Die neue "PAO MO"
Karim Rahemtulla in Investors Daily
vom 12. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
("Pao Mo" = Chinesisch für "Spekulationsblase")
China wird derzeit überall als DIE Anlagemöglichkeit des Jahrhunderts genannt. Glauben Sie das nicht pauschal. Meine Erfahrung sagt mir, dass die einzigen Leute, die in China wirklich Geld machen werden, die Chinesen sind ... oder bestenfalls die, die reale, extensive Erfahrung in China selbst haben.
Meine erste Reise nach China – vor ungefähr 10 Jahren – war ein bezahlter Trip, da ich für eine Investmentgruppe aus Florida den chinesischen Markt analysieren sollte. Sie wollten, dass ich und einige andere Autoren die "China-Story" abdecken sollten. Ja, meine Freunde, vor 10 Jahren war China wirklich noch eine richtige Story.
Das war vor der Asienkrise, und chinesische Gesellschaften gingen an die Börse, mit Hilfe von zweifelhaften Geschäftstypen aus Hong Kong. Hong Kong wurde einst wegen Schwarzhandel gegründet ... und seitdem hat sich nichts geändert. Es ist nur sauberer geworden, es stinkt nicht mehr so, und jetzt kann man auf Englisch danke sagen, bevor man ausgenommen wird.
Als mein Flugzeug in Cheng-Du in der Provinz Sichuan landete, da bemerkte ich, dass es draußen ziemlich dunkel war. Es gab kein einziges Licht. Wir landeten. Ich bemerkte, dass eine Gruppe von japanischen Geschäftsleuten Probleme bekam. Ich schätze mal, dass alte Erinnerungen in China nur schwer sterben.
Ein großer Mercedes holte uns ab und brachte uns in unser Hotel. Das Hotel war wirklich das beste Hotel, in dem ich jemals war. Am nächsten Morgen war ich bereit für die Stahlkocherei, die auf unserem Programm stand. Die war zuerst staatlich gewesen, aber dann war sie privatisiert worden, und damals gehörte sie einer Gesellschaft aus Hong Kong. Ich habe nie soviele Fahrräder in einer Stadt gesehen. Und nie so wenige Autos. Als wir durch die Straßen fuhren, war es offensichtlich, dass China eine Menge mehr tun musste, um als ein Land der Ersten Welt zu gelten. Überall um uns herum konnte man Armut sehen.
Wir kamen zu der Stahlkocherei und wurden von einer großen Versammlung der Beschäftigten begrüßt. Alle hatten ihre Sonntagskleidung an, und sie lächelten. Sie konnten die Gewinne aus unseren Erste Welt-Kleidern riechen. Wir wurden herumgeführt und vor den gefährlichen Maschinen gewarnt. Offensichtlich hatten die Amputierten an diesem Tag frei bekommen.
Ich kürze die Geschichte ab. Der Trip endete schlecht, auf mehrere Arten. Ich fühlte mich so, als ob ich meine Zeit verschwendet hätte. Ich kam zu der Schlußfolgerung, dass die Einzigen, die in China Geld machen würden, Chinesen sind. Wenn man in China investieren will, dann muss man sorgfältig und erfahren sein. China ist eins der wenigen Länder, in denen ich lieber einem erfahrenen Fondsmanager folgen würde, als selbst Einzeltitel auszuwählen.
Jetzt zurück ins Jahr 2004. Vor ein paar Wochen gab es eine chinesische Neuemission, China Life. Im ersten Monat fiel der Kurs um rund 30 %. Michael Vaupel vom Börsenbrief "Optionsschein-Profits" hatte Recht, als er meinte, dass man auf diesen Titel einen Put-Optionsschein kaufen sollte. Die Aktie fiel weiter, als bekannt wurde, dass Untersuchungen begonnen wurden, da es bei der Muttergesellschaft Unregelmäßigkeiten gegeben haben könnte. Ich frage mich, ob der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft eine Rolex trägt?
Nächster Halt – Indien.