Die "pazifische Riviera"
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. August 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Ich reise seit Jahren durch die Weltgeschichte. Und nun bin ich in eine kleine Stadt am Rande des Lake Nicaragua gekommen. Ich hatte Hunger. So bin ich auch in den Verschlag direkt an der Küste geraten, der einer unglaublich dicken Frau namens Ena gehört.
Den Vormittag habe ich vollständig im Geländewagen verbracht - einem Alleskönner mit Allradantrieb von der Größe eines Jet-Ski - und habe mir das angesehen, was momentan unter dem Namen Pazifische Riviera" die Runde macht. Was die ortsansässigen Bauunternehmer anbelangt, ist der Name reines Wunschdenken. Es gibt hier nicht viel, was an die französische Riviera erinnert. Was die natürliche Schönheit anbelangt übertrifft diese Gegend die Mittelmeerküste in Frankreich und Italien noch. Sie ist dramatischer - hat höhere Hügel, steilere Klippen, größere Höhlen und breitere Strände.
Auch was das Klima anbelangt hat diese Gegend ihrem Namensvetter viel voraus. Hier ist es immer warm und normalerweise auch sonnig. Es gibt im Winter keine kalten Winde, weil es keinen Winter gibt. Nur eine Regenzeit und eine Trockenzeit. Auch in der Regenzeit scheint oft die Sonne.
In Sachen Natur kann die Gegend also gut mit der echten Riviera mithalten, nicht jedoch, was die von Menschen gemachten Dinge angeht. Menschen gibt es hier schon seit einer sehr langen Zeit - mindestens so lange wie es Menschen in Amerika gibt, das heißt, mindestens seit 10.000 Jahren. Aber in den ersten 9.500 haben die Menschen hier nicht viel mehr gemacht, als die natürlichen Früchte der Erde zu ernten. Erst nach Ankunft der spanischen Konquistadoren haben sie angefangen, das aufzubauen, was man als zivilisierte Kultur bezeichnet... und erst in den letzten Jahren haben die entsprechenden Gebäude die südwestliche Küste erreicht - den Teil des Landes, den man heute unter dem Namen Pazifische Riviera" kennt.
Was hat die Zivilisation an diese Küste gebracht? Für die Antwort bitte ich ebenso sehr um Entschuldigung, wie ich sie auch mit Stolz vortrage. Es war der Autor dieser Seiten. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert habe ich die Kugeln ins Rollen gebracht. Ich hatte damals keine Vorstellung, dass ich damit eine primitive Region Lateinamerikas überrollen würde. Aber das ist, was gerade passiert. Eins führt zum anderen, und ehe man sich versieht, ist man kein junger Mann mehr... und man findet sich an Orten wieder, an denen man sich selbst nie erwartet hätte.
Einer dieser Orte ist das Haus von Dona Ena an der Küste. Dona Enas Restaurant ist die Sorte von Lokal, wo unprätentiös noch zu schmeichelhaft wäre. Es befindet sich in einem Gebäude, in dem Sie bestenfalls Hühner halten würden - wenn Sie sich wenig darum kümmerten. Es ist wie ein Hühnerstall auf einem verfallenen Bauernhof.
Es besteht aus Planken und rostigem Blech, drum herum sind überall Drahtgeflechte - entweder sollen die das Haus zusammenhalten, oder sie sollen die Bewohner daran hindern wegzulaufen. Das Licht schimmert durch die Löcher im Dach. Das Dach selbst wird von zusammengeflickten Holzstücken gehalten, die wiederum so aussehen, als seien sie die Überreste von einem alten Hühnerstall.