Die Parasiten der Zentralplanung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Nicht alle Wirtschaftswissenschaftler sind Scharlatane. In Harvard sitzt Robert J. Barro, der gerade die Reinkosten der Konjunkturprogramme der Regierung errechnet hat. Sie sollten ursprünglich 787 Milliarden Dollar kosten und man schätzt jetzt, dass das Preisschild am Ende 862 Milliarden Dollar betragen wird.
Was bekommt man für so viel Geld? Nun, Mr. Barro rechnet damit, dass jeder Dollar aus den öffentlichen Konjunkturausgaben die Wirtschaft 1,50 Dollar in vorweggenommen Privatausgaben kosten wird. Das sei ein schlechtes Geschäft", sagt er.
Seine Arbeit macht einen absolut makro-ökonomischen Blick auf das Thema notwendig. Er glaubt, dass die Regierungsausgaben einem Multiplikatoren" unterworfen sind, der die Auswirkungen vergrößert oder reduziert. In den ersten beiden Jahren, so glaubt er, sind die Auswirkungen im Ganzen positiv... da die Regierung Geld ausgibt, ohne dass sie dafür Steuern erheben muss.
Aber dann müssen die Steuereinnahmen notwendigerweise steigen, um die Kosten für das Konjunkturprogramm zu begleichen. Und die Steuern sind dem Multiplikatoren" unterworfen. Nimmt man einen Dollar in Steuern, dann schrumpft die Wirtschaft um mehr als diesen Dollar. Und das macht aus dem ganzen Geschäft nicht nur eine Geldverschwendung und Zeitverschwendung... es macht auch die gesamte Gesellschaft am Ende ärmer.
Es gibt kein kostenloses Mittagessen"
Auch nicht mit fiskalischen Stimuli, sagt Mr. Barro. Die Rechnung für die Konjunkturausgaben muss begleichen werden. Die Steuern müssen steigen. Und wenn man das ganz bis zum Ende der Transaktion durchrechnet, dann wird man feststellen, dass man am Ende Geld verloren hat.
Aber Mr. Barro hat eine wesentlich großzügigere Haltung als ich. Er urteilt nicht über den Charakter der Regierungsausgaben im Vergleich zu den Privatausgaben, die sie ersetzen. Wie alle modernen Wirtschaftswissenschaftler geht er davon aus, dass ein Dollar ein Dollar ist... und dass ein Dollar, der von der Regierung ausgegeben wird, mehr oder weniger genauso gut ist, wie ein Dollar, der vom Privatsektor ausgegeben wird.
Aber ein Dollar, der von der Regierung ausgegeben wird, ist absolut nicht das Gleiche, wie ein Dollar, der im Privatsektor ausgegeben wird. Jemand gibt seine eigenen Dollar womöglich unklug aus. Aber zumindest bekommt er damit das, was er verdient hat. Wenn die Regierung den Dollar ausgibt, dann ist das noch schlimmer, als das Geld zu verschwenden... es verzerrt die gesamte Wirtschaft und es bringt Zombies und Parasiten hervor.
Fehlgeleitete Subventionen in Indien
Hier ist ein interessanter Beitrag aus dem Wall Street Journal... Indien produziert kaum halb so viel Reis pro Hektar wie China... 3,4 Tonnen pro Hektar verglichen mit 6,5 Tonnen in China. Sogar das schrecklich arme Bangladesch erzielt bessere Erträge mit den Reisanbauflächen - mit 3,9 Tonnen pro Hektar als Output.
Was ist los mit den indischen Farmern?
Ich halte mich, um es zu erklären, an meinen alten Leitspruch. Jeder kann eine Sache in den Sand setzen, aber um eine echte Katastrophe daraus zu machen, braucht man die Unterstützung der Steuerzahler.
