Die neue Ölpreisspanne?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 13. Februar 2007 18:00 Uhr
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Das ist interessant. Sie wissen, ich hatte vor kurzem vermutet, Saudi Arabien werde vielleicht versuchen, den Ölpreis in einer neuen Spanne zwischen 50 und 60 Dollar zu halten. Wir erinnern uns, dass Saudi Arabien bei einem Ölpreis von 50 Dollar etwas über Förderkürzungen verlautbaren ließ. Der Erfolg war eindeutig, der Ölpreis stieg anschließend schnell an. Gestern, genau zur richtigen Zeit, bei einem Ölpreis von 60 Dollar, kam aus Saudi Arabien der Kommentar eines Ölministers, der sagte, er rechne damit, dass die OPEC das Förderniveau bei ihrem nächsten Treffen unverändert belassen werde.
Der Ölpreis reagiert prompt und heftig und sauste mal eben über 3 % in den Keller.
Ich weiß nicht, ob Saudi Arabien es schaffen wird, den Ölpreis in diesem von mir vermuteten Preisband zwischen 50 und 60 Dollar zu halten, aber es zeigt sich eindeutig, dass sie dabei sind, es zu versuchen. Wir sollten also die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Ölpreis in dieser Spanne bleibt. Das würde natürlich erheblichen Einfluss auf den durch die Rohstoffpreise getriebenen Anteil an der Inflation in den USA haben. Weitere Zinserhöhungen wären dann unwahrscheinlich. Wenn wir schon einmal bei Rohstoffen sind:
Gold ist ausgebrochen!
Gold ist aus seiner Seitwärtsbewegung ausgebrochen. Aber irgendwie will sich bei mir nicht so Recht eine positive Stimmung einstellen. Ich weiß auch nicht warum. Eigentlich hat Gold nun zumindest Platz bis 700 Dollar. Aber ich neige dazu, keine Sachen zu traden, bei denen ich mich nicht gut fühle.
Es gibt natürlich auch Gründe für dieses Unwohlsein. Zum einen passt der Ausbruch nicht zum saisonalen Verlauf bei Gold, danach sollte Gold Anfang Februar sein vorläufiges Hoch sehen. Zum anderen verstehe ich immer noch nicht, warum Gold nicht zunächst die 600er Marke nach unten gebrochen hat, bevor es wieder anstieg. Sie können mich deswegen gerne auch als Pfennigfuchser betiteln, aber so etwas mag ich nicht.
Ein weiterer Grund ist, dass ich eigentlich noch mit einem massiven Anstieg der Indizes in diesem Jahr rechne, der vielleicht auch Kapital aus Gold (und anderen Rohstoffen) abziehen wird. Und der letzte Punkt der Zweifel ist, dass die Inflationszahlen aus den USA im Moment nicht dramatisch sind. Wenn der Ölpreis in der genannten Spanne bleiben wird, dann droht auch hier keine Gefahr, siehe oben.
Zu einem ganz anderen Thema:
Nicht alles wird geopolitisch schlechter: Nordkorea zeigt sich kompromissbereit
Man soll es kaum glauben, aber wahrscheinlich gibt es nun eine geopolitische Gefahr weniger.
Nach neuesten Nachrichten hat Nordkorea sich bereit erklärt, schrittweise aus seinem Atomprogramm auszusteigen. So soll der Atomreaktor Yonbyon innerhalb von 1 ½ Monaten geschlossen werden. Andere Atomanlagen werden folgen. Darüber hinaus will Nordkorea wieder Inspektoren zulassen. Im Gegenzug soll es zu Energielieferungen nach Nordkorea kommen.
Man einigte sich bei dem Sechs-Parteien-Gespräch in Bejing. An der Verhandlung haben Nord- und Südkorea, die USA, China, Russland und Japan teilgenommen.
Aber es wird noch besser. Die USA und Nordkorea wollen bilaterale Verhandlungen aufnehmen, mit dem Ziel, diplomatische Beziehungen aufzubauen! Man höre und staune, das so etwas noch möglich ist. Das hört sich doch sehr gut an.
Der japanische Außenminister Taro Aso hat jedoch noch seine Zweifel, bis jetzt sei es erst nur eine Vereinbarung, man müsse abwarten, ob auch konkrete Schritte folgen. Ich weiß nicht, ob man immer alles so pessimistisch sehen muss. Ich finde es einen großen Schritt, dass überhaupt eine Einigung zwischen Nordkorea und den USA möglich ist – egal was daraus dann wird.
Zwar ist dieser große Schritt nur ein kleiner in Richtung „weltweit ausgeglichenere geopolitische Stimmung“, aber jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt (ostasiatisches Sprichwort). Ich würde mich freuen, wenn auch in anderen Regionen Einigungen erzielt würden und wir das Szenario einer zunehmenden geopolitischen Verschlechterung aus unseren Köpfen streichen könnten. Und damit zu dem letzten Thema:
Die deutsche Wirtschaft brummt
Wenn ich an all die Prognosen der Analysten Anfang 2006 oder Mitte 2006 (nach dem Einbruch) denke, wie weit waren diese von der Wahrheit entfernt: Die deutsche Wirtschaft ist im letzten Jahr sogar deutlicher gewachsen, als noch in den neuesten Prognosen erwartet. Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) legte um 2,7 Prozent zu. Das ist mal eben das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Boomjahr 2000. Grund waren vor allem die starken Exporte gegen Jahresende.
Na, wer hätte das gedacht. Sie sehen, meine lieben Leser, nicht alles was schlecht und runter geredet wird, ist dann letzten Endes auch so. Wie so oft haben Panikmache und Katastrophenfetischismus viele Menschen zu falschen Annahmen verleitet (denken Sie an den August/September 2006!). Ich schreibe das so deutlich, weil gerade auch immer wieder Investoren auf diese Panikmache reinfallen und die falschen Entscheidungen treffen. Natürlich sollte man auf die Gefahren achten, aber man sollte sie nicht beständig dramatisch überbewerten!
