Die Realität sieht anders aus
Andreas Lambrou (Gastbeitrag) in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 30. März 2010, 20:00 Uhr
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Der Grund meines Aufenthalts war übrigens ein erster Vorabbesuch bei einem südchinesischen Immobilienentwickler in Guangzhou.
Guangzhou ist eine Millionenstadt im Südosten Chinas, nur wenige Kilometer nördlich von Hong Kong. Das Pro-Kopf Einkommen dieser Stadt liegt sogar höher, als in der Boomstadt Shanghai und die Quadratmeterpreise für Immobilien liegen hier bei rund 1.000 Euro aufwärts. Für beste Luxuslagen werden sogar rund 2.000 Euro pro Quadratmeter fällig.
Dieses Preisniveau ist zwar nicht gerade günstig, aber Sie müssen zwei weitere Aspekte berücksichtigen. Einerseits gibt es in China, wie fast überall in Asien, einen staatlich subventionierten Wohnungsbausektor. Hier können Arbeiter und Angestellte ihre Wohnungen oftmals zum halben "Marktpreis" kaufen. Der Staat stellt hierfür Land kostenlos zur Entwicklung zur Verfügung, gibt zinsgünstige Kredite, oder ermöglicht Steuererleichterungen.
Doch selbst völlig ohne Subventionen kostet eine 70 Quadratmeter Wohnung in Guangzhou nur rund 70.000 Euro.
Gehen Sie davon aus, dass 80% dieser Wohnung fremdfinanziert wird, so beträgt die monatliche Belastung nur rund 200 Euro. Selbst für einen chinesischen Haushalt in Südchina sind dies keine übermäßigen Belastungen, zumal die Chinesen auch noch 40% bis 60% ihres Einkommens sparen...
In Hong Kong, keine 100 Kilometer entfernt, liegen die Immobilienpreise 20-Mal so hoch. Wenn man überhaupt von einer Blase sprechen sollte, dann kann man dies vielleicht eher für Hong Kong so sehen.
Von einer Blase keine Spur, denn die Einkommen in Guangzhou wachsen stetig, die Nachfrage nach Immobilien wächst und die Hypothekenkredite sind in der Hand großer Staatsbanken und keinesfalls exzessiv hoch.
Ich gebe zu, dass Chinas Immobilienmarkt alle Voraussetzungen erfüllt, um zu einer großen Blase zu werden. Aber die Feststellung, dass die Blase bereits jetzt im Gang sei und bald platzen würde, ist in etwa soweit von der Realität entfernt, wie die Befürchtung, dass die Polkappen bis Jahresende schmelzen und ganz Amsterdam überfluten würden.
Gerne werde ich Ihnen in den nächsten Wochen noch öfters von Chinas Realwirtschaft berichten.
Aber seien Sie nicht verwundert, wenn sich meine festgestellte Realität diametral gegensätzlich zur Berichterstattung in den westlichen Medien zeigt. Nicht nur im Einzelfall, sondern so ziemlich bei der Mehrheit aller Artikel.
Manchmal frage ich mich, ob die deutschen Redakteure an Realitätsverlust leiden? Entschuldigung, ich habe die meisten Redakteure durchaus als sehr glaubwürdig kennen gelernt. Allerdings habe ich leider meine berechtigten Zweifel, wenn die westliche Presse China immer so kritisch und teils völlig falsch darstellt. Hier wird guten Redakteuren die "Zensur" von der "Chefetage" aufgezwungen. Erbärmlich... Doch dazu ein anderes Mal.
Zum Glück darf ich schreiben was ich wirklich denke. Deshalb gehören meine Leser auch zu den glücklichen, informierten und gut verdienenden Anlegern, die den China Boom profitabel zu nutzen wissen.
Herzliche Grüße aus Guangzhou
Ihr
Andreas Lambrou
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Winfried Sühling (30.03. 2010 20:42 Uhr):
Sehr geehrter Herr Lambrou, ich habe schlicht ein Problem, mit dem Fid-Verlag, für den Sie arbeiten. Dass alle Börsenbriefe, die da angeboten werden, gut sind, kann wohl bezweifelt werden. Den Valueinvestor habe ich 3 Monate ausprobiert.. In der Zeit keine Kaufempfehlung. Mag sein, das es Gründe dafür gibt. Da war noch etwas...: Trendfolge.... Da habe ich mal im Internet geschaut nach Blogs.... Dass in Indien und China in Zukunft die Post ab geht ist wohl klar. DE, EU, USA sind faktisch bankrott. Und Russland ist wohl nicht ganz so wichtig, wie die Russen dachten. Gas in Riesenmengen gibt es auch woanders. Frage an Sie: sind sie so gut, wie Sie behaupten? Kann ich mein sauer Erspartes Ihren Empfehlungen anvertrauen? MfG. Winfried Sühling
Antworten - Kommentar von Qu Lingli (31.03. 2010 04:58 Uhr):
Sehr geehrter Herr Lambrou, mein Deutschlehrer, ein Hamburger, der seit Februar 2009 in Changsha lebt, hat mit mir über Ihren Artikel gesprochen und alle Ihre Feststellungen bestätigt. China, so sagt er, ist in der Realität vollkommen anders als das Bild, das in der westlichen (deutschen) Presse gezeichnet wird. Mit freundlichen Grüßen Qu Lingli
Antworten - Kommentar von Bollendorf (31.03. 2010 07:22 Uhr):
Hallo Herr Lambrou, habe ich richtig gelesen? Sie waren gerade zwei Tage in China und behaupten deshalb, Sie könnten relativ gut einschätzen, was im chinesischen Immobilienmarkt derzeit passiert? Oder ist das ein Druckfehler, und Sie waren zwei Jahre dort? Frdl. Gruß, W.B.
Antworten - Kommentar von Georg (31.03. 2010 11:50 Uhr):
Hallo Herr Lambrou, wenn sie mal wieder in China sind, dann schauen sie mal abends nach Sonnenuntergang an diesen neu gebauten Wohnhochhaeusern hoch und zaehlen in wievielen von diesen neuen Wohnungen Licht brennt..?? Ich arbeite schon ein paar Jahre in China und glaube, dass in China viele fuer Chinesen unerschwingliche und somit unverkaeufliche Wohnungen gebaut werden. Viele neue glitzernde Einkaufszentren werden auch eroeffnet in denen unglaublich viele Leute unterwegs sind. Aber passen sie mal auf, wieviele von den Leuten mit Einkaufstueten die Glitzerwelt wieder verlassen...?? Soweit ich das beobachte sind es vielleicht 2%...?? Mit Gruessen aus Nanjing
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