden durch die monatlichen Zahlungen noch nicht einmal die anfallenden Zinsen gedeckt. Die Schuldenlast wächst damit stetig, ohne dass der Schuldner neues Geld erhält.
Andere "schmutzige Geheimnisse" werden meiner Meinung nach ans Licht kommen, wenn diese Hypothekenblase irgendwann platzen wird. Viele Leute werden sich dann fragen, was sie gedacht haben. Warum erhöhten sie ihre Hypotheken, wo sie sie doch eigentlich abbezahlen sollten? Warum kauften sie Aktien, als sie sie eigentlich verkaufen sollten?
Und dann, wenn die Geheimnisse ans Licht kommen ... wenn die KGV's kollabiert sind ... wenn die exzellenten Vorstandsvorsitzenden von gestern und meisterhafte Zentralbanker zu inkompetenten Stümpern geworden sind ... dann wird die Mittelmäßigkeit wieder populär sein.
Bei mir und meinen Kollegen ist Mittelmäßigkeit immer modern. Während wir nach Exzellenz bei Käse und Wein suchen, ist es bei Aktien, Geschäften und Politik das Mittelmäßige, das Normale, das wir suchen. Nicht, dass wir Mittelmäßigkeit besonders mögen würden. Ich mag auch nicht die Idee, zu sterben ... aber ich habe gemerkt, dass die Dinge so funktionieren.