Die Produktion nimmt ab, statt zu steigen
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 17. April 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Indium: Der Verbrauch soll sich mindestens verdreifachen
Der Preis der benötigten Rohstoffe spielt für die Industrie keine allzu große Rolle, weil sie nur in sehr geringen Mengen verarbeitet werden. So lag z.B. die weltweite Produktion von Indium 2007 bei 510 t (zu einem durchschnittlich erzielten Preis von 795 USD je kg) nach 370 t (zu einem Preis von 170 USD je kg). Mir liegt eine Studie von renommierten deutschen Forschungsinstitutionen vor, die im Jahr 2030 einen Bedarf von 1.911 t nur für die Zukunftstechnologien erwartet. Der reale Gesamtbedarf wird also sogar noch deutlich höher liegen, wenn die Annahmen eintreffen. Die Verarbeitung in sehr geringen Mengen ist aber auch ein Problem, welches das Recycling von Indium schwierig macht.
Gallium: noch rarer, aber gar nicht kostbar
Mit Gallium verhält es sich nicht viel anders als mit Indium, außer dass die Versorgung möglicherweise noch schwieriger sein wird, obwohl Gallium in der Erdkruste etwa so häufig vorkommt wie Molybdän oder Blei. Aber es tritt eben immer fein verteilt in Verbindung mit anderen Elementen auf, meist mit Aluminium- oder Zinkmineralien, aus denen es nur schwer befreit werden kann. Die globale Raffinerieproduktion war noch geringer als bei Indium. Sie lag bei 103 t 2007 nach 83 t 2003. Der mittlere Preis schwankte in diesen Jahren zwischen 411 und 550 USD je kg. Ein Teil des erzeugten Gallium wurde aus primärem Schrott gewonnen, der bei der Verarbeitung von Galliumverbindungen in der Industrie anfällt. Sekundäres Recycling (also von verbautem Gallium in Produkten) ist wie bei Indium derzeit noch kaum möglich, weil die Anteile zu winzig sind. Für Zukunftstechnologien wurde 2006 eine Menge von 28 t Gallium verbraucht. Die oben erwähnte Studie des Fraunhofer-Instituts geht für 2030 von einem Bedarf von 603 t aus! Damit ist Gallium das in der Studie untersuchte Metall, für das in Zukunft die größte Lücke zwischen Bedarf und Angebot vermutet wird.
Die Produktion nimmt ab, statt zu steigen
Obwohl diese Untersuchung gerade erst veröffentlicht worden ist, beruht sie jedoch auf Daten, die zum Teil schon einige Monate oder gar Jahre alt sind. Damit kann sie noch kaum berücksichtigen, dass inzwischen ein guter Teil der primären Produktion aus Bergwerken entfällt, weil diese wegen der hohen Lagerbestände und des rückläufigen Verbrauchs an Industriemetallen stillgelegt wurden. Zusätzlich erhalte ich täglich Nachrichten, von welchen Unternehmen wieder die Entwicklung neuer Produktionsanlagen aufgeschoben oder erst einmal ganz auf Eis gelegt worden ist.
Das ist für die Industriemetalle kein großes Problem. Denn wir haben nicht nur große Lagerbestände der reinen Metalle, sondern auch riesige Berge an Schrott, die wieder recycelt werden können. Auch hier sind die Lagerbestände so hoch, dass Metallschrott im Winter zeitweise kaum noch verkäuflich war. Selbst von den in den vergangenen Jahren so beliebten Diebstählen von Leitungen, Bahnschienen oder Gullys wegen des Metallwerts höre ich zuletzt nichts mehr. Das Risiko lohnt sich also selbst für die Diebe kaum noch.
Das wird zu einem Problem, solange die Metalle nicht teurer werden
Dass die Primärproduktion so stark verringert wurde, kann allerdings für die seltenen Metalle zu einem riesigen Problem werden. Denn im Gegensatz zu den industriell benötigten (und teuren) Platin oder Silber, die auch aus Schmuck gewonnen werden können, gibt es eben für die seltenen (aber günstigeren) Halbleitermetalle kaum eine Recyclingmöglichkeit. Solange die Industrie nicht nachhaltig anspringt, ist das keine größere Schwierigkeit, denn dann werden auch davon keine bedeutenden Mengen benötigt. Aber wenn in einen Bereich wie z.B. der Solarindustrie große Mengen an Fördergeldern fließen, die den Verbrauch wieder ankurbeln, kann der vermehrte Verbrauch zu einem riesigen Problem für die Industrie werden.
Bisher befindet sich der Preis dieser Zukunftsrohstoffe in einer Größenordnung, die für die Industrie nur "Peanuts" sind. Das ist auch mit einer der Gründe, warum es sich bisher kaum lohnt, sie zu produzieren. So sind mir bei meinen Recherchen in den vergangenen Monaten etliche (vor allem kleine) Unternehmen in die Finger gefallen, die entweder gerade Pleite gegangen waren, kurz davor standen oder finanziell chronisch unterversorgt waren. Die Entwicklung neuer Technologien zur Produktion dieser Metalle lohnt sich derzeit nicht, ich muss es einfach so krass sagen. Das wird so lange der Fall sein, wie deren Preis nicht stärker steigt. Wenn das geschieht, werden wir schnell neue Verfahren sehen, mit denen das Angebot erhöht werden kann. Doch dann werden nur noch Firmen überlebt haben, welche die Durststrecke bis dahin mit anderen Produkten überbrücken konnten. Sie werden die Gewinner der höheren Preise sein.
Mit diesen Worten habe ich gerade eine Kaufempfehlung für einen mittelgroßen Bluechip an meine Leser verschickt. Natürlich darf ich hier im Nebenwerte Daily den Titel und weitere Angaben nicht nennen. Das ist den Lesern des Rohstoff Investor vorbehalten. Aber wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie hier alle weiteren Informationen.
Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen ein wunderschönes Wochenende zu wünschen. Wir sehen uns Dienstag. Bis dann, Ihre
Daniela Knauer
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