Die Paulson Doctrine
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. August 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Finanzminister Paulson ist kein Dummkopf. Er weiß, dass die amerikanische Wirtschaft - mit ihren ausgefallenen Wahnvorstellungen und ihren teuren Finanzspritzen - Finanzierungsmittel aus dem Ausland braucht. Und er weiß auch, dass die Ausländer anfangen sich Sorgen zu machen.
In einer freien Marktwirtschaft hätte man zugelassen, dass Fannie und Freddie untergehen. Anleger und Kreditgeber würden dann beide leiden müssen... aber die Wirtschaft würde weiter machen und gestärkt werden, weil sie die scheußlichen Furunkel und Geschwüre loswerden würde. Aber wir haben es hier nicht mit einem freien Markt zu tun.
Es ist ein Markt, an dem es den großen Spielern immer zu gelingen scheint, selbst die Oberhand zu behalten. So hat z.B. die Wall Street seit 2003 eine Viertel Billion Dollar als Prämien ausgezahlt - einen großen Teil davon in zweifelhaften, von Schulden getränkten Transaktionen, die nie zum Abschluss kamen. Und dann, als die Schulden nicht bezahlt wurden, kam die amerikanische Regierung und verpasste dem gesamten System Finanzspritzen. Die Profis der Wall Street haben ihre Prämien behalten und sich dafür bei den Regierungsvertretern noch nicht einmal bedankt.
Fannie und Freddie dürfen nicht untergehen - größtenteils deshalb, weil sich ihre Schulden in den Händen der Ausländer befinden. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Die Regierungsvertreter würden die Ausländer gerne untergehen sehen. Aber das können sie nicht... noch nicht. Die Chinesen sind beispielsweise der größte Einzelkreditgeber der amerikanischen Regierungsbehörden - darunter auch Fannie und Freddie. Und die Regierungsvertreter sind immer noch verzweifelt von dem Geldfluss aus dem Fernen Osten abhängig. Also ist Henry Paulson auf eine Idee gekommen, die wir heute als Paulson Doctrine" kennen - wir lassen zu, dass die Aktionäre Verluste einstecken, aber nicht diejenigen, die Anleihen besitzen.
Die Paulson Doctrine wird es so lange geben, bis sie nicht mehr notwendig ist. Und wann wird das sein? Ich werde es Ihnen sagen - die Ausländer werden ihr Geld verlieren, wenn die Inflation sie bereits dazu gebracht hat, weiteren Dollarkrediten den Rücken zuzuwenden. D.h. wenn die Inflation sie endlich überzeugt haben wird, den Dollar fallen zu lassen und es abzulehnen weiter an die amerikanischen Regierungsbehörden Geld zu verleihen. Dann werden die Regierungsvertreter für die Kreditgeber aus dem Ausland keine Verwendung mehr haben. Und dann werden sie der Paulson Doctrine den Rücken zuwenden und es den ausländischen Dollarbesitzern ordentlich zeigen.