Die neue große Idee ... vom größten Investor der Welt
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 07. Juni 2005 16:00 Uhr
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Mit 500 Milliarden $ verwaltetem Vermögen dürfte Bill Gross der größte Investor der Welt sein ...
Gross managt seit 35 Jahren Geldanlagen bei PIMCO. Investoren geben keinem Mann so eine Riesensumme, nur weil er ein netter Kerl ist. Sie geben es ihm, weil er weiß, was er damit macht.
Bei dem beneidenswerten Track-Rekord, der über viele Jahrzehnte geht, muß man einfach zuhören, wenn er etwas zu sagen hat. Glücklicherweise teilt er uns ein paar mal im Jahr seine Prognose mit. Und bei seiner letzten (Sie finden sie unter www.pimco.com), erzählte uns Bill seine "große Idee": Davon, was die Welt in den nächsten 5 Jahren bewegen wird.
Seine Grundaussage: Die großen Gewinne bei den diversen Asset-Klassen sind vorbei. Seiner Meinung nach können wir vom allgemein niedrigen Zinsniveau nicht mehr weiter profitieren. In Zukunft dürften niedrigere Zinsen nicht mehr die selben positiven Effekte haben, wie bisher.
Beispiel Japan
Bill nennt das Beispiel Japan. Dort waren die Zinsen nahe Null, die Preise der verschiedenen Asset-Klassen fielen. Trotz der geringen Zinsen gab es in Japan keine Inflation. Und trotz der niedrigen Zinsen fielen die Preise für Aktien und Immobilien immer weiter.
Bills Aussage ist einfach: Es gibt irgendwo eine Grenze dafür, inwieweit niedrige Zinsen gut für Investments sind. In Japan zeigt sich deutlich, dass niedrige Zinsen nichts mehr bringen. Bill sagt, wir sind auch in den USA kurz vor diesem Punkt.
Bill bietet eine ziemlich einfache Logik und bezieht sich auf Indizierte, also an die Inflation angepasste, Staatsanleihen. Er zeigt überzeugend, dass wir wirklich keine Vorteile aus der gegenwärtigen Niedrigzinsphase mehr zu erwarten haben. Er sagt konkret:
" ... Wenn die Zinsen weiter fallen, dürfte es schwer sein eine höhere Inflation in den USA zu bekommen als die aktuellen 3 %. Wenn 3 % Inflation aber alles ist, dann ist es schwer zu glauben, dass wir noch höhere Preise bei den verschiedenen Assets sehen werden. Das Potential von der Zinsseite her ist damit fast verbraucht."
Mit Bill's Szenario könnten wir richtig liegen
Während Bill für Anlagen wie Aktien und Immobilien pessimistisch ist, erwartet er, dass die Zinsen weiter fallen. Deshalb ist er zuversichtlich für die Kurse von Anleihen:
"Wenn wir eine Prognose machen sollen, dann halten wir eine Spannbreite von 3-4,5 % für 10 jährige US-Staatsanleihen in einem langfristigen Zeitraum für wahrscheinlich. Für Anleihen aus Euroland dürfte der Zins leicht darunter liegen."
Bill macht sich Sorgen über die Reaktion der Investoren wenn sie erkennen, dass sie mit Aktien und Immobilien nur noch einstellige Gewinne im Jahr machen können und darüber, was diese Anleger machen werden, wenn sie langsam dahinter kommen:
"Die Verschuldung des weltweiten Finanzsystems bringt eine Gefahr für Risiko orientierte Märkte wie Aktien, hochverzinsliche Verbindlichkeiten oder Immobilien, wenn die Besitzer allmählich erkennen, dass ihre Gewinne nicht mehr zweistellig wachsen können."
Also wohin geht es? Bill bietet seine Einschätzung:
"Einige Anlagen, wie Anleihen mit hoher Bonität und bestimmte Rohstoffe mit knappem Angebot, können sich weiterhin gut entwickeln. Andere riskante Anlagen werden dagegen nur noch ein klein wenig weiter laufen."
Kurz gesagt, der größte Vermögensverwalter der Welt hat 35 Jahre Berufserfahrung. Es ist ziemlich untertrieben, wenn man sagt, dass er öfter Recht hatte, als Unrecht.
Und gerade jetzt sagt der größte Vermögensverwalter der Welt, dass die Zinsen extrem niedrig sind und dass sie noch weiter fallen werden. Und er sagt auch, dass der positive Einfluss der niedrigen Zinsen der Vergangenheit auf die Asset-Preise in Zukunft vorbei sein wird.
Bill Gross kann seine 3 bis 5 Jahresprognose in ausgefallene Worte kleiden ... Aber manchmal sind die einfachen die besten:
Aktien und Immobilien werden wahrscheinlich enttäuschen. Anleihen und Rohstoffe könnten gut laufen. Weniger Risiko – das ist in den nächsten 3 bis 5 Jahren der richtige Weg.