Ja, liebe Leser, Indiens Landwirtschaft gibt uns ein weiteres Beispiel dafür, wie Zentralplanung funktioniert. In den Siebzigern, als Indien noch eher ein sozialistisches Land war als heute, entschied die Regierung, die Produktion anzukurbeln, indem man den Farmern subventionierten Dünger gab. Das führte, wie vorherzusehen, zu einer Überverwendung von Düngern... von denen einer - Urea - den Boden heftig beschädigt hat.
Subventionen, Bailouts, Quantitative Lockerung, fiskalische Stimuli - sie alle rufen verdrehte Effekte hervor. In diesem Falle, sind die Auswirkungen so verdreht, dass Indien sich nicht mehr selbst unterhalten kann. Das Land ist gezwungen, einen großen Teil der Lebensmittel zu importieren. Die Lebensmittelpreise steigen natürlich - im vergangenen Jahr war es ein Anstieg von 19%.
Aber die Kosten der Lebensmittel sind nur ein Teil der Geschichte. Es gibt auch noch die Kosten der Subventionen. Im Jahr 1976 kostete das Subventionsprogramm für die Dünger 640 Millionen Dollar. Heute liegt der Preis bei 20 Milliarden Dollar.
Sowohl der Boden als auch der Haushalt werden ausgelaugt. Und die Ernteerträge gehen zurück. Verzweifelte Farmer verteilen noch mehr und noch billigeren Dünger. Und wenn dann die Lebensmittelproduktion singt, denkt die Regierung, sie müsse etwas tun, um die Situation in Ordnung zu bringen. Was kann sie tun. Sie kann noch mehr subventionierte Dünger zur Verfügung stellen.
Es liegt noch viel vor euch, ihr Regierungsvertreter.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von walter bruno (04.03. 2010 17:57 Uhr):
...und wenn dann demnächst noch Herr Bonner zu singen anfängt, dann sollte die Regierung inzwischen so tief gesunken sein, seinen täglichen Weinbedarf zu subventionieren ;-)... Mal im Ernst: hat schon einmal jemand darüber nachgedacht, von wem alles so ein werteschaffender Mensch der in Lohn und Arbeit steht, augebeutet wird ? Gehe ich mal davon aus, dass der gesamte Wasserkopf der Staaten keine eigene Wertschöpfung hervorbringt, die Masse der Arbeitslosen wohl auch nicht, ja nicht einmal die Börsengurus und Spekulanten schaffen Werte. Dann noch die vielen Rentner und Invaliden und auch nicht das Heer , die Polizei , Justiz und die Geheimdienste ("Stasi in die Volkwirtschaft" war 1989 mal ein Slogan) sind befähigt , produktive Werte hervorzubringen...Ja, vergessen wir doch bitte nicht die Berufseigentümer, die teilweise nichts weiter gelernt haben als nur "Eigentümer" zu sein, Berufssöhne und Berufstöchter, die ja auch so allerhand verzehren ohne zu produzieren, wenn man mal so von Schlagzeilen absieht. JAAAA, bitte behütet mir gut die Arbeiter, wer kann schon wissen, was wohl passiert, wenn sein starker Arm nicht mehr will ! Dann müssen wir wohlmöglich auf Bergen von Papiergeld schlafen und es sogar fressen...es sei denn wir haben dann nur noch virtuelles Geld.
Antworten - Kommentar von Bruno Walkowski (05.03. 2010 12:09 Uhr):
Ein krasses Beispiel dafür, daß staatliche Planwirtschaft auf Dauer nicht funktioniert, haben wir schon damals im Ostblock gesehen. Warum sollte es also jetzt gutgehen, wenn Staatsbedienstete freundlicherweise die Früchte unserer Arbeit verwalten und über Ausgaben entscheiden, von denen Sie keinerlei Ahnung haben. Es musste ja auch nie ein Beamter mit Versorgungs-Vollkasko die schmerzhaften Erfahrungen unternehmerischer Fehlentscheidung am eigenen Leibe verspüren.
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