Die Optionsschein-Griechen V
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 9. Juli 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
und ein weiteres Mal herzlich Willkommen" bei den Optionsschein-Griechen. Und noch immer befassen wir uns mit dem Delta und dessen Auswirkungen auf die Veränderung des Optionsscheinpreises bei entsprechender Veränderung im Kurs des Basiswerts.
Sie mögen sich erinnern: am vergangenen Freitag haben wir errechnet, dass aufgrund der Hebelwirkung mit einem in the money liegenden Optionsschein, der folglich ein hohes Delta aufweist ein wesentlich höherer prozentualer Gewinn zu erzielen ist, als mit dem reinen Kauf des Basiswerts.
Wir haben in unserem fiktiven Beispiel ein Szenario gewählt, in welchem unser Basiswert die Aktie A einen Gewinn von 4,84 % verbuchte. Im gleichen Atemzug verbuchte aber der in the money liegende Optionsschein mit einem Delta von 0,9 gleich einen prozentualen Gewinn von 20,76 %.
Hübsch und sicher, zumindest wesentlich sicherer als der Kauf eines out of the money liegenden Scheins. Doch ich hatte Ihnen versprochen - obwohl ich noch einmal darauf hinweisen muss, dass bei out of the money liegenden Scheinen ein wesentlich höheres Totalverlustrisiko besteht -, dass wir uns heute anhand unseres fiktiven Rechenbeispiels mit den wesentlich höheren Gewinnmöglichkeiten eines solchen Investments beschäftigen würden.
Gut, dann also auf zum Rechnen:
Hierzu nutzen wir wieder unsere bekannten Eckdaten:
Der Basiswert sei Aktie A.
Der Basispreis/Ausübungspreis beträgt 50 Euro.
Das Bezugsverhältnis liegt bei 1:1.
Nun weichen wir etwas von den üblichen Eckdaten ab und nehmen an:
Die Restlaufzeit des Scheins beträgt noch 6 Monate.
Der Preis des Optionsscheins/Prämie beträgt nun erst 2 Euro, denn der Schein liegt out of the money, hat also keinen inneren Wert.
Da der aktuelle Kurs der Aktie A erst bei 40 Euro notiert.
Es handelt sich um einen Call.
Wir nehmen also im vorliegenden Fall folgerichtig ein tiefes Delta von 0,29 an.
Steigt der Kurs der Aktie A nun um 3 Euro auf 43 Euro an, haben Sie mit dem Basiswert ein Plus von 6,97 % erzielt.
Wie verhält es sich nun mit dem Optionsschein? Wir haben gelernt, dass sich Schein bei Veränderung seines Basiswerts um eine Einheit um das Delta mitbewegt. Also im vorliegenden Fall um das Delta 0,29.
Folgerichtig müsste unser Optionsschein also um 3 x 0,29 auf 2,87 Euro angestiegen sein.
Das ergibt einen Gewinn von 43,5 %. Sagenhaft, nicht?! Im Vergleich zum reinen Basiswert.
Die Wahrheit ist aber, dass Sie im vorliegenden Beispiel tatsächlich noch einen höheren Gewinn mit dem Optionsschein erzielt hätten:
Unter der Annahme gleich bleibender Volatilität spuckt der OS-Rechner einen tatsächlichen Optionsscheinpreis von 2,93 Euro aus.
Damit hätten Sie also tatsächlich einen Gewinn von 46,5 % erzielt. Das nenne ich ein wirklich tolles Ergebnis.
Doch wie kommt dieses zustande? Ganz einfach, das Delta ist keine statische Größe und unterliegt selbst einer ständigen Veränderung, sobald sich der Basiswert verändert. Zumal bei einem out of the money liegenden Schein - hier sind die Veränderungen des Deltas noch wesentlich höher als bei einem tief in the money liegenden Schein, der ja bereits ein sehr hohes Delta aufweist. In unserem fiktiven Beispiel wäre das Delta auch mittlerweile auf 0,37 angestiegen.
So, das soll für heute genügen! Am kommenden Freitag beschäftigen wir uns dann noch einmal eingehender mit den Risiken eines otm liegenden Scheines und warum diese nur für sehr risikoorientierte Anleger taugen, während ein itm liegender Schein eine deutlich höhere Sicherheit im Vergleich mit sich bringt.
Liebe Grüße einstweilen und bis Freitag
Ihre Miriam Kraus
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