Die Postbank hat es geschafft – Börsengang gelungen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 23. Juni 2004 18:00 Uhr
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Nun ist er endlich doch gelungen, der erste große Börsengang seit fast vier Jahren. Die Postbank kam mit 29,00–29,10 Euro aufs Parkett und sackte dann erst einmal mit einem Tief bei 28,80 fast auf den Ausgabepreis durch. Aktuell notiert die Aktie wieder bei 29 Euro. Die Zeichner können sich über einen kleinen Gewinn freuen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, was die Aktie wirklich wert ist – nein, was die Investoren denken, was die Aktie wirklich wert sei.
Gut, die Schallmauer ist durchbrochen, im Windschatten der Postbank können sich nun andere IPO's auf das zurzeit etwas glitschige Börsenparkett wagen. Ob wir allerdings wieder diese wahnsinnigen IPO's sehen werden, bei der jede Aktie, die man bei 100facher Überzeichnung erhielt, einem Lottogewinn glich, mag zu bezweifeln sein – zumindest für die nächsten Jahre.
Vielleicht bis eine neue, jüngere Generation von Anlegern das Ruder übernimmt. Denn wie sagte unser aller Altmeister Kostolany: "An den Börsen kommt alles wieder." Er muss es wissen, er war schließlich lange genug dabei.
Wenn Sie mich nun fragen, ob Sie die Postbank kaufen sollen, kann ich dazu als Charttechniker natürlich rein gar nichts sagen. Denn mir fehlt die "Vergangenheit". Fundamental denke ich nicht, dass die Post die Postbank "unter Preis" verscherbelt hat. Generell schwächelt gerade der Bankensektor und die Postbank wird wahrscheinlich schneller vergessen sein, als mancher Anleger hofft und schnell mit dem Bankensektor im zyklischen Auf und Ab der Branchen mitschwingen.
Nähern wir uns mit vorsichtigen Schritten einer Annahme, die ich gestern vertreten habe und die heute mit den ersten Meldung sofort ad absurdum geführt wurde. Nein, es kommt nicht zu einem längeren Hin und Her im Fall der 8 gefangen genommenen britischen Soldaten. Der Iran machte doch viel schneller einen Rückzieher, als gedacht. Nach genauer Prüfung der Umstände kam der Iran zu der Erkenntnis, dass hier doch kein Angriff auf den Iran, sondern lediglich eine Navigationsungenauigkeit bei schlechtem Wetter zu der Verletzung des iranischen Hoheitsgebietes geführt hatte. Ob dazu eine "genaue" Prüfung notwendig war?
Die diplomatischen Verhandlungen haben offensichtlich Wirkung gezeigt. Wie gesagt, mich hatte es schon etwas verwundert, dass der Iran die britischen Soldaten vor Gericht stellen wollte. Der Iran hatte schließlich in letzter Zeit deutliche Versuche unternommen, die Beziehung zu den USA zu verbessern.
Bleibt noch die Börse: Der Dax holt einen Teil der gestrigen nachrichtenbedingten Verluste wieder auf und wartete dann ehrfürchtig auf die Eröffnung des großen Bruder in den USA. Aber auch hier startete die Eröffnung verhalten.
Jeden Tag wird nun mehr und mehr die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank nächste Woche Mittwoch das Tagesgeschehen beeinflussen.
Es mehren sich die Stimmen, dass es nach einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte zu einer kleinen Rallye kommen könnte, sofern Old Greeny die Märkte danach etwas beruhigt. Zum Beispiel könnte er verlautbaren lassen, dass wenn es weitere Zinserhöhungen geben würde, diese in ähnlich maßvoller Weise geschehen werden, wie die aktuelle. Wahrscheinlich wird er das jedoch noch ein wenig uneindeutiger formulieren.
Es ist das alte Spiel, das wir von Unternehmensnachrichten kennen. Nicht die Nachricht als solche, sondern der Kursverlauf vor dieser Nachricht ist entscheidend.
Sollten also nun die Börsen anfangen zu steigen, da alle mit einer Rallye rechnen, wenn Old Greeny die Zinsen "nur" um 25 Basispunkte erhöht, dann werden wahrscheinlich beim Eintritt dieses "Ereignisses" die Börsen wieder fallen.
Sollten die Börsen bis dahin jedoch fallen, dann könnte man sich entsprechend positionieren.
Wesentlich wahrscheinlicher ist jedoch eine undifferenzierte Bewegung vor dieser US-Zinsentscheidung, die daraufhin nach ein zwei Tagen mit erhöhter Volatilität oder stärkeren Kursbewegungen wieder weitergeführt wird.
Heute morgen habe ich auf Bloomberg gehört, dass in den letzten Jahren, die Wirtschaft des jeweiligen Fußballeuropameisters nach dem Ereignis fast immer deutlich zulegen konnten. Wir sollten unseren Jungs heute auch als Investoren die Daumen drücken.