Die neue Ära - erster Teil
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Dezember 2007 07:30 Uhr
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Ein Gedanke geht mir schon sehr lange durch den Kopf. Dass diese ganze Ära das Ende einer Ära markiert.
Ich habe den Verdacht, dass wir mindestens das Ende einer Kreditblase erreichen werden… und das Ende der Blase bei der Anlagespekulation wird gerade geschmiedet. Wir erreichen vermutlich auch gerade das Ende der Dollar-Ära im weltweiten Geldsystem. Das amerikanische Imperium scheint ebenso seinen Gipfel überschritten zu haben. Es verschwendet seine Ressourcen mit einer gewaltigen Geschwindigkeit und es ist schwer zu erkennen, woher man das Geld nehmen will, weiter zu expandieren.
„Wir sind alle verdammt noch mal dem Untergang geweiht“, bringt es mein Freund, der Mogambo, auf den Punkt. Aber alles in allem sieht es so aus, als wären wir in verschiedener Hinsicht dem Untergang geweiht… oder auf eine ganz große Art, je nachdem, wie man die Sache betrachten möchte.
Eines der Themen, die in den vergangenen acht Jahren in diesem Newsletter immer wiederkehrten, war die "Gipfelüberschreitung“ der westlichen Zivilisation. Macht und Geld sind in Bewegung, vom Westen zum Osten, wie auch der südafrikanische Pilot von gestern.
„Man würde es nicht für möglich halten“, sagte ein Freund, der gerade von einem Besuch aus Shanghai zurückgekehrt ist. „Die Gebäude… die Leute… es ist wie eine Stadt der Zukunft… und so unglaublich groß. Es hat mir den Atem geraubt.“ Ich spüre es auch… jedes Mal wenn ich in den Osten reise. So viele Leute… und so viel Energie.
Der Westen hat erst kürzlich über den Rest der Welt triumphiert – im 18., 19. und 20. Jahrhundert. Davor hatte jemand in Indien und China ungefähr den gleichen Lebensstandard – oder vielleicht sogar einen höheren Lebensstandard – wie jemand, der in Frankreich oder Großbritannien lebte. Doch dann hat der Westen zugelegt. Was genau war die Quelle des westlichen Erfolgs? Niemand weiß es. Doch eine Innovation war vermutlich von höchstem Rang – der Westen konnte Materie in Energie verwandeln… und dann wieder in Materie… und das deutlich schneller als jemals zuvor.
Im Osten war nur Japan in der Lage in die Nähe dessen zu rücken – und auch das nicht, ehe die amerikanischen Kriegsschiffe dem Inselstaat gezeigt hatten, wie weit er zurückgefallen war.
Und dann war die japanische Kriegsmaschinerie, nach einer atemberaubenden Phase der Imitation und des Wachstums, im frühen 20. Jahrhundert in der Lage, die Russen erfolgreich herauszufordern, und die Amerikaner erfolglos.
Japans Scheitern im Zweiten Weltkrieg war weitestgehend eine Angelegenheit der Energie. Die Amerikaner besaßen Energie im Übermaß. Japan hatte kaum Energie. Und bei der entscheidenden Schlacht am Golf von Leyte standen die japanischen Schiffe, aufgrund von Treibstoffmangel, im Grunde genommen still.
Ja, liebe Leser, unsere Zivilisation…und unsere Hegemonialmacht… sind von Energie abhängig.
Ein Kollege hat mir eine Tabelle zukommen lassen. Sie zeigt die Verbindung zwischen Energie und dem Bruttoinlandsprodukt. Je mehr Energie man verwendet, desto höher steigt der Lebensstandard. An der Spitze des Lebensstandards stehen natürlich die USA… und da finden wir auch die Weltspitze des Energieverbrauchs. Und es ist vermutlich auch kein Zufall, dass hier die Weltspitze in Sachen Militärmacht zu suchen ist. I
Ich habe meinem unerschrockenen Korrespondenten, Byron King, die Tabelle gezeigt. „Hmmm…“, sagte er. „Es sieht so aus, als gäbe es, wenn es keine Energie gibt, auch kein Bruttoinlandsprodukt mehr. Eine Korrelation bedeutet nicht immer einen kausalen Zusammenhang. Aber manchmal… du meine Güte!“
Es ergibt natürlich Sinn. Man braucht Energie, um etwas herzustellen… und um etwas zu bewegen… und für die Landwirtschaft… für die Produktion… zum Kochen… zum Reisen. Und um den Rohrstock zu schwingen. Ich erinnere mich aus meiner kurzen Begegnung mit der Physik, dass die Gesamtmenge der Energie konstant ist….
