Die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens
Dan Amoss in Traders Daily
vom 2. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Der kurzsichtige Blick der Wall Street ruht auf den Wachstumsraten der so genannten „green shoots" [grüne Keimlinge] der wirtschaftlichen Erholungsphase. Ich jedoch beeile mich und ergreife nicht eine, sondern zwei Möglichkeiten.
Doch zuerst werden Sie sich vermutlich fragen, warum der Sektor der frei verfügbaren Verbraucherausgaben derartig unwirtschaftliche Investitionsentscheidungen getroffen hat. Es scheint so, als sei es leicht gewesen zu erkennen, dass wir z.B. zu große Kapazitäten in der Automobilherstellung hatten. Aber in der Hitze der Kreditblase, war es ganz einfach zu leicht, sich in durch die künstlich nach oben getriebenen Trends der Verbrauchernachfrage in die Irre führen zu lassen. Betrachten Sie es einmal so: Die Verbraucherkredite und die Defizite im Regierungshaushalt haben beide zukünftige Wirtschaftsaktivitäten in den Gegenwart gezogen, während sie die damit verbundenen Kosten in die Zukunft abgedrängt haben.
Wenn ein solchen unnachhaltiges Verhalten einen Punkt der Erschöpfung erreicht, dann stellen die Leute schließlich fest, dass es Unsinn war, und die Beschäftigungszahlen brechen ein, unvorsichtige Investitionen werden liquidiert, und faule Schulden können nicht mehr bedient werden. Das ist der Grund, warum es gesünder ist (wenn auch politisch weniger beliebt) kleine und häufige Rezessionen zu haben, um ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage halten zu können, anstatt gewaltige Schuldenblasen, auf die dann alptraumartige Krise und Entwertungen von Währungen folgen.
Das sind die Gefahren der von der Regierung unterstützten und von Schulden angetriebenen Wirtschaftsblasen. Es ist so, als versuchte man von einer Diät aus Süßigkeiten und Energie-Drinks zu leben, anstatt von Vollwertkost.
Das goldene Zeitalter des 21. Jahrhundert endete für die amerikanischen Verbraucher mit dem Platzen der Kreditblase. Und diese Blase war so groß, dass es vermutlich ein Jahrzehnt dauern wird, ehe die Spezialitätenhändler und Restaurants soweit sind, ihre Läden, Betriebe und Produktionslinien wieder einem nüchterneren Verbraucher angepasst haben.
Die amerikanischen Verbraucher werden deutlich mehr sparen und ihr Geld nur noch für Güter ausgeben, die einen echten Wert haben und das wird die Nachfrage nach Angeboten wie „Three-Martini-Lunches" einbrechen lassen.
Gleichzeitig scheint der Aktienmarkt vergessen zu haben, dass wir einer langfristigen Anpassung an das Verbraucherverhalten entgegenblicken. Er lässt sich von dem Lärm ablenken, den die jüngsten durch Steuergelder finanzierten Rettungen hervorgerufen haben. Die Marktteilnehmer sind auch durch das Spektakel an der Bundeszentralbank in Beschlag genommen, die ihre Bilanzen in einen giftigen Müllhaufen verwandelt. Es ist wie schlechtes Reality TV, wo es eine Vorankündigung geben muss, damit die Zuschauer weiter interessiert sind.
Die Aktien, die Angebote repräsentieren, deren Kauf im Ermessen der Verbraucher stehen, kamen nach dem 6. März am Aktienmarkt in den Genuss einer Rally. Doch dieser Sektor muss Jahre der enttäuschenden Gewinne erdulden - dank der Kapitalinvestitionen die währen der Blase gemacht wurden, um das Nachfrageniveau zu erreichen, das sich nun als trügerisch herausstellt.
Während die Nachfrage der amerikanischen Verbraucher ein nachhaltigeres Niveau erreicht, wird die überschüssige Kapazität bei den Spezialangeboten im Verbrauchersektor ans Licht kommen. In den kommenden Jahren werden Konkurse, Preiskriege und schrumpfende Wettbewerbsbarrieren dazu führen, dass der Markt anfangen wird, diese einstigen Lieblinge wie „Rohstoffunternehmen" zu behandeln.
Werfen Sie einen weiteren Blick auf das Zitat von Howard Davidowitz, das ich gestern über meinen Beitrag stellte. Er ist ein weithin geschätzter Experte für den Einzelhandelssektor. Er hat Booms und Krisen erlebt, den Aufstieg und Fall der Gewinner und Verlierer beobachtet, und er gießt keinen Zuckerguss über die Rückkehr der Nachhaltigkeit in den Einzelhandelssektor. Die Botschaft ist deutlich. Extravaganz ist out, Sparsamkeit ist in.
Davidowitz ist vielleicht kein Wirtschaftswissenschaftler, aber sein Argument über das Bundeshaushaltsdefizit ist eines, das alle rationalen Mitspieler der Wirtschaft verstehen. Der betont, dass man nicht zu viel Geld ausgeben kann, ohne dass man irgendwann unter den Folgen zu leiden haben wird.
Die Tatsache lässt sich nicht umgehen, dass wie bei Kaliforniens Haushalt, die Gewinnmargen im Finanz- und Verbrauchersektor schrumpfen müssen. Es geht um die Nachhaltigkeit. Selbst die Bundesregierung muss das anerkennen, wenn die Märkte hohe Zinssätze erheben, um die Defizite zu finanzieren.