Und das Energie und Materie austauschbar sind. Öl ist schwarzes, klebriges Zeug. Es besteht aus Materie, die wir in Energie verwandeln… und wir verwenden die Energie, um andere Dinge in eine andere Form von Materie zu verwandeln – in Lastwagen und Autos zum Beispiel.
Und dann stecken wir noch mehr Energie in die Tanks, um die Materie zu bewegen. Ich habe nichts gegen dieses Programm. Es beruhigt mein Gewissen, dass ich diese Erde nicht in schlechterem Zustand verlassen werde – in rein energiespezifischem Sinne. Irgendwie wird es noch genauso viel Energie geben, wenn ich mich davonschleichen werde, wie zu der Zeit, als ich strampelnd und schreiend auf die Welt kam. Das Problem liegt nicht auf der makrophilosophischen Ebene. Das Problem ist ein praktisches.
Die Leute wollen mehr Kram.
Es braucht Energie – und insbesondere in der Form des schwarzen, klebrigen Zeugs, die ich bereits erwähnt habe – diesen Kram herzustellen. Also wollen die Leute mehr Energie, um zu produzieren. D.h. sie werden mehr Energie brauchen, um ihren Lebensstandard zu halten.
Das Problem ist, dass die Ölmenge irgendwie begrenzt ist. Es ist nicht so leicht, mehr Öl herzustellen wie mehr Dollar herzustellen.
Also darf man davon ausgehen, dass der Preis steigen wird. Sogar effektiv wird der Preis vermutlich steigen, ganz einfach deswegen, weil mehr und mehr Menschen das Öl haben wollen… und das leicht erreichbare schwarze Zeug, das nahe der Erdoberfläche in leicht zugänglichen Gegenden liegt, ist bereits verbrannt.
Zurück zur Tabelle. Während die USA, Großbritannien, Frankreich und andere reiche, entwickelte Länder an der Spitze stehen – sowohl beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als auch beim Pro-Kopf-Energieverbrauch – stehen ganz unten die Länder, in denen es nicht viel Kram gibt – aber sehr viele Leute. China zum Beispiel. Es wird sehr viel Energie notwendig sein, China vom unteren Ende der Liste zum oberen Ende der Liste zu bringen. Aber das ist genau das Ziel, das China anstrebt. Und soweit ich höre, wird China auch dorthin kommen… und das heißt,
dass die Chinesen vermutlich Energie verwenden werden, die sonst von den Leuten in den reichen Staaten verwendet werden würde.
Ausgenommen, es gibt einen technischen Durchbruch, sollte man davon ausgehen, dass die Leute in den reichen Ländern sehr viel mehr für jedes Barrel Öl, das sie verbrauchen, werden bezahlen müssen. Doch der aktuelle Lebensstandard hängt von einem Ölpreis von 20 Dollar – vielleicht 40 Dollar – und womöglich sogar 80 Dollar ab.
Bei 200 Dollar pro Barrel wird das Zubehör der Zivilisation deutlich teurer… und die Kosten dafür, an der Weltspitze zu stehen, sind dann sogar noch höher. Mit anderen Worten: die Kosten dafür, reich zu sein, steigen.
Ceteris Paribus bedeutet das, dass die reichen Staaten nicht mehr so reich sein werden, wie sie es einst waren.
Es bedeutet auch, dass die Kosten, eine Militärmaschinerie zu betreiben, steigen werden. Die amerikanische Militärmaschinerie ist der größte Ölverbraucher weltweit.
Und noch eine Sache. Es gibt Leute, die davon ausgehen, dass es schon jetzt deutlich teurer ist, Öl zu verbrennen, als man direkt feststellen kann. Die Theorie besagt, dass zusammen mit der möglichen Energie, die in dem schwarzen Zeug steckt, darin auch ein ganzes Meer von Kohlendioxid steckt, das dann in die Atmosphäre dringt.
Al Gore sagt, die Menschen hätten niemals zuvor in einer Welt gelebt, in der es so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre gab. Zuletzt gab es das vor Millionen vor Jahren. In einer Welt, die sich sehr von derjenigen unterschieden hat, in der sich die Menschen entwickelten. Laut Gore, haben wir unbeabsichtigterweise die Bedingungen des Zeitalters der Dinosaurier wieder erschaffen. Und die Folge ist, dass wir eine Phase des massiven Klimawandels durchleben müssen – an den wir uns mit großen Kosten werden anpassen müssen – wenn wir uns daran überhaupt anpassen können. Ich kann nicht sagen, ob das so ist oder nicht. Es scheint glaubwürdig.
Aber so viele angesehene Wissenschafter, führende Staatsmänner und Universitätsprofessoren glauben daran… dieses Konzept muss irgendwie einen Haken haben.
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